Deutsche-Bank-Händler in Russland: Mit Schwiegermutters Konto Millionen verdient

Deutsche-Bank-Händler in Russland: Mit Schwiegermutters Konto Millionen verdient

, aktualisiert 20. Dezember 2016, 16:40 Uhr
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Das Geldhaus ist einmal wieder ins Visier der russischen Behörden geraten. Ein Händler verdiente auf ihre Kosten Millionen.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein Aktienhändler kaufte und verkaufte Wertpapiere von seinen Verwandten im Namen der Deutschen Bank. Verdienst auf Kosten des Geldhauses: rund vier Millionen Dollar in zwei Jahren. Nun ermittelt die Bank intern.

DüsseldorfDie Deutsche Bank hat viele Baustellen offen, auch in Russland. Nun ist sie in dem Land aber offenbar selbst Geschädigte. Der russischer Händler Yuri Khilov soll zwischen 2013 und 2015 im Namen der Bank Aktien-Deals manipuliert haben, unter anderem mit Papieren russischer Öl- und Bankenriesen wie Gazprom, Rosneft, Sberbank und VTB. Das gab die russische Zentralbank am Dienstag bekannt.

Der Betrug hatte System: Khilov, zu der Zeit Abteilungsleiter für Aktienhandel bei der russischen Niederlassung der Großbank, handelte Aktien im Namen seiner Verwandten. Zu ihnen gehörten laut der russischen Zeitung „Vedomosti” neben seiner Frau Natalia auch seine Schwiegereltern Tatiana und Igor Novikov. Über Konten, die auf deren Namen liefen, lieh sich Khilov Geld von Börsenbrokern und kaufte Wertpapiere. Dann verkaufte er die Aktien an die Deutsche Bank weiter – zu einem guten Preis, den er selbst bestimmte. Anschließend kaufte Khilov die Papiere im Namen der Verwandten innerhalb von wenigen Minuten zurück, ebenfalls zu einem Preis, den er selbst festlegte.

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Das Ergebnis der Prozedur: Der Broker verdiente Geld auf Kosten der Deutschen Bank – rund 255 Millionen Rubel (4,1 Millionen Dollar) von 2013 bis 2015, schätzen die Regulatoren der russischen Zentralbank. Die betreffenden Deals soll Khilov alleine getätigt haben. Allerdings hätten die Verwandten davon gewusst, dass über ihre Konten Börsendeals laufen.

Die Deutsche Bank habe den Vorfall intern untersucht und habe die Ergebnisse bereits an die russischen Regulierungsbehörden übermittelt, kommentierte ein Sprecher des Hauses gegenüber der russischen Wirtschaftszeitung „RBK”. Der Kampf gegen unehrliche Handelspraktiken habe in dem Geldhaus Priorität. Die Bank würde dabei auch eng mit den Regulierern zusammenarbeiten, betonte der Sprecher. Nicht nur die russischen Regulierer, auch die deutsche Bafin war an der Untersuchung des Falls beteiligt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Deutsche Bank in Russland ins Visier der Behörden gerät. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass Kunden über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von rund zehn Milliarden Dollar über koordinierte Aktienverkäufe gewaschen haben sollen. Besonders problematisch: einige der Deals verstießen offenbar gegen die von den USA auferlegten Sanktionen. Lange galt die Russland-Affäre deshalb als eines der unkalkulierbarsten Rechtsrisiken in den Büchern des Finanzhauses. Welche Strafen auf die Bank in dieser Sache zukommen, ist bis heute noch nicht restlos geklärt, auch wenn Insider im Oktober behaupteten, dass die Affäre doch noch glimpflich ausgehen könnte.

Der Skandal rund um Khilov habe nichts mit den Geldwäsche-Vorwürfen gegen die Deutsche Bank zutun, betonten die Zentralbank-Regulatoren. In diesem Fall scheinen die Behörden die Bank als Geschädigte anzuerkennen. Man gehe davon aus, dass die Bank gegen den ihr zugefügten Schaden nun juristisch vorgehen werde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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