Deutsche Bank: Josef Ackermann will alles richtig gemacht haben

Deutsche Bank: Josef Ackermann will alles richtig gemacht haben

, aktualisiert 22. Januar 2016, 13:58 Uhr
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Immun gegen jegliche Kritik.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Wer hat die Deutsche Bank ruiniert? Einer will es auf keinen Fall gewesen sein, Ex-Chef Josef Ackermann. Das sehen einige in der Bank allerdings ganz anders. Der frühere Vorstandsvorsitzende sorgt für Diskussionsstoff.

FrankfurtEs war ein Schock für Mitarbeiter, Analysten und Investoren. Völlig überraschend meldete die Deutsche Bank am vergangenen Mittwoch Abend, dass sie 2015 einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro eingefahren hat. Es war erst das zweite Minus in der langen Geschichte des mächtigsten deutschen Geldhauses. Am nächsten Morgen stürzte die Aktie des Instituts ab und ist jetzt so billig wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht mehr.

Wer ist verantwortlich für die Misere? Der neue Chef John Cryan sieht sich als Sanierer, der die Altlasten aufräumt, die seine Vorgänger hinterlassen haben. Einer davon will aber mit den Problemen der Bank nichts zu tun haben: Josef Ackermann, der das Institut von 2002 bis 2012 führte. In dem Jahrzehnt unter seiner Führung sei die Bank als einzige in Europa in die Spitzengruppe der globalen Investmentbanken vorgestoßen, ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen und habe in den letzten drei Geschäftsjahren vor seinem Ausscheiden rund 15 Milliarden Euro vor Steuern verdient, verteidigt sich der Schweizer gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“.

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Eine blitzsaubere Bilanz also? In der Deutschen Bank sehen einige das Erbe des Vorstandschefs, der das Geldhaus einst auf ein Renditeziel von 25 Prozent einschwor nicht ganz so rosig.

Tatsächlich war es Ackermann, der den Kurs seiner Vorgänger Hilmar Kopper und Rolf Breuer fortsetzte und das Traditionshaus konsequent auf das Investmentbanking ausrichtete – und das mit Erfolg. Das Geldhaus aus dem eher provinziellen Frankfurt schloss zu den großen Vorbildern in London und New York auf. Gleich zwei Mal durfte Ackermann aus den Händen der britischen Prinzessin Anne den Preis als Bank des Jahres der Fachzeitschrift IFR empfangen, eine Art Oscar der Finanzbranche.


„25 Prozent Rendite ist keine Unternehmensphilosophie“

Aber im Rückblick bleibt doch mehr als ein schaler Nachgeschmack. „Eine Renditeziel von 25 Prozent ist keine Unternehmensphilosophie, Ackermann hat es versäumt, der Bank einen Sinn und einen Zweck zu geben“, urteilt ein ranghoher Manager des Geldhauses. Andere kritisieren, dass unter dem Schweizer erst jene Unternehmenskultur entstanden sei, die die Rendite über alles gestellt hat, und die dann indirekt zu jenen Skandalen führte, die die Bank bis heute viele Milliarden an Strafzahlungen kosten.

Ehemalige Weggefährten monieren außerdem, dass Ackermann bis zuletzt das Investmentbanking nicht reduziert hat. Während sich andere Institute bereits auf die deutlich härteren Vorgaben der Regulierer eingestellt und ihre Handelsabteilungen zusammengestrichen hätten, habe der Chef der Deutschen Bank weiter angegriffen. Außerdem fällt der Kauf der Postbank in die Ära Ackermann. Jetzt leitet der neue Chef Cryan unter erheblichen finanziellen Schmerzen wieder die Trennung von der Privatkundenbank ein.

Vielleicht können die Manager ja den Münchener-Kirch-Prozesss nutzen, um zu diskutieren, wer denn jetzt wirklich Schuld ist am Niedergang der Deutschen Bank. Dort sitzen ja ehemalige und frühere Führungskräfte des Instituts, inklusive Josef Ackermann, zwei bis drei Mal im Monat auf der Anklagebank.

Quellle:  Handelsblatt Online
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