Deutsche-Bank-App: Spielerisch zum Börsenprofi?

Deutsche-Bank-App: Spielerisch zum Börsenprofi?

, aktualisiert 03. Mai 2016, 14:30 Uhr
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Screenshot des Börsenspiels der Deutschen Bank.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Das klingt ungewöhnlich: Mit einem iPad-Spiel sollen aus Laien Anlageexperten werden – auf intuitive Weise und ohne lange Erklärungen. Ein Selbstversuch zeigt, ob Simvestor, wie sich das Spiel nennt, funktioniert.

FrankfurtEin Börsenspiel, bei dem unerfahrene Privatleute in Einzelaktien investieren? Haben Kleinanleger nicht schon genug Geld verloren, wenn sie auf einzelne Unternehmen getippt haben? Man denke nur an den Verlust und das Trauma, das viele durch die Telekom-Aktie erlitten haben. Und nun gibt die Deutsche Bank Simvestor heraus, eine Börsen-App für das iPad.

„Es ist kein Zockerspiel, bei dem möglichst hohe Renditen erzielt werden sollen“, sagt Jürgen von der Lehr, Leiter von Maxblue, der Online-Investment-Plattform der Deutschen Bank und zuständig für Digital Innovation. „Es geht darum, Börseneinsteigern die Mechanismen des Kapitalmarktes und die Bedeutung einer Diversifikation im Portfolio zu vermitteln.“ Die Idee kommt zur rechten Zeit, denn in Punkto Geldanlage stecken viele Deutsche in einem Dilemma: Ihre heiß geliebten, einfach zu verstehenden und vergleichsweise risikoarmen Zinsprodukte werfen kaum noch Rendite ab. Doch vor anderen Formen des Investierens, vor allem dem Börsenhandel, schrecken viele zurück – zu kompliziert und zu riskant.

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Hilft Simvestor da tatsächlich weiter? Zeit für einen Selbstversuch. Die App ist installiert und ich bin sofort mitten im Geschehen. Statt eine lange Spielanleitung durchlesen zu müssen, werde ich Schritt für Schritt durch die Funktionen geführt. Auf einer Übersichtsseite gibt es links eine Spalte mit Nachrichten: „InterChem AG kann trotz Absatzplus Gewinn nicht steigern“, „Leitzins soll weiter auf dem aktuellen Niveau verharren“ oder „Dollar stärker, Euro sinkt, Exportwerte beflügelt“. Die Meldungen könnten auch in einer Zeitung stehen, doch laut von der Lehr handelt es sich um eine „simulierte Umgebung, erfundene Unternehmen und ausgedachte Kursverläufe, die auf realen Marktszenarien aufbauen“.

Im rechten Bildbereich sehe ich einen großen Kurs-Chart, einige Aktien zur Auswahl, meinen Kontostand, der anfangs 10.000 Euro beträgt, einen Button, über den ich zu meiner Depotübersicht gelange und einen, der zur „Traderpedia“ führt, dem Nachschlagewerk, in dem Begriffe wie Dividende oder ETF erklärt werden. Und dann ist da noch ein Feld, mit dem ich die Simulation starten kann. Einmal berührt, ziehen die Tage und Wochen dahin: Der Verlauf des Aktienkurses wird simuliert und es werden immer neue Nachrichten eingeblendet.

Schnell lerne ich, wie ich Aktien kaufen kann, dabei gebe ich nicht nur die Stückzahl an, sondern auch mein Gewinnziel. Das gibt es im echten Online-Depot nicht. Doch für von der Lehr ist das Teil des Lernprozesses: „Die meisten Fehlinvestitionen tätigen Anleger, weil sie kein Ziel definieren, das sie mit dem Kauf eines Wertpapiers erreichen wollen.“ Nach der kurzen Einführung startet meine erste Mission: „Kaufe und verkaufe Aktien“ – und ich bekomme den Hinweis, dass ich nie alles auf eine Karte setzen sollte. Anfangs kann ich nur sechs Aktien handeln, mit steigender Erfahrung und dem Erklimmen höherer Spielstufen werden es mehr. Ich lese die Unternehmensbeschreibung und kaufe. Habe ich mein Gewinnziel erreicht, verkaufe ich.


Unvorhergesehene Ereignisse

Dabei wird schnell deutlich, wie schwierig Timing an der Börse ist. Eben bekam ich die Meldung, dass mein Gewinnziel erreicht ist, doch ich habe zu spät reagiert. Nun läuft die Simulation weiter, der Kurs fällt. Besonders übel ergeht es mir mit einer Versicherungsaktie. Das Unternehmen leidet unter den niedrigen Leitzinsen – ganz wie im echten Leben. Aber jetzt mit Verlust verkaufen? Es fällt schwer, doch irgendwann muss es sein, meine Hoffnung auf Gewinne mit diesem Papier ist dahin, ein Totalverlust wird wahrscheinlicher.

„Man kann Anleger auch mit Worten dafür sensibilisieren, wie sie sich in verschiedenen Marktsituationen verhalten sollten, aber wenn sie die Erfahrung in einer Spielumgebung selbst machen, prägt sich das viel besser ein“, sagt von der Lehr.

Bald werde ich auf das Thema Dividenden hingewiesen. Schon vorher hatten mich die Meldungen über solche Ausschüttungen in mein Depot erreicht. In der nächsten Mission soll ich gezielt in starke Dividendenzahler investieren, das klappt. Doch plötzlich bekomme ich eine Nachricht von meiner Simvestor-Schwester Lilly: Ich soll die Crowdfunding-Kampagne für ihre Business-Idee unterstützen. Sie möchte 5.000 Euro.

Bei aller Schwesterliebe, das wäre ja die Hälfte meines Budgets, und viel mehr habe ich gar nicht flüssig. Nein, sie muss sich mit 2.000 Euro begnügen. „Solche Ereignisse sollen den Spielern verdeutlichen, wie wichtig es ist, für unvorhergesehene Ereignisse Liquidität vorzuhalten“, begründet von der Lehr den Einfall.

Nach den ersten zehn Spielstufen ziehe ich Bilanz: Simvestor hat tatsächlich nicht den Charakter eines Zockerspiels. Zwar gibt es bei der Wahl des Gewinnziels keine Grenzen und man könnte auch alles auf eine Aktie setzen. Damit würde man aber seine Mission nicht erfüllen und käme im Spiel nicht weiter. Insgesamt gibt es 40 Spielstufen.

Im weiteren Verlauf wird auch das Investieren in ETFs und Fonds freigeschaltet – was für Privatanleger aufgrund des geringeren Risikos die bessere Variante ist. Inhaltliche Erweiterungen soll in den kommenden Monaten ein Update bringen.

Ob man mit dem Spiel tatsächlich zum „Anlageexperten“ wird, wie die App-Beschreibung es verspricht? Das ist etwas hoch gegriffen, aber zumindest ein Stückchen näher dürfte der Laie diesem Ziel kommen. Und was springt für die Deutsche Bank dabei heraus? Einen unmittelbaren Effekt auf die Kundenzahl werde das nicht haben. „Wir wollen Kunden an das Thema Geldanalage heranführen und damit einen Beitrag zur Finanzbildung und dem individuellen Vermögensaufbau leisten“, sagt von der Lehr.

Ganz unversucht lässt das Geldinstitut die Kundenakquise aber doch nicht: Zwischen den Spielstufen gibt es immer wieder den Hinweis auf eine kostenlose Watchlist bei Maxblue. Damit könne man die Entwicklung der echten Wertpapiermärkte verfolgen. Die Eröffnung eines richtigen Depots könnte dann der nächste Schritt sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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