Deutsche Bank, Commerzbank & Co.: Bankaktien im Ausverkauf

Deutsche Bank, Commerzbank & Co.: Bankaktien im Ausverkauf

, aktualisiert 10. Mai 2016, 10:59 Uhr
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Bankaktien sind derzeit alles andere als beliebt.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Wer zu Jahresbeginn Bankaktien gekauft hat, muss sich über ein echtes Fehlinvestment ärgern. Die Kurse der meisten großen europäischen Banken sind in die Tiefe gerauscht. Und nach Besserung sieht es derzeit nicht aus.

FrankfurtFür Bankaktionäre droht 2016 zu einem Horrorjahr zu werden. So sind die Kurse europäischer Bankaktien seit Jahresbeginn dramatisch abgerutscht. Die Titel der Deutschen Bank verloren etwa 34 Prozent – die schwächste Entwicklung im deutschen Leitindex Dax. Sie sackten im Februar bei gut 13 Euro sogar auf den tiefsten Stand jemals.

Die Commerzbank büßte dieses Jahr immerhin 27 Prozent ein. Ähnlich stark stürzten etliche andere Großbanken ab. Kurzum: Bankaktien sind alles andere als beliebt. Vergangene Woche gab es nochmals mehrere Tage mit deutlichen Verlusten. Am Dienstagmorgen haben sich die Kurse aber wieder leicht erholt, obwohl einige europäische Großbanken tiefrote Zahlen für das erste Quartal vorlegten. Diese Zahlen fielen aber nicht so schlimm aus wie von Analysten erwartet. Die Kurse steigen, weil die Lage weniger dramatisch ist wie befürchtet.

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Doch die Lage bei Europas Banken bleibt ernst. Besonders düster sieht es in Italien aus: Aktien von Unicredit fielen seit Jahresstart sogar um rund 40 Prozent. In Italien sorgte das maue Interesse beim Börsengang von Banca Popolare di Vicenza vergangene Woche für weitere starke Verluste. Angesichts des geringen Interesses muss der staatliche Bankenrettungsfonds Atlante die allermeisten der angebotenen Aktien kaufen. Das traf auch die am Fonds beteiligten Banken wie Unicredit. Denn durch den Aktienkauf hat der Rettungsfonds bereits einen wesentlichen Teils seines Kapital aufgebraucht - und das sollte eigentlich dazu genutzt werden, den heimischen Geldhäusern faule Kredite abzunehmen.

Auch BNP Paribas und Société Générale aus Frankreich, die britischen Geldhäuser Barclays und Royal Bank of Scotland sowie die niederländische ING gaben dieses Jahr heftig nach.

Und in Asien und in den USA zählen Finanzwerte ebenfalls zu den großen Verlierern. In den USA gaben beispielsweise die Aktien von Goldman Sachs und Citigroup seit Jahresbeginn nach. Analysten von Citigroup registrieren, dass die Schätzungen für die Gewinne der Branche zuletzt weltweit gesenkt wurden. Der Sektor wird demnach so negativ gesehen wie kein anderer.

Für eine echte Wende spricht derzeit jedoch nicht allzu viel. „Ich halte das Ausmaß der Kursverluste für übertrieben“, sagt Philipp Häßler, Bankenanalyst bei Equinet, zur Entwicklung der Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank. „Allerdings fehlen kurzfristig die positiven Nachrichten, die Investoren dazu bewegen, die beiden Aktien wieder zu kaufen.“

Für den Kurssturz gibt es mehrere Gründe: Die niedrigen Zinsen nagen an den Margen der Banken. Da die Leitzinsen in der Euro-Zone bei null Prozent liegen und die Europäische Zentralbank für Kurzfristeinlagen Strafzinsen verlangt, wird der Spielraum der Geldhäuser kleiner. Sie geben die Strafzinsen zwar teils an ihre Kunden – Firmenkunden und professionelle Anleger – weiter. Privatkunden aber sind bisher von negativen Einlagezinsen verschont.


Das Geschäftsmodell des Investmentbankings steht in Frage

„Problematisch stellt sich weiterhin die Ertragslage dar. Hohe Kostenquoten und eine niedrige Zinsmarge stellen die Banken vor Herausforderungen. Seit Anfang des Jahres haben sich die Probleme des Niedrigzinsumfeldes nochmals zu verschärfen“, schreiben die Analysten der LBBW zur Situation der deutschen Banken.

Auch die niedrigen Rohstoffpreise machen Kreditinstituten zu schaffen. Durch den niedrigen Ölpreis werden Pleiten und somit Kreditausfälle in der Energiebranche wahrscheinlicher. Vor allem wenn sich große Kreditausfälle andeuten und unklar ist, welche Banken davon betroffen sind, kann allein die Unsicherheit zu Kursverwerfungen führen.

Schlecht läuft das Geschäft zudem im Investmentbanking. Schon seit längerem funktioniert der zuvor lukrative Handel mit Zinspapieren, Rohstoffen und Währungen nicht mehr. Spätestens seit den schwachen Ergebnissen vieler Banken im ersten Quartal dieses Jahres ist klar, dass das gesamte Geschäftsmodell des Investmentbankings infrage gestellt ist.

Wie groß die Unsicherheit bei Anlegern ist, zeigen auch die extremen Schwankungen und hohen Tagesverluste. Im Februar rutschten Bankaktien an einigen Tagen sogar so stark ab, dass Erinnerungen an die Finanzkrise 2008 wach wurden. So verloren die Aktien der Deutschen Bank am 8. Februar gar 9,5 Prozent. Am Tag darauf schloss sie nach weiteren Verlusten auf dem Tiefststand von 13,23 Euro.

Das größte deutsche Geldhaus steht am Anfang einer umfangreichen Restrukturierung und streicht für zwei Jahre die Dividende. Noch ist völlig offen, wie erfolgreich der Umbau auch angesichts der anhaltenden Rechtsrisiken verläuft. Anleger sorgen sich, dass der neue Co-Chef John Cryan die Bank kaputtsparen könnte. Daneben fürchten sie weitere Sonderbelastungen - zum Beispiel durch den Verkauf der Postbank.
Brechen zudem Erträge weg, wächst die Gefahr, dass die Bank bestimmte Anleihen nicht mehr bedient und ihr Eigenkapital angeknabbert wird.

„Mit dem großen Befreiungsschlag bei den Rechtsrisiken kann man derzeit nicht rechnen. Und die Sorgen um die Kapitalausstattung werden so schnell nicht vergehen“, konstatiert Equinet-Analyst Häßler.

Quelle:  Handelsblatt Online
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