Der Werber-Rat: Im Land der Digi-Doofis

Der Werber-Rat: Im Land der Digi-Doofis

, aktualisiert 15. März 2016, 21:15 Uhr
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Laut der Studie können 86 Prozent der Deutschen nichts mit „Wearables“ anfangen. Die Absatzzahlen zeigen aber, dass Apple Watch, Fitbit und Co. ihnen durchaus ein Begriff sind.

von Armin JochumQuelle:Handelsblatt Online

Was sind „Wearables“? Und was ist M-Commerce? Laut einer Studie sollen die Deutschen diese Begriffe gar nicht kennen. Angeblich sollen wir eine Nation von digitalen Analphabeten sein. Sind wir tatsächlich Digi-Doofis?

Neulich, ich saß tiefenentspannt im Flieger auf 21C, gab es Erstaunliches zu lesen: Eine Super-Omi kommuniziert via mobilem Nachrichtendienst WhatsApp mit einer stattlichen Enkelzahl über dies und jenes. Sehr beliebt schienen mir ihre per Kurznachricht verschickten Einladungen zu reichlichen Frühstücksgedecken. „Schinkenfleckerl“ wurden unter anderem offeriert - kein Wunder, dass die Enkel von der Kommunikationsbegeisterung ihrer Großmutter regen Gebrauch machten.

Wirklich staunen musste ich allerdings anderntags, ich las besorgniserregende Zeilen über den Zustand unserer Nation: „Sind die Deutschen Digi-Doofis?“ Quatsch, dachte ich mir, wenn Rentner ihren Enkeln deftiges Frühstück via WhatsApp offerieren, kann es nicht so schlimm um uns bestellt sein.

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Ein Meinungsforschungsinstitut war nach großer Studie nämlich zu der erschütternden Erkenntnis gelangt, dass die Deutschen Begriffe wie „Wearables“ nur unzureichend erklären können - und deshalb, so die Vermutung, wir eine Nation von digitalen Analphabeten wären, gar den Anschluss an den Rest der Welt verloren hätten.

Meine Gegenthese: Die Deutschen können eventuell nicht Englisch, sind aber digital ziemlich vorn dabei: Laut der Studie könne 86 Prozent der Deutschen nichts mit „Wearables“ anfangen.

Die Absatzzahlen zeigen aber, dass Apple Watch, Fitbit und Co. ihnen durchaus ein Begriff sind: Um die zwei Millionen Smartwatches und Fitness-Tracker wurden allein 2015 hierzulande gekauft. 85 Prozent der Deutschen scheinen den Begriff M-Commerce nicht zu kennen - trotzdem lassen sich respektable 64 Prozent davon nicht abhalten, online über ihre Smartphones und Tablets auf Einkaufstour zu gehen.

Und ich schicke nun meiner Mutter eine WhatsApp-Notiz und frage mal, ob sie mir auch mal Schinkenfleckerln macht. Was auch immer das sein mag.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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