Deutsche Bank: Selbstdemontage eines Gremiums

Deutsche Bank: Selbstdemontage eines Gremiums

, aktualisiert 29. April 2016, 13:56 Uhr
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Die Deutsche Bank genießt längst nicht den besten Ruf. Nach Georg Thomas Rücktritt steckt die Bank nun erst recht in der Glaubwürdigkeitsfalle.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Mit dem Rücktritt des umstrittenen Chefaufklärers der Deutschen Bank, Georg Thoma, ist niemandem gedient – am wenigsten der Deutschen Bank selbst. So kann die Image-Reparatur nicht gelingen.

FrankfurtMachtkämpfe werden in der Wirtschaftswelt selten so offen ausgetragen wie das tiefe Zerwürfnis im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Via Interview unterfüttert mit einem einstimmigen Beschluss im wichtigen Nominierungsausschuss hat der Aufsichtsrat des Kreditinstituts nun den Wirtschaftsanwalt Georg Thoma aus dem Kontrollgremium der Bank gedrängt. Ausgerechnet Thoma, der als Vorsitzender des Integritätsausschuss so etwas wie der Chefaufklärer im Aufsichtsrat der Deutschen Bank war.
Thoma habe es mit der Aufklärerei übertrieben, er habe die Bank gelähmt, habe einem Blick nach vorne im Weg gestanden, werfen ihm seine Kritiker vor. Doch mit seinem Rücktritt ist niemandem geholfen, am wenigsten der Bank selbst. Das größte Problem der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit ist der durch zahllose Skandale vollkommen ruinierte Ruf des Instituts. Nichts ist wichtiger für die Bank, als diese Reputation wieder zu reparieren.

Das kann nicht gelingen, wenn führende Vertreter des Aufsichtsrats Thoma öffentlich „Übereifer“ bei der Aufklärung vorwerfen oder zu fordern, man müsse dieses Kapitel mit der Vergangenheitsbewältigung endlich einmal abschließen und nach vorne sehen. Thoma ist ein durchaus umstrittener Kontrolleur. Seine Rolle als Aufsichtsratschef beim Anlagenbauer Ferrostaal galt als wenig konstruktiv. Doch zum einen wusste die Bank das schon vor seiner Berufung. Und ganz gleich, was intern zwischen Thoma, anderen Aufsichtsräten und dem Rest des Managements vorgefallen sein mag, seine Demission wirkt keinesfalls vertrauenerweckend. Schließlich hat die Deutsche Bank sehr, sehr lange gebraucht, um das Ausmaß ihrer Misere sich selbst einzugestehen.

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Nach Thomas Rücktritt steckt die Bank nun erst recht in der Glaubwürdigkeitsfalle: Wie will das Institut nachprüfbar belegen, dass Thoma tatsächlich nur übereifrig war und dass die Untersuchungen auch ohne ihn „gründlich“ und ohne Ansehen auf Personen abgeschlossen werden? Der Aufsichtsrat hat sich gerade wegen seiner Geschlossenheit gegenüber Thoma kollektiv befangen gemacht.
Wer auch immer auf Thoma folgen wird, der Neue wird die Vergangenheit der Bank erst recht noch einmal gründlich untersuchen müssen, um jeden Verdacht zu widerlegen, dass er eine Gefälligkeitsprüfung durchgeführt hat. Auch das wird Zeit brauchen. Auch das wird die Bank belasten. Mit oder ohne Thoma, das Kapitel Vergangenheitsbewältigung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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