Deutsche Bank: John Cryan überrascht mit schwarzen Zahlen

Deutsche Bank: John Cryan überrascht mit schwarzen Zahlen

, aktualisiert 28. April 2016, 07:49 Uhr
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Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank kann bessere Quartalszahlen präsentieren als von Experten erwartet.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal einen Gewinn eingefahren – dieser brach aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich ein. Die Erträge gingen um rund ein Fünftel zurück. Doch es kam nicht so schlimm wie erwartet.

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal einen Gewinn von 579 Millionen Euro vor Steuern eingefahren. Analysten hatten im Schnitt einen Verlust vor Steuern von 172 Millionen Euro erwartet. Unter dem Strich verbuchte das größte deutsche Geldhaus einen Gewinn von 236 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Plus von 1,5 Milliarden Euro zu Buche. Die Erträge sanken um rund 2,5 Milliarden Euro auf rund acht Milliarden Euro, wie von Experten prophezeit.

Wie die gesamte Konkurrenz litt die Deutsche Bank im traditionell eigentlich starken ersten Quartal unter den Turbulenzen an den Finanzmärkten, die die Kunden verschreckten. Der US-Konkurrent Goldman Sachs verbuchte beispielsweise einen Ertragseinbruch von 40 Prozent, dagegen konnte der Wall-Street-Riese JP Morgan die Erträge zumindest stabil halten.

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Vorstandschef John Cryan kann jetzt optimistischer auf das Gesamtjahr blicken, nachdem er Investoren bereits auf schwache Zahlen vorbereitet und einen leichten Verlust nicht ausgeschlossen hatte. 2015 hatte die Bank wegen der hohen Kosten für den tiefgreifenden Umbau und die hohen Rechtsrisiken mit einem Rekordminus von 6,8 Milliarden Euro abgeschlossen.

Im ersten Quartal war der Aktienkurs des Geldhauses massiv unter Druck geraten und auf ein neues Allzeittief von 13,03 Euro gefallen – so schlecht hatten die Investoren die Aktie nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bewertet. Ein Grund für die Nervosität der Anleger war die Furcht, dass die sinkende Profitabilität dazu führen könnte, dass das Institut die Zinsen für seine riskantesten Anleihen nicht mehr bezahlen kann.

Vorstandschef Cryan und sogar Finanzminister Wolfgang Schäuble versicherten damals, dass die Deutsche Bank „grundsolide“ sei. Der Aktienkurs hat sich seither zumindest etwas erholt, und auch am Anleihemarkt fielen die in die Höhe geschossenen Risikoprämien wieder.

Ein Blick auf den Markt für Kreditausfallversicherungen zeigt allerdings, dass die Investoren die Bank noch immer kritischer sehen als die Konkurrenz. Der Informationsdienst Bloomberg hat ausgerechnet, dass die Kosten für eine Absicherung gegen den Ausfall von Anleihen des Frankfurter Geldhauses noch immer knapp 70 Prozent über dem Durchschnitt ihrer zwölf größten Wettbewerber liegen.

Ein Grund zur Sorge für die Investoren ist die Kapitaldecke der Bank, einige große Investoren und Experten wie Stuart Graham vom angesehenen Analysehaus Autonomous fürchten, dass die Eigenkapitalpuffer angesichts der immer härteren Vorgaben der Regulierer nicht ausreichen werden. Im ersten Quartal sank die Kernkapitalquote von 11,1 auf 10,7 Prozent.

Aber es sind nicht nur die harten Zahlen, die den Investoren Sorgen bereiten. Auch der eskalierende Streit im Aufsichtsrat treibt die Anleger um. Am Wochenende hatte Aufsichtsratsvize Alfred Herling seinen Kollegen Georg Thoma öffentlich massiv angegriffen und dabei Unterstützung von Mit-Kontrolleur und Ex-SAP-Chef Hennig Kagermann bekommen.

Thoma ist einer der versiertesten deutschen Wirtschaftsanwälte und führt den Integritätsausschuss der Bank, der für die Aufarbeitung der zahlreichen Skandale verantwortlich ist. Herling wirft Thoma „Übereifer“ und „juristische Selbstverwirklichung“ vor. Die Kritiker des Juristen argumentieren, dass die völlig überzogene Aufklärungswut Thomas die Bank regelrecht lähme und einen Neuanfang verhindere.

Einflussreiche Investoren sehen die Attacke auf den internen Chefaufklärer allerdings extrem kritisch: „Es stellt sich jetzt die Frage: Wie ernst meint es der Aufsichtsrat mit der Aufklärung der Skandale?“, sagt Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, einem der größten Anbieter von Publikumsfonds in Deutschland.

Am Donnerstag kommt der Integritätsausschuss zusammen, und bei dem Treffen werden nach Informationen aus Finanzkreisen voraussichtlich auch Herling und Kagermann dabei sein. Thoma dürfte also zum ersten Mal seit der außergewöhnlichen öffentlichen Attacke auf seine schärfsten Kritiker treffen. „Dieser Streit ist das letzte was die Bank angesichts ihrer vielen Probleme so kurz vor der Hauptversammlung braucht“, warnt ein anderer Großinvestor.

Für Aufsichtsratschef Paul Achleitner und seine Kollegen dürfte das Aktionärstreffen am 19. Mai auf jeden Fall ungemütlich werden, denn am Mittwoch empfahl der britische Aktionärsberater Pirc den Investoren der Bank, den Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung nicht zu entlasten. Es gebe Zweifel, ob die Kontrolleure in der Lage seien, das Management effektiv zu überwachen. Auch dem Vorstand um John Cryan sollten die Eigentümer die Entlastung verweigern, rät Pirc. Ein Grund für das Misstrauen: mangelnde Transparenz bei der Frage, wie die Bank in Zukunft teure Skandale vermeiden will.

Zwar spielen Aktionärsberater wie Pirc, ISS oder Glass Lewis eine wichtige Rolle, weil ihre Vorgaben für viele Großanleger relevant sind, dennoch ist fraglich, wie viele Aktionäre den Empfehlungen am Ende tatsächlich folgen werden. Denn trotz des Misstrauensvotums von Pirc schätzen viele Investoren Vorstandschef Cryan als erfahrenen Sanierer. Und auch für den in die Kritik geratenen Chefaufseher Achleitner haben einige Großinvestoren bereits Rückendeckung signalisiert – allen voran der größte Aktionär aus dem Scheichtum Katar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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