Deutsche Bank: Gutachter verlangen bessere Risikokontrolle

Deutsche Bank: Gutachter verlangen bessere Risikokontrolle

, aktualisiert 29. März 2017, 19:43 Uhr
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Mit den Risikokontrollsystemen sind die Wirtschaftsprüfer von BDO nicht zufrieden gewesen.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Hat die Deutsche Bank genug Geld für ihre Rechtsrisiken zurückgelegt? Aktionäre wollten das prüfen lassen. Nun liegt ein Gutachten vor, dass der Bank Mängel bei der Risikokontrolle vorwirft. Sie gelobt Besserung.

FrankfurtFür ihre Skandale und Skandälchen hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren bereits viele Milliarden Euro zahlen müssen. Zur Beilegung weiterer Rechtsrisiken hat das Kreditinstitut außerdem weitere 7,6 Milliarden Euro zurückgestellt. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollte es genau wissen und forderte seit einiger Zeit von der Bank ein unabhängiges Gutachten darüber, ob sie ausreichend Vorsorge betrieben hat. Damit konnten sich die Aktionärsschützer zwar nicht durchsetzen, aber sie einigten sich im vergangenen Jahr vor Gericht mit der Bank, zumindest die Risikokontroll-Systeme durchleuchten zu lassen.

Nun liegt das Sondergutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO vor. Es fällt nicht unbedingt schmeichelhaft für die Bank aus. Zusammenfassen lässt es sich in etwa so: Am Umgang mit den finanziell riskanten Rechtsstreitigkeiten übten die Wirtschaftsprüfer keine massive Kritik, mit der Risikokontrolle für normale Rechtrisiken waren sie aber unzufrieden.

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Die Bank habe zum Prüfungsstichtag am 30. Juni 2016 „nicht über eine schriftlich dokumentierte, global anwendbare Richtlinie mit Zielvorgaben für die Bearbeitung von Rechtsrisiken“ verfügt, „mit der eine weltweit einheitliche Fallbearbeitung sichergestellt werden konnte“, heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Das monieren die Wirtschaftsprüfer. Denn so eine Richtlinie mit Zielvorgaben bilde „einen wesentlichen Kern des internen Kontrollsystems, der es den Kontrollinstanzen der Deutschen Bank ermöglichen soll, Entscheidungen der Mitarbeiter der Rechtsabteilung zu überprüfen“.

Erst im Verlauf der Prüfung im Januar dieses Jahres habe die Bank eine global anwendbare Richtlinie mit solchen Zielvorgaben vorgelegt. Das bittere Fazit von BDO: Die Funktionsfähigkeit des mehrstufigen Kontrollsystems, das Banken haben sollen und das sich über das operative Geschäft, über die Risikokontrolle bis hin zur internen Revision hinzieht – also dieses gesamte Risiko-Ökosystem – sei zum Prüfungsstichtag „nicht uneingeschränkt gewährleistet“ gewesen.

Neben der fehlenden Richtlinie bemängelten die Wirtschaftsprüfer auch die Software, die die Deutsche Bank für identifizierte Risiken nutzt. Diese Software habe Schwächen im Kontrollsystem, heißt es im Bericht. „Diese Schwächen erhöhen die operativen Risiken in diesem Prozess“, hießt es. BDO habe aber nicht feststellen können, „dass die festgestellten Schwächen zu einer unvollständigen Erfassung geführt“ hätten.

So unangenehm dieser Befund für die Bank ist, am Umgang mit den finanziellen Großrisiken hatten die Prüfer nichts Drastisches zu bemängeln. Aus den Unterlagen, die BDO dazu erhalten hatte, seien „Richtlinien mit Zielvorgaben für die Bearbeitung dieser Fälle erkennbar“, schreiben die Prüfer. Das ist beruhigend, denn immerhin ging es dabei um die Fälle, die damals rund 86 Prozent der Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ausmachten.

Mittlerweile hat das Kreditinstitut in einigen Punkten nachgebessert. Die Bank habe noch vor Abschluss der BDO-Prüfung eine neue übergreifende Richtlinie erlassen, in der sie eine Reihe schon existierender Richtlinien zusammengefasst habe. Außerdem verbessere diese Richtlinie die Prozesse für die kleineren Verfahren in Deutschland. Auch das elektronische System für Rechtsfälle solle modernisiert werden. „Damit adressiert sie einen gewissen Verbesserungsbedarf, der in dem aktuellen System identifiziert worden ist“, schreibt das Geldhaus reumütig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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