Deutsche Bank: Eine Beruhigungspille für die Investoren

Deutsche Bank: Eine Beruhigungspille für die Investoren

, aktualisiert 09. Februar 2016, 10:30 Uhr
Bild vergrößern

John Cryan musste Ende Januar einen Rekordverlust verkünden. Jetzt beruhigt die Bank Anleger: Anleihen seien nicht von Zahlungsausfällen gefährdet.

Quelle:Handelsblatt Online

Es ist ein Novum in der jüngeren Geschichte der Deutschen Bank – Deutschlands mächtigstes Geldhaus versichert Investoren, seine Schulden bezahlen zu können. Sorge gibt es um Anleihen, die erst 2014 ausgegeben wurden.

Frankfurt am MainFür John Cryan, den neuen Chef der Deutschen Bank, muss es eine enorme Erleichterung sein. Am Dienstagmorgen starteten die Aktien des größten heimischen Geldhauses mit Kursgewinnen von 1,8 Prozent in den Handel. Zu Wochenbeginn – im Zuge eines allgemeinen Ausverkaufs bei Finanztiteln – waren die Papiere regelrecht abgestürzt und hatte zeitweise fast zwölf Prozent verloren. Am Ende schloss die Aktie 9,5 Prozent tiefer bei 13,82 Euro. So schwach hat das Papier einen Börsentag noch nie beendet. „Die Investoren haben komplett den Glauben an die Bank verloren“, fasste es ein Großaktionär des Instituts zusammen.

Nach dem Kursrutsch liegen die Nerven bei der Deutschen Bank offenbar blank. Das zeigt die ungewöhnliche Maßnahme, zu der sich der Vorstand von Deutschlands größtem Geldhaus am Montagabend durchrang. In einer Pflichtmitteilung versicherte das Institut, dass es genug Geld habe, um neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, „CoCos“) zu bedienen, die erst 2014 im Volumen von rund fünf Milliarden Euro ausgegeben wurden. Dieses Jahr steht eine Zinszahlung von rund 350 Millionen Euro an – und nach Konzernangaben steckt etwa eine Milliarde Euro in der Kasse dafür. 2017 liegen die geschätzten Reserven dank erwarteter Sondererlöse demnach sogar bei 4,3 Milliarden Euro – das operative Ergebnis des laufenden Jahres noch gar nicht eingerechnet.

Anzeige

Zu dem Ausverkauf an der Börse zu Wochenbeginn trug auch eine Warnung der Analysten von Creditsights bei. Die zeigten sich zwar zuversichtlich, dass die Deutsche Bank die CoCo-Zinsen für 2016 zahlen kann, 2017 könne das allerdings anders aussehen.

Wie groß die Verunsicherung mittlerweile ist, zeigt sich auch am Markt für Kreditausfallversicherungen. Allein seit Mitte Januar haben sich die Risikoprämien für CDS der Deutschen Bank mehr als verdoppelt. Investoren, die über fünf Jahre Anleihen im Wert von zehn Millionen Euro des Geldhauses absichern wollen, zahlen dafür derzeit jährlich 232 000 Euro als Prämie. Anfang des Jahres waren es noch rund 100 000 Euro. Die höchsten Prämien wurden allerdings 2011 fällig. Sie lagen damals bei über 300 000 Euro.

In den düsteren Zeiten der Finanzkrise waren diese Papiere eines der wichtigsten Barometer, um den Stress an den Märkten zu messen. Mit diesen Papieren können sich Anleger gegen den Ausfall von Bonds versichern. Mittlerweile sind die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) etwas aus dem Blick geraten, aber seit sich Europas Bankaktien im freien Fall befinden, ändert sich das. Der akute Stress an den Aktienbörsen schlägt inzwischen auch auf die Anleihemärkte und die Credit Default Swaps durch.


Reizender Kupon, riskanter Einsatz

Ein Grund für die enorme Nervosität der Anleger: Sie können sich längst nicht mehr darauf verlassen, dass die Deutsche Bank Gewinne schreibt. Im vergangenen Jahr stand unter dem neuen Chef John Cryan vor und nach Steuern ein Verlust zu Buche. Unter dem Strich belief sich das Minus auf fast sieben Milliarden Euro – ein neuer Rekord. Denn die andauernden Rechtstreitigkeiten und der erneute Konzernumbau belasten die Bilanz.

Und auch 2016 ist ein Verlust nicht ausgeschlossen, wie der Vorstand auf der Bilanzpressekonferenz Ende Januar einräumen musste. Die Dividende ist bereits für mindestens zwei Jahre gestrichen. Zuletzt machte sich deshalb auch Unruhe unter den Anleihe-Investoren breit, obwohl die Deutsche Bank gleich mehrfach betont hat, insbesondere die neuen „CoCo“-Bonds als wichtiges Refinanzierungsinstrument auf keinen Fall beschädigen zu wollen.

„CoCos“ sind eine Antwort auf die neuen Anforderungen der Aufseher, die den Steuerzahler bei künftigen Bankenrettungen schonen wollen. Fällt die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank im Krisenfall unter 5,125 Prozent, dann bekommen die Investoren dieser Zwangswandelanleihen aber keine Aktien der Bank. Stattdessen werden sie an den Verlusten beteiligt, indem die Papiere einfach abgeschrieben werden. Die „CoCos“ werden wertlos, die Anleger verlieren ihren Einsatz. Doch kann die Bank das Geld zurückzahlen, wenn es ihr besser geht.

Von einer solchen Notlage ist die Deutsche Bank weit entfernt. Die Krux liegt woanders: Die Anleger – in der Regel sind das Profi-Investoren – bekommen das höhere Risiko mit einer deutlich höheren Rendite vergütet. Ein Schnäppchen sind „CoCos“ für die Geldhäuser deshalb nicht. Die Deutsche Bank zahlt nach früheren Angaben beispielsweise für eine US-Dollar-Tranche einen Zinskupon von 7,5 Prozent.

Dafür müssen nun eben die Reserven her. Das Geldhaus hat auch noch andere, ältere Nachranganleihen im Umlauf, insgesamt geht es hier um ein Volumen von sieben Milliarden Euro. Auch diese Bonds sollen Finanzkreisen zufolge bedient werden. Mit Blick allein auf die „CoCos“ rechnete die Bank vor, dass sich die Anleger für 2017 erst recht keine Sorgen zu machen brauchten. So werde unter anderem der bereits angekündigte Verkauf der knapp 20-prozentigen Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank einen positiven Effekt von rund 1,6 Milliarden Euro haben. Zudem stünden etwa 1,9 Milliarden an Reserven zur Verfügung, um gegebenenfalls auftretende Verluste zu kompensieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%