Der Werber-Rat: Glaube versetzt Schuhe

Der Werber-Rat: Glaube versetzt Schuhe

, aktualisiert 26. Januar 2016, 21:50 Uhr
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Die 17 Meter hohe Touristenattraktion im Ocean View Park von Budai im Kreis Chiayi hat allerdings keinen religiösen Zweck, sondern soll an die Opfer der Schwarzfußkrankheit erinnern, die Taiwan in den 50er Jahren in dieser Gegend heimgesucht hat.

von Armin JochumQuelle:Handelsblatt Online

Welche Frau geht da nicht gerne in die Kirche? Eine gläserne Kirche in Form eines High Heels ist in Taiwan gebaut worden. Die Idee hat eine sehr bewegende Vorgeschichte, die nichts mit profanem Konsumwahnsinn zu tun hat.

„Die zwicken wie verrückt!“ Maxi braucht dringend neue Fußballschuhe. Papis uncoolen Argumenten wird wenig Gehör geschenkt, es müssen unbedingt neue her, natürlich von einem ganz bestimmten Label, mit dem man unhaltbare Elfmeter schießt. Klar.

Weltweit kämpfen Marken um Fans. Allen voran das größte Unternehmen der Welt, die Kirche. Was wurde schon alles unternommen, um Menschen wieder von der Sinnhaftigkeit des Kirchgangs zu überzeugen. Moderner müsse man werden, zeitgemäßer, ein Youtube-Kanal müsse her, mehr Event-Charakter, mehr relevanter Content könnte, sollte, müsste, wäre vielleicht ein Weg, mit neuem Selbstverständnis die dunklen Täler immer kleiner werdender Gemeinden zu durchwandern.

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Kürzlich bestaunte ich eine Fotografie eines sehr, sehr großen, gläsernen Frauenschuhs. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine neue Konsum-Kathedrale, sondern um ein Gotteshaus. In zweijähriger Bauzeit an zentraler Stelle in Taiwan errichtet, um Menschen wieder für die Kirche zu begeistern. Die Tatsache, dass dort auch Kuchen serviert werden soll, mag unter Umständen den Gedanken provozieren, dass dort eventuell auch Zalando-Boten Zugang bekommen werden, um Frauen mit neuen Schuh-Paketen ein Halleluja zu entlocken. Dem ist freilich nicht so.

Die Idee der gläsernen Kirche hat eine sehr bewegende Vorgeschichte, die nichts mit profanem Konsum-Wahnsinn zu tun hat. In der Gegend des Kirchenortes grassierte nämlich vor 60 Jahren die schlimme Schwarzfußkrankheit, infolge derer viele Frauen ihre Füße amputieren ließen. Die Idee dieses Gotteshauses ist nicht nur konsequent. Sie hat einen Kern, der Menschen weltweit berührt und sie zu einem besonderen Ort der Begegnung macht. Und das war eine der ersten Ideen der Kirche: jeden willkommen heißen. Natürlich auch in uncoolen Fußballschuhen.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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