Deutsche Bank Anleihen: Das Prinzip Angst

Deutsche Bank Anleihen: Das Prinzip Angst

, aktualisiert 10. Februar 2016, 04:58 Uhr
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Deutsche-Bank-Chef John Cryan bei einer Pressekonferenz in Frankfurt.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank kämpft gegen einen erschreckenden Vertrauensverlust. Der Rückkauf eigener Anleihen würde ihr dabei nur wenig helfen

FrankfurtWenn der Vorstand einer Bank gleich mehrfach versichert, alles sei in Ordnung, jede anstehende Zahlung sei problemlos zu leisten – dann ist es schon weit gekommen.

John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, sah sich zu dieser Versicherung veranlasst, nachdem der Kurs seiner Bank immer weiter fiel und gleichzeitig Papiere, mit denen man sich gegen eine Pleite der Bank absichern kann, im Kurs geradezu explodierten.

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In diese Situation platzte am Dienstagabend ein Bericht der „Financial Times“, dass das Geldhaus überlegt, einen Teil ihrer Anleihen zurück zu kaufen. Von „einigen Milliarden“ ist die Rede, eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Es stellt sich allerdings die Frage, wie die Deutsche Bank auf diesem Weg das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen könnte.

Besonders unter Druck gekommen sind in den letzten Tagen nachrangige Anleihen, die bei einer drohenden Pleite in Aktien umgewandelt und dabei wahrscheinlich an Wert verlieren würden. Diese Papiere sind bei den angeblichen Rückkaufplänen aber nicht gemeint. Sie zählen ja auch zum Haftungskapital der Bank, eine Schwächung dieser Basis wäre kaum denkbar.

Der Rückkauf der regulären Anleihen könnte der Bank einen Gewinn bescheren, weil die Papiere unter 100 Prozent an der Börse notieren. Aber selbst gesetzt dem eher theoretischen Fall, dass sie es schaffen würde, 50 Milliarden zu 98 Prozent zurück zu kaufen, wäre das nur ein Gewinn von einer Milliarde Euro.

Letztlich würde ein Rückkauf von Anleihen die Bank aber Liquidität kosten – wie sollte sie damit das Vertrauen der Investoren erhöhen? Die Aktion wäre ja ähnlich, wie wenn ein Unternehmen, das unter Druck gerät, freiwillig Kreditlinien zurückgibt.

Bei dem dramatischen Vertrauensverlust der Bank spielt ein Begriff eine Rolle, der aus der vergangenen Finanzkrise noch in unheilschwangerer Erinnerung ist: Derivate. Rund 50 Billionen Euro beträgt das nominale Volumen nach dem Ausweis des letzten Geschäftsberichts.


Derivatengeschäfte sind Investoren unheimlich

Im Internet kursieren bereits Vergleiche mit der Pleitebank Lehman Brothers, oder das Volumen der Derivate wird zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands ins Verhältnis gesetzt. Die Panikbotschaften lauten: Die Regierung könnte die Deutsche Bank gar nicht auffangen, und wenn sie zusammenkracht, wird es um ein Vielfaches schlimmer als bei der Lehman-Pleite 2008.

Diesseits aller Panikmache ist verständlich, dass die Investoren sich Sorgen wegen der Derivate machen. Denn letztlich ist dieser Bereich von außen nicht zu durchschauen. Die Bank hat zwar immer betont, dass sie dort keine großen Marktrisiken eingeht, also jede Position durch eine Gegenposition neutralisiert.

Aber in den letzten Wochen haben sich riesige Verschiebungen an den Kapitalmärkten ergeben, die entsprechende Auswirkungen auf den Derivatebereich haben dürften. Und bei den großen nominalen Summen würde schon ein kleiner prozentualer Miss-Match ausreichen, um mit einem Schlag große Summen Geld verschwinden zu lassen.

Bank-Chef John Cryan hat in den letzten Monaten mit bewundernswerter Offenheit von den Problemen seines Instituts gesprochen. Er hat dabei auch erwähnt, dass bei manchen Produkten in der Vergangenheit die Risikokosten nicht ausreichend berücksichtigt worden sind, dass also Geschäfte zu sehr mit Blick auf schnellen Gewinn gemacht wurden, ohne etwaige Spätfolgen angemessen zu berücksichtigen.

Angesichts dieser Aussagen ist es nicht verwunderlich, dass manchen Investoren das große Derivategeschäft der Bank unheimlich ist. Ein Rückkauf von Anleihen dürfte in der Situation nicht weiter helfen.

Cryan steht eher vor der unangenehmen Aufgabe, einem skeptischen Publikum noch mehr Einblick in das überaus komplizierte Geschäft seiner Bank zu verschaffen, und möglicherweise auch weitere Teile davon abzuwickeln, um die Gemüter zu beruhigen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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