Der Werber-Rat: Märkte sind immer noch Gespräche

Der Werber-Rat: Märkte sind immer noch Gespräche

, aktualisiert 18. Mai 2016, 16:47 Uhr
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Das gilt nicht nur für den Fleischkauf beim Metzger.

von Torben Bo HansenQuelle:Handelsblatt Online

Lammhaxen oder Entrecôte? „Märkte sind Gespräche“, erinnert Torben Bo Hansen, für Kunden muss man sich Zeit nehmen und sie wertschätzen. Am Ende entlohnt es der Kunde – und nimmt womöglich Haxen und Steak.

Sönke Erichsen, der Metzger meines Vertrauens wartet geduldig. Es ist Samstag, kurz nach halb eins, und sein Verkaufswagen auf dem Schleswiger Wochenmarkt wird - wie alle Stände hier - gleich schließen. Er aber wirkt tiefenentspannt. Und lächelt freundlich. Heute brauche ich eben mal länger, um mich zwischen rosa Lammhaxen und marmoriertem Entrecôte zu entscheiden. Zu einem schnellen Kauf kann man jemanden vielleicht „dränge(l)n“, zu Loyalität und Empfehlungsbereitschaft nicht.

Was nie jemand meinem freundlichen Genussvermittler erklären musste, haben viele Onlinehändler und App-Betreiber noch vor sich: Sie müssen verinnerlichen, dass gute Geschäfte - im Sinne eines langfristigen Erfolgs - etwas mit guten Beziehungen gemein haben. Im sogenannten Cluetrain-Manifest stellten einige Vordenker der Internetentwicklung schon 1999 den Leitgedanken „Märkte sind Gespräche“ auf.

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Öffne ich aber zum Beispiel meine Lauf-App, findet kein Gespräch, sondern ein Monolog statt. Ich fühle mich getrieben, wie Vieh, das möglichst schnell zur Schlachtbank geführt wird. Permanent poppen Fenster auf, die mich von den Vorteilen der - kostenpflichtigen - Pro-Version überzeugen sollen. Habe ich erfolgreich die gut versteckten Möglichkeiten zum Wegklicken der Fenster gefunden, werden stakkatoartig Angebote von Kooperationspartnern der App-Betreiber unterbreitet. Ob ich nicht ein Musik-Abo oder vielleicht eine Hörbuch-Flatrate zum Laufen bräuchte? Wären auch gerade im Angebot.

Nein danke. Ich wollte eben loslaufen und statt mir zu helfen, meinen Lauf zu erfassen, vermiest ihr mir gerade die Lust an der Bewegung.

Nützlich und interessant sein, geduldig sein, da sein, wenn Fragen auftauchen. Wir sind Menschen, keine Konsumenten. Sönke weiß das. Ich habe übrigens Lammhaxen und auch Entrecôte genommen.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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