Deutsche Bank: Die Postbank als Lichtblick

Deutsche Bank: Die Postbank als Lichtblick

, aktualisiert 27. Juli 2016, 14:56 Uhr
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Der Vorsteuergewinn hat sich im zweiten Quartal fast verdoppelt.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Niedrigzinsen belasten zwar auch die Erträge der Postbank. Doch die Deutsche-Bank-Tochter erwirtschaftet solide Gewinne, während die Mutter strauchelt. Entwickelt sich die Liebe auf den zweiten Blick?

Düsseldorf/FrankfurtIm November hatte der Kreditkartenanbieter Visa verkündet, das einst abgespaltene Kreditkartengeschäft in Europa zu kaufen. Die Verkäufer verbuchen im zweiten Quartal die Einnahmen daraus – so wie etwa die Deutsche-Bank-Tochter Postbank. Mehr als hundert Millionen Euro bringt das der Filialbank. Der Vorsteuergewinn hat sich in einem sonst eher schwierigen Markt auf 179 Millionen Euro fast verdoppelt.

Und auch wenn das Plus fast vollständig auf den Sonderertrag zurückgeht: Das Ergebnis der Bank ist eine stabile Säule im Konzern der Deutschen Bank. Die Mutter hat ein Nachsteuerergebnis von gerade einmal 20 Millionen Euro für die Monate von April bis Juni (hier die ausführliche Analyse des Ergebnis), Vorsteuern schrumpfte der Profit um zwei Drittel auf 408 Millionen Euro. Die Postbank steuerte dazu also fast die Hälfe bei.

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Auch das Geschäft der Postbank ist nicht frei von Schwierigkeiten. Das Filialnetz ist teuer, gleichzeitig drücken die Niedrigzinsen auf die Erträge aus dem Geschäft mit Girokonten und Spargeld. Dieser Geschäftszweig sei „weiterhin rückläufig“, so die Deutsche Bank in ihren Aussagen zum Quartalsergebnis über die Tochter. Selbst der Nachfrageboom bei Baudarlehen kann dies nicht kompensieren. So stagnierten die Einnahmen aus Baufinanzierungen, Wertpapieren, Versicherungen und Postdienstleistungen.

Die Kosten der Postbank stiegen leicht um zwei Prozent auf 690 Millionen Euro, weil Deutsche Bank und Postbank in Vorbereitung auf einen Börsengang der Tochter die technischen Systeme getrennt hatten. Mit einem Verkauf will die Mutter nicht nur Milliarden einnehmen, sondern auch gebundenes Kapital freisetzen. Doch wegen des hart umkämpften deutschen Privatkundenmarkts und der Niedrigzinsen lässt sich derzeit kein von der Bank akzeptierter Preis für die Sparte mit 18.700 Vollzeitstellen erzielen. Deutsche-Bank-Chef hatte sogar schon sinniert, dass er manchmal von einem chinesischen Käufer träume.


Liebe auf den zweiten Blick

Doch auf einmal herrscht keine Eile mehr, die Postbank loszuwerden – ausgerechnet nach dem Quartal, in dem die Trennung der IT zwischen den Unternehmen „wie geplant“ erfolgt sei. „Einige glauben, dass wir die Postbank 2017 verkaufen müssen - das ist nicht der Fall“, sagte Finanzchef Marcus Schenck. Höhere Anforderungen an das Eigenkapital dürften erst Ende 2019 oder später in Kraft treten, so Schenck. Die Bank meldete eine Quote von 10,8 Prozent bei vollständiger Berücksichtigung der künftigen Regeln. Zukünftig dürfe das von Regulierern erwartete Minimum deutlich höher liegen, die Bank selbst hat mindestens 12,5 Prozent als Ziel ausgegeben.

Die Bonner Postbank steht seit dem vergangenen April auf der Verkaufsliste. In Finanzkreisen hatte es zuletzt aber geheißen, dass die Deutsche Bank durchrechne, ob es sich lohnen könnte, die Bonner Tochter doch zu behalten und wieder voll in den Konzern zu integrieren.

Bei dem Bonner Ableger geht man allerdings nach wie vor davon aus, dass alle Zeichen auf einem Börsengang im kommenden Jahr stehen. Entsprechend groß ist die Empörung über die Spekulationen über eine Reintegration. Zuerst kam die teure und mühevolle Integration, dann die Desintegration, und jetzt soll womöglich wieder die Integration kommen, was für ein Unsinn“, meint ein Postbanker. „Bei uns werden sie keinen finden, der sich noch einmal mit Begeisterung oder auch nur mit Wohlwollen für die Eingliederung in die Deutsche Bank engagiert“, meint ein anderer.

Die Postbank hat im zweiten Quartal 34 Millionen Euro wegen ausgefallener Kredite zurückstellen müssen, das ist etwas mehr als im Vorjahreszeitraum (26 Millionen Euro). Den Wert habe der Verkauf eines Pakets nicht vollständig bedienter Darlehen in die Höhe getrieben. Ohne diesen Effekt seien wegen der guten deutschen konjunkturellen Lage nur 18 Millionen Euro ausgefallen.

Nach Steuern kommt die Postbank im Quartal auf eine Eigenkapitalrendite von 8,4 Prozent und im ersten Halbjahr von 7,1 Prozent. Im Mutterkonzern liegt die Quote bei 0,1 Prozent (Halbjahr: 0,9 Prozent).

Quelle:  Handelsblatt Online
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