Deutsche Bank: Kleine Panne in der großen Krise

Deutsche Bank: Kleine Panne in der großen Krise

Quelle:Handelsblatt Online

Deutschlands größtes Geldhaus kommt nicht zur Ruhe. Probleme mit der Technik verärgern am Wochenende einige Kunden – als ob die Ereignisse der Woche nicht schlimm genug wären. Die Vergangenheit holt die Bank wieder ein.

„Erst hatten wir kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu.“ Dieser Spruch stammt eigentlich vom ehemaligen Fußallprofi, Jürgen „die Kobra“ Wegmann. Aber so ähnlich dürfte sich auch John Cryan, der Vorstandschef der Deutschen Bank, nach dieser Woche fühlen.

Zu den Gerüchte um Staatshilfen, dem dramatische Kurssturz an der Börse plus anschließender Erholung und dem massiven Angriff von Hedgefonds auf das wichtigste heimische Geldhaus kommt jetzt nach Informationen des Handelsblatts auch noch eine neue IT-Panne. „Kunden können nicht auf ihr Guthaben zugreifen, da dieses gesperrt ist“, beschwerte sich am Samstagmorgen eine Kundin beim Handelsblatt.

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Und: Ich bin fassungslos, kann keine Wochenendeinkäufe tätigen, da ich weder Bargeld erhalte noch mit Karte bezahlen kann.“ Die Bank betont, dass es sich dieses Mal nur um eine kurze Panne gehandelt habe und nur wenige Kunden betroffen gewesen seien. Unangenehm ist die Sache trotzdem. Denn die Pannen häufen sich.

Das sagten Experten zur drohenden US-Strafe für die Deutsche Bank (vor der Entscheidung)

  • Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts

    "Die Deutsche Bank wird diese Strafe nicht ohne Kapitalerhöhung bezahlen können. Das Eigenkapital von derzeit gut 60 Milliarden Euro sollte nicht weiter sinken. Das würde das Vertrauen in die Solidität weiter erschüttern. Die Gewinne der Bank sind derzeit so niedrig, dass sie kaum ausreichen werden, die Lücke zu füllen. Jetzt rächt sich, dass Bankenaufsicht und Bankenregulierer in den letzten Jahren nicht auf eine stärkere Erhöhung des Eigenkapitals der Deutschen Bank gedrängt haben."

  • Jan Duschek, Bankenexperte der Gewerkschaft Verdi

    "Jetzt kommt es mit Blick auf die Bank und die Beschäftigten darauf an, dass die Rechtsstreitigkeiten und damit verbundenen Unsicherheiten schnell gelöst werden. Wir erwarten, dass man einen angemessenen Kompromiss finden wird."

  • Einer der größten zehn Investoren der Deutschen Bank

    "Ich rechne damit, dass die Deutsche Bank am Ende vier bis 5,5 Milliarden Dollar bezahlen muss - das ist etwas mehr als bisher erwartet. Da wir im US-Wahlkampf sind, kann die Summe aber auch höher ausfallen - etwa sechs oder sieben Milliarden Dollar. Auch der Streit der EU mit Apple und Google kann durchaus dazu führen, dass die Summe höher ausfällt als vergleichbare Strafzahlungen von US-Banken.

    Alles über sieben Milliarden Dollar wäre für die Deutsche Bank sehr gefährdend. Die Deutsche Bank müsste sich dann Gedanken machen, ob sie im normalen Geschäft noch mehr Risiken abbauen kann. Wenn alle Stricke reißen, müsste die Deutschen Bank ihre Kronjuwelen verkaufen - die Vermögensverwaltung - oder eine Kapitalerhöhung in Angriff nehmen. Die Deutsche Bank muss die Probleme in jedem Fall aus eigener Kraft bewältigen. Ich bin ziemlich sicher, dass es keine Staatshilfen geben wird.

    Die deutsche Politik sollte sich nicht in die Verhandlungen über die Höhe der Strafe einmischen. Frankreich hat einst Öl ins Feuer gegossen, als es bei einer Milliarden-Strafe für BNP Paribas in den USA intervenierte. Das hat nichts gebracht, sondern die ganze Sache nur noch verschärft."

  • Ingo Frommen, LBBW

    "Wenn die Strafe am Ende fünf Milliarden Euro oder mehr beträgt, wird die Deutsche Bank nicht um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Investoren wollen nicht, dass die Kapitalquote der Bank zu nah an den Mindestanforderungen der Regulierer liegt."

  • Christian Koch, DZ Bank

    "Wir erwarten, dass das mögliche Verhandlungsergebnis deutlich unterhalb des ersten Vergleichsvorschlags liegen wird. Eine Strafzahlung von rund 2,5 Milliarden Dollar würden wir als akzeptables Ergebnis einstufen. Eine Strafzahlung oberhalb der bestehenden Rückstellungen würde die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung unseres Erachtens erhöhen."

