Der Werber-Rat: Wortwahl und Verantwortung

Der Werber-Rat: Wortwahl und Verantwortung

, aktualisiert 03. Februar 2016, 21:34 Uhr
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Die Parteivorsitzende der „Alternative für Deutschland“ (AfD), Frauke Petry: Der Schwefelgeruch liegt schon in der Luft.

von Torben Bo HansenQuelle:Handelsblatt Online

Werber und Politiker sollten mit Worten verantwortungsvoll umgehen, meint Torben Bo Hansen. Die AfD-Chefin Frauke Petry hingegen heize mit ihren Aussagen nicht nur die Stimmung an – sie legitimiere individuelle Gewalt.

Werber kennen den Vorwurf, geheime Verführer zu sein. Seit Vance Packards gleichnamigem Buch von 1957 über unterschwellige Beeinflussung steht er im Raum. Dabei hat sich die Kräftebalance seither deutlich zugunsten der Umworbenen verschoben.

Schaut man sich hingegen politische Debatten an, wie sie zum Beispiel von der AfD geführt werden, ist an den Verführungsversuchen nichts mehr unterschwellig oder heimlich. Sie sind brutal explizit und geradezu unheimlich. Der letzte Rest Verantwortungsgefühl scheint der Führungsriege dieser Partei abhandengekommen zu sein, seit Gründer Bernd Lucke aus dem Parteikörper ausgeschieden wurde.

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Wenn die Vorsitzende einer Partei, die in fünf Landesparlamenten vertreten ist, das Schießen auf Flüchtlinge an der Grenze als „Ultima Ratio“ der Staatsgewalt bezeichnet, nimmt sie billigend in Kauf, dass schlichte Gemüter dies als Legitimation individueller Gewalt – quasi als gesetzlich gestützte Landesverteidigung – verstehen. Hier wird nicht nur mit Worten gezündelt, da liegt schon der Schwefelgeruch der Anstiftung in der Luft.

Atemberaubend zynisch ist dann noch der Bezug auf eine angebliche Gesetzeslage, die es so natürlich nicht gibt. Oder jener, dass vorher Abkommen und Maßnahmen den Flüchtlingsandrang bremsen müssten. Jede Relativierung ist scheinheilig, weil unwirksam. Denn sie muss zwangsläufig im aufbrausenden Getöse jener Willigen untergehen, die begierig auf Signale warten. Niemand darf Waffengewalt als legitimes Mittel gegen gewaltfrei herandrängende Flüchtlinge bezeichnen, der nicht auch Verantwortung für die Folgen übernehmen will. Schon gar nicht am Tag nach dem Handgranatenwurf auf ein Flüchtlingsheim.

Die Freiheit des Wortes verpflichtet zum verantwortungsvollen Umgang damit – Werber wie Politiker. Diese Verpflichtung ist aber auch das Einzige, was ich mit solchen Verführern teilen will.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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