Deutsche Bank: Die treue Bank des künftigen Präsidenten

Deutsche Bank: Die treue Bank des künftigen Präsidenten

, aktualisiert 12. November 2016, 09:25 Uhr
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Das Kreditinstitut gilt als wichtiger Gläubiger des künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank gilt als einer der größten Gläubiger des Immobilienmagnaten und künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Seit seinem Wahlsieg wird munter spekuliert, ob das etwas bedeutet – und wenn ja, was eigentlich?

FrankfurtDonald Trump hat in seinem Geschäftsleben schon so einige Pleiten hingelegt. Da ist es nicht erstaunlich, dass viele namhafte amerikanische Banken in den vergangenen Jahren eher auf Distanz gingen. Zu den loyaleren Kreditgebern zählt indes die Deutsche Bank. Nach Recherchen des „Wall Street Journal“ steht das Trump-Imperium bei dem Institut mit mehr als 100 Millionen Dollar in der Kreide, das wäre etwa ein Drittel der gesamten Schulden des Immobilienmannes. Dagegen sollen Adressen wie Citigroup, JP Morgan oder Morgan Stanley Trump als Kunden eher auf Abstand gehalten haben. Die Deutsche  Bank kommentiert solche Informationen nicht.

Trumps Verbindungen zur Deutschen Bank führen nun zu einer pikanten Konstellation: Die Bank befindet sich wegen mehrerer großer Rechtsstreitigkeiten in Verhandlungen mit amerikanischen Behörden über hohe Geldbußen. So hatte das amerikanische Justizministerium der Bank allein für fragwürdige US-Hypothekengeschäfte eine Strafe von 14 Milliarden Dollar angedroht, eine Summe, die sich das Geldhaus ohne kräftige Kapitalspritze kaum leisten könnte. Kein Wunder, dass sich nun die ersten Auguren fragen, ob es der Bank nicht vielleicht nützen könnte, wenn einer ihrer Kunden künftig das höchste Amt im Staate innehat.

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Anders gefragt: Wird ausgerechnet der Präsidentschaftsanwärter, der im Wahlkampf die engen Verbindungen seiner Konkurrentin Hillary Clinton zur Wall Street aufs Schärfste gegeißelt hat, nun ausgerechnet seine Hausbank begünstigen? Und ist dem Mann, der mit dem Slogan „America first“ auf Stimmenfang ging, sein Image egal genug, wenn davon mit der Deutschen Bank ausgerechnet ein ausländisches Institut profitiert, dessen Ruf nach vielen Skandalen auch in den USA ramponiert ist? Das Gegenteil ist wohl mindestens ebenso plausibel.

Trump hilft Deutscher Bank - das wäre jedenfalls eine mehr als ironische Wendung. Das gilt umso mehr als die Bank mit Gunstbezeigungen im Vorfeld der Wahl eher gegeizt hatte: Es war das Ehepaar Clinton, das von der Deutschen Bank zwischen 2012 und 2014 Redehonorare in Höhe von knapp einer Million Dollar erhielt. Und Mitarbeiter der Bank hatten privat zwar je zur Hälfte an Demokraten und Republikaner gespendet, wie eine Aufstellung von Opensecrets zeigt, eine Internetseite, die den Einfluss von Geld und Lobbyismus auf die Politik untersucht. 

Doch während Hillary Clinton mit mehr als 92.000 Dollar dabei mit Abstand am meisten erhielt, nehmen sich die 804 Dollar, die an Trump flossen, wahrlich wie Peanuts aus. Immerhin, nachdem Experten der Bank im Vorfeld die Folgen eines Trump-Sieges für die Finanzmärkte eher in Moll intoniert hatten, huldigte eine frische Analyse des Hauses ihm am Freitag nun als „potenziellen game-changer“, als einen, der für eine Wende zum Positiven hin sorgen könnte – für die amerikanische Konjunktur.


Europäische Banken könnten profitieren

Doch was besagt das schon? Vielleicht sollte sich die Bank einfach die Worte ihres  Chefanlagestrategen der Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset Management beherzigen. Der warnte zwar frisch nach dem Wahlsieg, „die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen“.  Stefan Kreuzkamp schrieb den Anlegern in einer ersten Einschätzung über die Folgen für die Finanzmärkte aber auch ins Gebetsbuch, sie sollten „nicht die Nerven verlieren“. „Vergessen wir nicht, dass es die große Konstante in Trumps Wahlkampf war, das Publikum immer wieder zu überraschen“, so Kreuzkamp.
Selbstverständlich gibt es auch noch eine Vielzahl völlig anderer Spekulationen darüber, was das Wahlergebnis für die Deutsche Bank und ihr 14-Milliarden-Dollar-Problem bedeuten könnte. Die Analysten von Barclays etwa mutmaßen, für europäische Banken könne es nun leichter werden, schneller und billiger eine Einigung mit dem US-Justizministerium zu erzielen.

Sie begründen dies damit, dass nach der Wahl häufig die Mitarbeiter in den Ministerien ausgetauscht werden:  „Einige von den Demokraten bestimmte Mitarbeiter des Justizministeriums haben nur noch wenige Wochen, bevor sie ersetzt werden“, schreiben Mike Harrison und Jeremy Sigee. „Eine schnellere Einigung mit den Banken über eine Beilegung von Rechtsstreitigkeiten könnten ein Weg sein, die Amtszeit im Justizministerium mit einem Erfolgsgefühl zu beenden“, argumentieren sie. Offen ist, in welchem Ausmaß Wunschdenken die Barclays-Analysten beeinflusst haben könnte: Schließlich droht auch Barclays eine Milliardenstrafe wegen ähnlicher Hypotheken-Geschäfte wie der Deutschen Bank.
Was sich aus all dem für die Deutsche Bank ableiten lässt? Die wohl passendste Antwort darauf, ist diejenige, die der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, auf eine gänzlich andere Trump-Frage gegeben hatte. Auf einer Podiumsdiskussion auf der 62. kreditpolitischen Tagung wurde er gefragt, ob die USA und Europa bei der Bankenregulierung nun unterschiedliche Wege einschlagen würden, oder ob es noch Chancen auf einen internationalen Kompromiss gebe. Hufelds Replik: „Ihre Frage ist sehr gut und sehr berechtigt. Und die Antwort lautet: ‚Ich habe keine Ahnung.‘“

Quelle:  Handelsblatt Online
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