Deutsche Bank: "Geben Sie Bescheid, falls jemand die Postbank kaufen will"

Deutsche Bank: "Geben Sie Bescheid, falls jemand die Postbank kaufen will"

, aktualisiert 31. Mai 2016, 17:38 Uhr
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„Furchtbar lang“ hätten Verhandlungen mit dem Betriebsrat zu einem Stellenabbau gedauert.

Quelle:Handelsblatt Online

Bei juristischen Auseinandersetzungen sieht Deutsche-Bank-Chef John Cryan große Fortschritte. Doch der Verkaufsprozess der Tochter Postbank stockt. Und auch die Gespräche über einen Stellenabbau ziehen sich hin.

Die Deutsche Bank sucht nach Alternativen zu einem Börsengang der Postbank. „Wir könnten zwar einen Börsengang durchziehen, aber wir wollen das jetzt nicht, weil ich glaube, dass der Preis, den wir erzielen würden, für unsere Aktionäre nicht attraktiv wäre“, sagte Vorstandschef John Cryan auf einer Investorenkonferenz am Dienstag in New York.

Deshalb müsse die Bank auf ein besseres Klima für Börsengänge warten - oder nach “etwas kreativeren Wegen“ suchen, sich von ihrer Beteiligung zu trennen. „Aber die Bank steht zum Verkauf“, sagte Cryan. „Wenn Sie also jemanden kennen, der eine deutsche Filialbank kaufen will - lassen Sie es mich wissen.“

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Die Deutsche Bank hatte erklärt, sie könne sich bis 2018 Zeit lassen mit einer Trennung von der Postbank. Erst dann lasteten die strengeren Kapitalvorschriften von „Basel III“ so stark auf dem Haus, dass man die Bilanzrisiken der Postbank – rund 42 Milliarden Euro – loswerden müsse, erläuterte Cryan vor den Investoren. Unabhängig vom erzielbaren Preis wirke ein Verkauf wie eine „Kapitalerhöhung durch die Hintertür. Wir haben nicht erwartet, mit dem Verkauf viel Geld zu verdienen.“

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Obwohl Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf der Hauptversammlung im Zentrum der Aktionärskritik steht, bleibt Vorstandschef John Cryan den leidgeprüften Aktionären eine zukunftsweisende Vision schuldig.

John Cryan, der bisherige Co-Vorstandsvorsitzender und zukünftiger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, spricht am 19.05.2016 auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Auch Investoren sind inzwischen der Ansicht, dass die Bank beim Verkauf der Postbank nichts überstürzen sollte. Manche Aktionäre hätten auch kein Problem damit, wenn sich das Geldhaus noch einmal umentscheiden würde und die Postbank doch behalte, sagte einer der zehn größten Aktionäre der Nachrichtenagentur Reuters. Immerhin habe die Postbank 2015 einen soliden Gewinn erwirtschaftet. Für die Glaubwürdigkeit des Managements wäre eine Kehrtwende aber eine Katastrophe, räumte der Investor ein. Das sieht auch Cryan so: Es wäre schwierig, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Der Geist ist aus der Flasche.“

Beim Umbau mache die Bank Fortschritte, sagte Cryan. Das Geldhaus habe sich von Hunderttausenden Kunden getrennt und seine IT-Systeme vereinfacht, so der Brite. Zudem könnte die Bank Skandale bald durch Vergleiche aus der Welt schaffen.

„Wir kommen Abschlüssen näher“, erklärte Cryan. „Wir machen an drei bis vier Fronten Fortschritte“. Er sei zuversichtlich, dass die Bank bis Jahresende wie angepeilt die größten Rechtsstreitigkeiten beilegen könne. Dazu zählen Geldwäsche-Vorwürfe in Russland und umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA.

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Paul Achleitner hat sich zufrieden mit der bisherigen Arbeit des von ihm eingesetzten Vorstandschefs John Cryan geäußert.

John Cryan. Quelle: AP

Auch bei der geplanten Schließung von 200 Filialen in Deutschland und der damit verbundenen Streichung von 4000 Arbeitsplätzen will Cryan bald Klarheit haben. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat hätten sich „furchtbar lang“ hingezogen, räumte er ein. Die Unsicherheit, wer am Ende gehen muss, drückt bei vielen der weltweit rund 100.000 Mitarbeiter auf die Stimmung.

Die Gespräche mit dem Betriebsrat befänden sich nun aber in den letzten Zügen, sagte Cryan. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten ein bis zwei Monaten eine Einigung erzielen werden und dann mit den Filialschließungen und dem Abbau von Stellen voranschreiten können.“

Cryan bekräftigte, dass die Deutsche Bank wegen des Umbaus im laufenden Jahr erneut rote Zahlen schreiben könnte. Die Restrukturierung, die bis Jahresende größtenteils abgeschlossen sein soll, stehe 2016 aber im Vordergrund. Es sei wichtig, dass sich die Bank schlanker aufstelle und sich aus wenig gewinnträchtigen Bereichen zurückziehe, erklärte der seit elf Monaten amtierende Vorstandschef. Im zurückliegenden Jahr habe das Geldhaus über 750.000 Konten geschlossen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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