Deutsche Bank: Schlechte Karten in Abu Dhabi

Deutsche Bank: Schlechte Karten in Abu Dhabi

, aktualisiert 09. August 2017, 18:43 Uhr
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Die Deutsche Bank beschäftigt in dem Emirat 180 Mitarbeiter und machte 2016 dort 28 Millionen Euro Umsatz.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Der Streit zwischen Katar und den anderen Golfstaaten greift nun auf europäische Banken über: Abu Dhabi plant einen informellen Boykott gegen Banken, an denen Katar beteiligt ist – mit Konsequenzen für die Deutsche Bank.

Der Deutschen Bank drohen geschäftliche Nachteile in der Golfregion: Das Emirat Abu Dhabi hat einem Bericht der „Financial Times“ zufolge einen informellen Boykott gegen westliche Banken in Kraft gesetzt, an denen der verfeindete Nachbar Katar größere Beteiligungen hält. Die katarische Herrscherfamilie ist über zwei Fonds mit rund neun Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Betroffen sind vom Boykott auch Credit Suisse, an denen Katar zu fünf Prozent beteiligt ist, und Barclays, an denen Katar sechs Prozent hält.

Dem Bericht zufolge haben Vertreter Abu Dhabis anderen Bankern gesagt, dass Institute wie Barclays, Credit Suisse oder Deutsche Bank in den nächsten Monaten vermutlich keine bedeutenden Mandate in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gewinnen dürften, weil an ihnen der katarische Staatsfonds oder die Herrscherfamilie beteiligt seien. „Was uns berichtet wurde, ist ein informeller Boykott, wir können da nichts tun“, zitiert die Zeitung einen der betroffenen Banker anonym.

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Die betroffenen Banken äußerten sich zu dem Bericht nicht. Ein solcher Schritt Abu Dhabis wäre eine weitere Eskalation des Nachbarschaftskonflikts am Golf: Dort versucht eine Koalition aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein und Ägypten den Golfstaat Katar, der bislang eine recht eigenständige außenpolitische Linie verfolgte, mit einem Wirtschaftsboykott auf Linie zu bringen. Offiziell wirft diese Koalition Katar vor, den Terrorismus zu unterstützen, was das erdgasreiche Emirat bestreitet.

Ein Boykott würde den betroffenen Instituten geschäftlich schaden. Die Deutsche Bank beschäftigt in dem Emirat 180 Mitarbeiter und machte 2016 dort 28 Millionen Euro Umsatz. Denn die Ölmonarchien am Golf wollen in den nächsten Jahren ihre Wirtschaft diversifizieren und werden dazu auch die Kapitalmärkte anzapfen. Dafür werden sie für Anleihen oder große Kredite auch Mandate an Investmentbanken vergeben müssen. Vertreter von Deutsche Bank und Credit Suisse, die zunächst zu Präsentationen für bestimmte Mandate eingeladen worden waren, sind dem Bericht zufolge für einige Deals wieder ausgeladen worden.

In dem Konflikt hatten die Gegner Katars immer wieder mit dem Gedanken gespielt, ihre Sanktionen auf internationale Unternehmen auszuweiten, die mit Katar in geschäftlichem Kontakt stehen. Westliche Regierungen hatten die Koalition vor diesem Schritt gewarnt. Doch gegen einen unerklärten Boykott lässt sich nicht viel ausrichten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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