Deutsche Bank: Noch eine Baustelle

Deutsche Bank: Noch eine Baustelle

, aktualisiert 05. Dezember 2016, 14:01 Uhr
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Deutsche-Bank-Zwillingstürme in Frankfurt.

von Ingo Narat und Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Das Geschäft mit Indexfonds boomt überall – beinahe. Beim größten heimischen Geldhaus, das eigentlich zu den ganz großen Spielern gehört, ziehen die Kunden massiv Geld ab.

FrankfurtDie Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Anlagesparte der Deutschen Bank, die Deutsche Asset Management, muss im lukrativen Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds hohe Mittelabflüsse hinnehmen. Dabei wächst der Markt für diese „Exchange Traded Funds“, kurz ETFs, weiter rasant, und die Deutsche Bank gehört eigentlich zu den ganz großen Spielern. Experten machen für den Rückschlag nicht nur Verschiebungen bei den Präferenzen der Anleger verantwortlich, sondern auch die Turbulenzen, die das größte heimische Geldhaus in den vergangenen Monaten erschütterten.

Von Januar bis Oktober sammelten die 43 ETF-Anbieter in Europa rund 33 Milliarden Euro an frischem Kapital ein. Die Deutsche Asset Management verlor auf diesem Feld jedoch gegen den Trend 4,5 Milliarden Euro. Mit rund 52 Milliarden Euro Kapital in diesem Segment bleibt die Deutsche-Bank-Sparte nach dem mit großem Vorsprung führenden US-Verwalter Blackrock zwar die Nummer zwei, aber der Vorsprung auf den französischen Konkurrenten Lyxor Asset Management ist deutlich geschrumpft. Über Jahre hinweg hatte die Deutsche-Bank-Einheit Lyxor immer weiter hinter sich gelassen. Jetzt droht sich der Trend umzukehren.

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„Wir wollen weiter Marktanteile gewinnen, den Abstand zur Nummer zwei verringern, sie auf Sicht auch überholen“, gibt sich Stefan Kuhn, Deutschlandchef von Lyxor kämpferisch. Dagegen wehrt sich naturgemäß Simon Klein, der das europäische und asiatische Geschäft für die ETFs der Deutschen Asset Management verantwortet: „Wir bleiben die Nummer zwei und werden diese Position im nächsten Jahr stärken.“

Das Thema Reputation Es gibt allerdings Stimmen im Markt, die den Rückschlag für die Deutsche Asset Management in diesem Geschäft der allgemeinen Unruhe in der Anlagesparte sowie den permanenten Negativ-Schlagzeilen über die Mutterbank zuschreiben. „Der Umbau der Anlagesparte schürt ebenso Unsicherheit bei den Anlegern wie die Stressnachrichten über die Bank, beispielsweise über die erwarteten hohen Strafzahlungen in den USA wegen der Hypothekengeschäfte in der Finanzkrise“, sagt der Vertreter eines Konkurrenten.

Ähnliche Urteile hört man von Analysten. „Investoren mögen Stabilität bei den Produkten und den dahinterstehenden Firmen“, sagt beispielsweise Deborah Fuhr, Leiterin der Researchfirma ETFGI in London. „Nach dem Wechsel im Management und anderen Sorgen über die Bank werden sich Investoren zurückziehen - bis wieder Sicherheit da ist“, ergänzt sie.

In der Asset-Management-Sparte hat innerhalb kurzer Zeit mehrfach die Führung gewechselt. Seit Anfang Oktober leitet der ehemalige Axa-Manager Nicolas Moreau den Bereich. Der Franzose löste den Amerikaner Quintin Price ab, der nach nur wenigen Monaten seinen Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.


Nach dem Brexit wollen Anleger raus aus Europa

Dazu kamen einige prominente Abgänge. Steffen Leipold, ehemaliger Vertriebschef für Deutschland und Österreich, heuerte bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) an, und der prominente Fondsmanager Henning Gebhardt wechselte zur Hamburger Privatbank Berenberg. Bei der Deutschen Bank war er für Aktienfonds mit einem Vermögen von insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro verantwortlich.

Zusätzlich verunsichert wurden die Mitarbeiter von Deutscher Asset Management durch Verkaufsgerüchte. Hartnäckig hielten sich Spekulationen, dass sich die Bank von dem Bereich trennen könnte, um mit dem erhofften milliardenschweren Erlös ihre dünne Kapitaldecke zu stärken. Vorstandschef John Cryan reagierte mit einem Brief an die Mitarbeiter, in dem er versicherte: „Die Deutsche Asset Management ist und bleibt ein essenzieller Bestandteil unseres Geschäftsmodells.“ Aber noch immer wird spekuliert, ob die Bank über einen Börsengang nicht zumindest einen Teil der Sparte zu Geld machen könnte, die in den ersten neun Monaten 2016 vor Steuern immerhin 550 Millionen Euro verdiente, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

Allerdings zogen die Anleger laut den Daten des nationalen Fondsverbands in den ersten drei Quartalen fast zwölf Milliarden Euro aus der Sparte ab. Die großen deutschen Konkurrenten wie Allianz Global Investors, Union Investment und auch die Dekabank haben dagegen gleichzeitig Milliarden an frischem Kapital eingesammelt.

Klein von Deutscher Asset Management glaubt nicht, dass die Abflüsse im Indexfondsgeschäft mit den Problemen der Bank zusammenhängen. Das Minus sei „marktbedingt, bei uns ist die Stimmung gut“, argumentiert er. Für ihn ist die aktuelle Entwicklung lediglich die Umkehr der Zuflüsse aus dem vergangenen Jahr. Die Anlagesparte hatte damals vom hohen Interesse an europäischen Aktien profitiert. Investoren kauften damals in großem Stil ETFs etwa auf den Dax oder Euro Stoxx 50.

In diesem Jahr habe sich diese Vorliebe allerdings in eine Fluchtbewegung verwandelt. „Gerade nach dem Brexit wollten Anleger raus aus Europa und haben diese Fonds verkauft - das war ein Nachteil für uns“, erläutert Klein. Die Produkte beispielsweise auf den Euro Stoxx 50 und Dax hätten gelitten. Der große Renner seien Anleihe-ETFs gewesen. Nur könne die Deutsche Bank den Investoren in diesem Segment noch nicht die gesuchten Fonds bieten.

Aber diese Argumente ändern nichts daran, dass sich die Konkurrenz im lukrativen Geschäft mit Indexfonds weiter verschärft. In diesem Jahr haben die Nummer vier und fünf, UBS und Amundi, ihr Kapital deutlich gesteigert. Beide Adressen machen aus ihren Wachstumsambitionen keinen Hehl - und das sind im Moment keine guten Nachrichten für die ohnehin sorgengeplagte Deutsche Bank.

Quelle:  Handelsblatt Online
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