Der Werber-Rat: Werbung und Moral

Der Werber-Rat: Werbung und Moral

, aktualisiert 26. April 2016, 21:44 Uhr
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Ist in Werbekampagnen alles erlaubt? Wann ist es moralisch vertretbar und wann nicht?

von Armin JochumQuelle:Handelsblatt Online

Was darf Werbung und was nicht? Sind Ideen, die die Möglichkeit heutiger Technologie ausschöpfen und dabei die Achtung der Würde des Einzelnen nicht beachten, gern gesehen? In der Werbewelt ist das ganz normaler Alltag.

Neulich, ich hatte mich gehörig im Kölner Flughafen verlaufen, fand ich Halt an einem vertrauten Zeitungs- und Bücherarsenal. Was ich dort aus dem Augenwinkel zu lesen bekam, bot auch allerhand Anlass zur Freude: Der Beruf des Werbers fand sich offensichtlich nicht mehr unter den "Zehn unbeliebtesten Berufen" Deutschlands. Politiker, Versicherungsvertreter und Journalisten finden sich nun dort, wo Werber immer einen sicheren Stammplatz hatten.

Ich freute mich zu früh. Einige Tage darauf saß ich in einem sehr hippen Stadtteil von London in einer Jury, die die kreativsten Arbeiten der Welt sehr kritisch in Augenschein nimmt, um am Ende aus 30.000 Arbeiten gerade mal 100 auszuzeichnen. Erstaunlicherweise diskutierten wir bei einigen Arbeiten gar nicht mehr über den Magnetismus oder den Wahnsinn einer Idee.

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Sondern darüber, ob man solche Ideen überhaupt prämieren dürfe. Die Rede ist hier von Ideen, die die Möglichkeiten heutiger Technologie komplett ausschöpfen - und die Achtung der Würde des Einzelnen und der oft notwendige Abstand einfach nicht mehr gegeben sind.

Zum Beispiel ein Plakat, bei dem Menschen sich der Willkür anderer aussetzen, die mit ihrem iPhone über die Protagonisten, die da in zwei Meter Höhe wie die Zinnsoldaten auf kleinen Vorsprüngen stehen, Regen und Schnee herniederprasseln lassen. Wer bis zuletzt ausharrt, gewinnt. Diskutierten wir noch vor Jahren über Filme wie "The Cube" oder TV-Formate wie "Big Brother", hielten wir es nicht für möglich, dass dies einmal ganz normaler Alltag sein kann.

"Survival of the Grittiest" steht auf dem Plakat, was nichts anderes meint, als dass nur die Mutigsten überleben. Sehr überraschend, sehr neu, sehr, sehr wirkungsvoll. Und sehr polarisierend.

Liebe Versicherungsvertreter, ihr bleibt nicht lange allein. Wir sehen uns.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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