  • Markus Huber, Brokerhaus City of London

    "Das Justizministerium hat die Deutsche Bank dazu auserkoren, ihren Teil beim Stopfen des enormen US-Haushaltsdefizits beizutragen."

  • Neil Wilson, Brokerhaus ETX Capital

    "Angesichts der prekären Finanzlage einiger europäischer Banken, von denen die Deutsche eine des risikobehaftetsten und systemrelevantesten ist, ist dies verstörend und wirkt kurzsichtig und unnötig strafend." Selbst ein Drittel der angedrohten Strafe von 14 Milliarden Dollar wäre eine schwere Last für eine Firma mit einem Börsenwert von rund 18 Milliarden Euro. "Gigantische Forderungen unterminieren Banken, drohen einige der am meisten globalisierten, systemrelevanten Institute zu destabilisieren, just als ein Cocktail neuer Regulierungen und ultra-niedriger Zinsen die Ertragskraft zerstören. Es gibt Spekulationen um eine neue Ära der 'Auge-um-Auge'-Handelskriege. Die Deutsche Bank könnte der Prügelknabe für den Angriff der EU-Kommission auf Apple sein."

Erst vor anderthalb Wochen gab es stundenlange Verzögerungen im Online-Banking bei der Anzeige der Girokonten-Umsätze und im Juni konnten etliche Kunden kein Geld abheben. In vielen Fällen wurden im Online-Banking Einzahlungen und Abbuchungen doppelt angezeigt oder gar nicht abgebildet. Wahrscheinlich sind es solche Pannen, die John Cryan meinte, als er kurz nach seinem Amtsantritt von den „lausigen Systemen“ der Bank sprach.

Seine Liebe zur Musik scheint sich Cryan aber auch von der fehleranfälligen IT und dem harten Kampf der Bank um das Vertrauen der Märkte nicht verderben zu lassen. Der Vorstandschef verbrachte die dramatische Woche nach Informationen der „Bild am Sonntag“ in den USA wo er am Montag „Tristan und Isolde“ den Saisonauftakt in der Metropolitan Opera besuchte. Aus der Bank heißt es dazu, die Bank sei Sponsor und Cryan sei mit Kunden dort gewesen.

Aus den USA droht der Deutschen Bank derzeit der größte Ärger. Unmittelbarer Auslöser der dramatischen Kursausschläge ist die Strafandrohung von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) mit der das US-Justizministerium die Verhandlungen über einen Vergleich für dubiose Hypothekengeschäfte eröffnet hat. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner das Bundeskanzleramt und das Bundesfinanzministerium mit einem spätabendlichen Telefonanruf gewarnt, bevor die Deutsche Bank Mitte September eine Pflichtmitteilung über die drohende Milliardenstrafe in den USA veröffentlichte. Nach dem die Summe von 14 Milliarden Dollar öffentlich wurde und durch Medienberichte Gerüchte um eine Rettung durch den Staat aufkamen, war der Aktienkurs der Bank massiv eingebrochen. Das Bundesfinanzministerium musste dementieren, dass bereits an einem konkreten Auffangplan für das Frankfurter Geldhaus gearbeitet werde.

Nach einer turbulenten Woche war der Kurs der Bank am Freitag unter die kritische Marke von zehn Euro gefallen, konnte sich aber wieder stabilisieren, nachdem die US-Hypothekenstrafe nach unbestätigten Spekulationen nun bei lediglich 5,4 Milliarden Dollar liegen soll. Das ist viel mehr als die Bank hofft zahlen zu müssen, aber eben auch deutlich weniger als die maximal angedrohte Summe – daher zeigten sich Anleger erleichtert.

Nach den jüngsten Milliardenstrafen gegen Unternehmen in Europa und den USA wächst einem Zeitungsbericht zufolge in der Union die Sorge vor einem transatlantischen Wirtschaftsstreit. „Was wir derzeit erleben, hat wirtschaftskriegsähnliche Züge“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer, der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. In den USA gebe es eine lange Tradition, jeden Anlass für handelskriegsähnliche Scharmützel zu nutzen, wenn das der eigenen Wirtschaft nutze. Damit seien erpresserische Schadensersatzforderungen verbunden, wie das im Fall der Deutschen Bank zu sehen sei. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, Konflikte zwischen den USA und der EU würden wegen der Überprüfung von Steuerdeals - etwa bei Apple, Amazon und McDonald's - schon lange schwelen. Die Strafe gegen die Deutsche Bank mute wie eine Retourkutsche an.

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