Deutsche Bank: „Dann gibt's eben einen Auftrag“

Deutsche Bank: „Dann gibt's eben einen Auftrag“

, aktualisiert 11. Mai 2016, 11:34 Uhr
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Damals gab es Denkzettel für die Führung der Deutschen Bank. Ein weitreichender Vorstandsumbau folgte – angestoßen von Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Hauptversammlungen sind für Deutsche-Bank-Aufsichtsräte selten vergnüglich: Querulante Aktionäre, kritische Investoren, Anträge auf Sonderprüfungen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner nimmt's nach eigenem Bekunden leicht.

FrankfurtDie Deutsche Bank hat für kommende Woche in die Frankfurter Festhalle geladen. Um 10 Uhr geht's los, das Treffen aus dem vergangenen Jahr ist in schlechter Erinnerung. Die damaligen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten eine heftige Abstimmungsniederlage erlitten, in der Folge verließ Jain das Haus. Mittlerweile regiert John Cryan und er steht mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner vor einem möglicherweise ähnlich dramatischen Aktionärstreffen.

Unter anderem droht Achleitner, dass die Aktionäre eine Sonderprüfung durchdrücken. Dabei soll die Rolle des Aufsehers in der Kommunikation mit der britischen Finanzaufsicht FCA untersucht werden. Wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft bei einem Ermittlungsverfahren hatte die Behörde eine Zusatzstrafe in Höhe von 100 Millionen Pfund verhängt – dafür wird teilweise der 59-Jährige verantwortlich gemacht.

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„Dann gibt's eben einen Auftrag“, sagt Achleitner in der morgen erscheinenden Ausgabe der „Zeit“. Die Hauptversammlung sei eine Gelegenheit, offen zu reden.

Vergangene Woche hatte der US-Aktionärsberater Glass Lewis seine Abstimmungsempfehlungen verschickt, an denen sich viele institutionelle Investoren orientieren. Und diese fallen vernichtend aus. Hauptgrund: die Rechtsrisiken. Der gesamte Aufsichtsrat unter Führung von Achleitner sowie die Vorstände, die schon unter dem alten Chef-Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen aktiv waren, sollen für das abgelaufene Geschäftsjahr nicht entlastet werden.

Glass Lewis begründet sein Misstrauensvotum mit den überraschend hohen Zusatzausgaben für Rechtsrisiken von 5,36 Milliarden Euro in mehreren Stufen durch den neuen Chef John Cryan 2015 sowie dem Umgang mit den Rechtsfällen. Den jüngsten Abgang von Kontrolleur Georg Thoma wegen angeblichen Übereifers bei der internen Aufklärung thematisieren die Berater dabei noch nicht einmal.


Bayer-Aufsichtsrat stützt Achleitner öffentlich

Achleitner sagt der „Zeit“, er habe zuletzt viele solidarische Anrufe bekommen – von großen Investoren und sogar von Finanzaufsehern. Der Großaktionär Kuwait hatte sich sogar öffentlich hinter ihn gestellt. Eine solche Schützenhilfe gibt es höchst selten.

Den Ausschlag für den Antritt Achleitners bei der Deutschen Bank im Mai 2012 hatte der Wochenzeitung zufolge Werner Wenning gegeben, der Aufsichtsratschef von Bayer und damaliges Mitglied des Nominierungsausschusses der Deutschen Bank. „Für mich kam da nur Paul Achleitner infrage“, so Wenning. „Ich habe dann persönlich mit ihm gesprochen. Dass heute so gegen diese integre Persönlichkeit vorgegangen wird, ist für mich kaum nachvollziehbar.“

Er selbst sei als Überzeugungstäter zu der Bank gekommen, erklärt Achleitner weiter. Denn „ohne funktionierende Kapitalmärkte wird Europa nicht funktionieren“. Wie beim Internet sei die Gefahr groß, dass die Amerikaner alles regieren. „Doch die Deutsche Bank hat die Chance, international mitzuboxen“, sagte er.

Vorstandschef John Cryan sagte der „Zeit“, er arbeite eng mit Achleitner zusammen. Er wolle aber die juristisch vorgesehene „kritische Distanz“ zwischen Vorstand und Aufsichtsrat wahren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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