Deutsche Bank: Aktionäre nehmen Aufsichtsrat ins Visier

Deutsche Bank: Aktionäre nehmen Aufsichtsrat ins Visier

, aktualisiert 03. Mai 2016, 18:21 Uhr
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Das Geldhaus hat seit dem letzten Aktionärstreffen einen Großteil des Vorstands ausgewechselt.

Quelle:Handelsblatt Online

Angesichts zahlreicher Skandale müssen die Top-Manager der Deutschen Bank nun Konsequenzen fürchten: Ein einflussreicher US-Aktionärsberater will Schadensersatzansprüche prüfen. Bei der Hauptversammlung droht ein Eklat.

FrankfurtDie Deutsche Bank steuert auf eine turbulente Hauptversammlung zu. Der einflussreiche US-Aktionärsberater ISS sprach sich am Dienstag dafür aus, angesichts zahlreicher Skandale Schadenersatzansprüche gegen das Top-Management des Geldhauses zu prüfen. Er stellte sich damit hinter die Aktionärin Marita Lampatz, die auf der Hauptversammlung am 19. Mai eine entsprechende Untersuchung durch eine unabhängige Prüfungsgesellschaft durchsetzen will.

„Die Sonderprüfung soll herausfinden, ob Mitglieder des Vorstands oder des Aufsichtsrats möglicherweise gegen ihre Pflichten verstoßen haben (...) und ob dadurch Verluste für die Bank entstanden sind“, erklärte ISS. Die Amerikaner beraten große Investoren bei ihrem Abstimmungsverhalten. Gerade US-Fonds folgen häufig ihrem Rat.

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Sorgen bereitet dem ISS die jüngste Fehde im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Kontrolleur Georg Thoma war auf Druck seiner Kollegen zurückgetreten, weil diese ihm öffentlich Übereifer bei der Aufarbeitung von Skandalen bei Deutschlands größtem Geldhaus vorgeworfen hatten. Thoma saß dem Integritätsausschuss des Kontrollgremiums vor, der für die Aufklärung von Affären zuständig ist.

Thomas Rücktritt werfe die Frage auf, ob der Aufsichtsrat nach wie vor alles daran setze, Verfehlungen des Spitzenpersonals unter die Lupe zu nehmen, erklärten die Berater von ISS. Die Aufarbeitung durch einen unabhängigen Dritten sei deshalb empfehlenswert.

Auch andere Aktionärsvertreter hatten scharfe Kritik an den Vorgängen bei der Deutschen Bank geübt, unter anderem Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Hans-Christoph Hirt vom ISS-Konkurrenten Hermes. Eine Eskalation auf der Hauptversammlung müsse jedoch verhindert werden, um die Bank in unruhigen Zeiten nicht weiter zu destabilisieren, fordern Großaktionäre.


Hinweise auf erfehlungen nicht ausreichend für Misstrauensvotum

„Uns wäre es recht, wenn wieder Ruhe einkehrt, was Personalien betrifft“, sagte einer von ihnen der Nachrichtenagentur Reuters. „Es gibt derzeit dringendere Probleme, die die Bank hat.“ Der Großaktionär Katar hatte sich Ende März hinter Aufsichtsratschef Paul Achleitner gestellt.

Auch ISS empfiehlt diesmal – anders als 2015 – Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung zu entlasten. Das Geldhaus habe seit dem letzten Aktionärstreffen einen Großteil des Vorstands ausgewechselt, lobten die Institutional Shareholder Services (ISS).

Auch bei Aufsichtsratsmitgliedern gebe es bisher keine Hinweise auf Verfehlungen, die ein Misstrauensvotum rechtfertigten. Der britische Investoren-Berater Pirc hat sich dafür ausgesprochen, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Das neue Vergütungssystem für Vorstände lehnt Pirc – genauso wie die Kollegen von ISS – ab.

Viele Investoren wollen auf der Hauptversammlung die Frage klären, ob die Deutsche Bank im Zinsmanipulations-Skandal eine höhere Strafe zahlen musste, weil Vorstände oder Aufsichtsräte mangelhaft mit den britischen Behörden zusammengearbeitet haben.

Bei den Frankfurtern laufen Insidern zufolge schon länger interne Prüfungen, die die Rolle des ehemaligen Vorstands sowie des Aufsichtsrats in der Libor-Affäre untersuchen. Sollte die Prüfung bei Aufsichtsratschef Achleitner bis Mitte Mai nicht abgeschlossen sein, müsste der Österreicher fürchten, dass ihm die Aktionäre bei der Debatte darüber wegen Befangenheit die Versammlungsleitung entziehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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