Deutsche Bank: Es geht aufwärts

Deutsche Bank: Es geht aufwärts

, aktualisiert 18. Januar 2017, 05:16 Uhr
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Außergerichtlicher Vergleich im Hypothekenstreit: Für Vergehen in enormem Ausmaß wird die Deutsche Bank in den USA zur Kasse gebeten.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Jahrelang war die Aufsicht der wichtigste Kunde für die Deutsche Bank. Die Einigung mit US-Behörden im Hypothekenstreit markiert einen Wendepunkt – nicht nur für die Deutsche Bank.

New YorkJohn Cryan kann aufatmen. Und mit ihm alle seine Kollegen bei der Deutschen Bank. Der Vergleich mit den US-Behörden wegen zweifelhafter Immobiliengeschäfte in den Jahren 2005 bis 2007 ist fest vereinbart.

Gut sieben Milliarden Dollar muss die Bank bezahlen, was mehr als einem Viertel ihrer Börsenbewertung entspricht. Damit ist sie nicht alle Probleme los, aber doch ihre größte Sorge. Cryan kann als Chef des Unternehmens wieder nach vorne schauen.

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Allzu lange hat die Bank im Schatten der Vergangenheit gearbeitet. Das einst stolze, mitunter auch arrogante Geldhaus ist gedemütigt worden. Die Mitarbeiter fühlten sich nicht nur vom Glück verlassen, sondern auch von ihren Chefs.

Etwa von Josef Ackermann, der gleichermaßen Hass und Bewunderung anzog. Er unterhielt die Kapitalmärkte mit überhöhten Renditeversprechen und war stolz darauf, die Finanzkrise ohne Staatshilfe gemeistert zu haben. Die verhängnisvollen Jahre davor, die jetzt Milliarden kosten, gehörten zu seiner Amtszeit.

Danach kam Anshu Jain, der Regenmacher aus London. Zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Fitschen versprach er den großen Kulturwandel. Doch er ist immer ein Händler geblieben, der sich auf schnellen Gewinn, aber nicht auf Kosten- und Risikokontrolle versteht.

John Cryan schließlich hat eine Herkules-Aufgabe übernommen – die mit dem auszumistenden Stall. Dabei legte er sich so ins Zeug, dass die Bank mitunter kaum noch atmen konnte.

Besonders stark zu spüren war war der Druck der Aufseher in den USA. Dort residieren sie zum Teil in Sichtweite der Bank. In ihrer Größe ist die Deutsche Bank zwar nicht mit den einheimischen Riesen zu vergleichen – JPMorgan etwa wird an der Börse mehr als zehnfach so hoch bewertet.

Aber die Mitarbeiter in den USA sind stolz, dass sie in einigen Geschäftsbereichen durchaus auf Augenhöhe mit der Konkurrenz arbeiten – und zudem einen wesentlichen Teil des Konzerngewinns beisteuern, etwa bei der Platzierung großer Unternehmensanleihen oder der Fusionsberatung für Tech-Unternehmen. Doch in den letzten Jahren galt dort besonders der Spruch: „Der wichtigste Kunde ist die Aufsicht.“


Aufwärtstrend für die gesamte Branche

Nachdem nun wenigstens das schwierigste Thema zwischen den Bankern und ihren Kontrolleuren ausgeräumt ist, ist wichtigste Kunde ist wieder der Kunde. Es geht also wieder aufwärts. Wahrscheinlich gilt das sogar für die gesamte Branche.

In den vergangenen Jahren haben die US-Behörden immer höhere Strafen verhängt. Jetzt sind die größten Verfahren abgeschlossen. Und mit der neuen US-Regierung unter Donald Trump, so lautet die berechtigte Hoffnung, dürfte der Trend zu immer mehr Härte gebrochen werden.

Jeff Sessions, der künftige Justizminister, ist dafür bekannt, allzu harte Eingriffe in die Wirtschaft abzulehnen. Die neue Regierung hat die Aufgabe, das richtige Maß zu finden. Die Deutsche Bank wird sich in Zukunft daher vielleicht fragen müssen, ob sie ihren großen Vergleich ausgerechnet am Wendepunkt abgeschlossen hat, als die Strafen besonders hoch waren.

In den vergangenen Jahren war manchmal nicht nachvollziehbar, wie sich die Milliardenstrafen errechneten. Außerdem stand immer die Frage im Raum, wieso US-Behörden letztlich die weitgehend ahnungslosen Aktionäre für Sünden zur Kasse bitten, die unter den Augen von US-Behörden begangen wurden.

Ging es nicht nur um Abschreckung, sondern auch um eine Art Rache? Die Banken waren schließlich seit der Finanzkrise das Böse, und die Politik hat dieses Feindbild sorgsam gepflegt.

Es spricht nichts dagegen, in diesem Punkt wieder zu einem vernünftigen Umgang zu kommen. Auf der anderen Seite darf das nicht dazu führen, Kontrollen gleich wieder abzubauen. Schließlich gegen Banker mitunter sogar zu, dass die Auflagen der Aufsicht sie gezwungen haben, ihr Geschäft besser zu organisieren.

Niemand weiß, ob die neue Regierung diese Balance schafft. Aber wie erfolgreich sie dabei ist, entscheidet darüber, wann wir die nächste Finanzkrise haben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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