Deutsche Bank mit neuer Rating-Note: Anleihen notieren knapp über Ramsch-Niveau

Deutsche Bank mit neuer Rating-Note: Anleihen notieren knapp über Ramsch-Niveau

, aktualisiert 31. März 2017, 12:25 Uhr
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Vorrangige Anleihen des Instituts haben nur noch ein Rating knapp über dem Hochrisiko-Niveau. Das liegt an einem deutschen Gesetz, das Steuerzahler besser vor Bank-Pleiten schützen soll.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Ein neues Gesetz in Deutschland macht viele Bank-Anleihen riskanter. Darauf reagiert die Ratingagentur S&P – und passt ihre Bewertung für Deutsche-Bank-Anleihen an. Sie gelten fast nicht mehr als sicheres Investment.

FrankfurtEinst galten Bank-Anleihen als Witwen- und Waisenpapiere. Doch seit der Finanzkrise hat sich einiges geändert. Künftig sollen Aktionäre und Gläubiger von Banken zuerst Einbußen erleiden, wenn ein Kreditinstitut in Schieflage gerät. Das bekommen nun auch die Besitzer von Anleihen zu spüren, die früher auf einer Stufe mit Spareinlagen standen. Ein deutsches Gesetz, das seit Januar 2017 gilt, stellt diese Anleihen nun schlechter.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat darauf reagiert und den vorrangigen Anleihen, die von dem Gesetz betroffen sind, deutlich schlechtere Noten erteilt. Die Kreditwürdigkeit solcher Papiere der Deutschen Bank wurde um zwei Stufen auf die Note „BBB-“ herabgestuft. Das ist die unterste Ratingstufe, die noch gerade so als sichere Anlage gilt, darunter beginnt der so genannte „Ramsch-Status“, also die Region der Hochrisiko-Anleihen. Im Falle der Deutschen Bank sind Anleihen im Umfang von 53 Milliarden Euro betroffen.

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Auch andere deutsche Großbanken sind von diesem Schritt betroffen: Die Deutsche Pfandbriefbank und die HypoVereinsbank etwa erhalten eine ebenso schlechte Note für ihre vorrangigen Anleihen. Nur die Commerzbank erhielt ein Rating, das eine Stufe besser ist.

Tröstlich für die Deutsche Bank: Das so genannte Emittenten-Rating, mit dem S&P beurteilt, wie riskant es ist, mit deutschen Banken Derivate-Geschäfte abzuschließen oder dort Geld zu parken, das wurde heraufgestuft. Es verbesserte sich um eine Stufe auf „A-“. Auch Commerzbank und Deutsche Pfandbriefbank kommen nun auf ein „A-“-Rating. Die Logik dahinter: Da nun die vorrangigen Anleihen schneller haften müssen, wenn eine Bank in Schieflage gerät, sind Spareinlagen und Derivate besser geschützt.

Vor allem die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr darunter gelitten, dass sie als „Gegenpartei“, also als Geschäftspartner bei Derivate-Geschäften, als relativ unsicher galt. Im vergangenen Herbst, als unklar war, ob die drohende Milliardenstrafe aus den USA für unsaubere Hypothekengeschäfte das Institut überfordern würde, mieden einige Kunden die Deutsche Bank. Das kostete das Institut gerade auch im wichtigen Investmentbanking Marktanteile, wie die Ranglisten für Investmentbanken zeigen.


Anleihen sind nun Verlustpuffer

Das Gesetz, das die Ratingaktion von S&P auslöste, ist eine deutsche Besonderheit. Eine Abwicklungsrichtlinie der EU sieht vor, dass Banken künftig größere Verlustpuffer vorhalten müssen, bevor zum Beispiel die Spareinlagen der Kunden betroffen sind. Dies geschah in den EU-Staaten auf unterschiedliche Art. In Frankreich etwa wurde eine neue, riskantere Anleiheklasse geschaffen. Das bedeutet, dass die klassischen vorrangigen Anleihen gar nicht beschädigt wurde. Deutschland ging einen anderen Weg und ordnete per Gesetz die Anleihen der potenziellen Abwicklungsmasse zu.

Das hat Vor- und Nachteile für die deutschen Banken. Der Vorteil: Sie müssen keine neuen, extra-riskanten Anleihen auf den Markt bringen. Das wäre im vergangenen Jahr insbesondere für die Deutsche Bank ein Problem geworden. Damals war die aktuell laufende Kapitalerhöhung noch nicht in Sicht und dem Institut drohte eine milliardenschwere Strafe in den USA in damals noch unbekannter Höhe. Der Nachteil: Vorrangige Anleihen deutscher Banken sind aktuell riskanter als diejenigen vorrangigen Schuldtitel etwa französischer Banken.

Für deutsche Banken hatte diese Regelung dennoch Vorzüge: Sie finanzieren sich stärker über die Spareinlagen ihrer Kunden als französische Institute. Deshalb schmerzt es sie weniger, wenn sie für ihre Anleihen wegen der höheren Risiken auch etwas höhere Zinsen zahlen müssen.

Da die EU-Richtlinie, die mit dem deutschen Gesetz abgebildet wurde, überall auf andere Art umgesetzt wurde, bemüht sich die Europäische Kommission derzeit allerdings um einen einheitlichen Standard. Sie hat Ende vergangenen Jahres Sympathien für das französische Modell gezeigt. Vor kurzem hatte dann auch Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) in dieser Angelegenheit Position für die EU-Kommission und ihre Vorstellungen bezogen. Die EU-Kommission ist gerade dabei, die Kapitalregeln der Banken zu überprüfen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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