Deutsche Bank: Vorstandschef erwägt tausende Entlassungen

Deutsche Bank: Vorstandschef erwägt tausende Entlassungen

, aktualisiert 08. November 2017, 08:39 Uhr
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„Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus.“

von Katrin HöffkenQuelle:Handelsblatt Online

Mit einem radikalen Umbau will die Deutsche Bank endlich wieder Anschluss an die internationale Konkurrenz finden. Im Kampf gegen das schrumpfende Geschäft zieht Vorstandchef Cryan nun weitere Entlassungen in Betracht.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank hat einen klaren Hinweis darauf gegeben, dass weitere zehntausende Stellen abbaut werden könnten. Hintergrund soll eine Effizienzsteigerung der Bankprozesse durch den vermehrten Einsatz von Technologie sein. Die Bank leidet wie andere Institute unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen. Zudem machen ihr die anhaltend ruhigen Kapitalmärkte zu schaffen, weil diese die Provisionseinnahmen schmälern.

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Mit ihren Quartalszahlen nennt die Deutsche Bank auch weitere Details zur Integration der Postbank. Die entscheidenden Fragen bleiben aber offen.

Quelle: dpa

„Wir beschäftigen derzeit 97.000 Menschen“, sagte John Cryan der „Financial Times“. „Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus.“ Cryan verspricht sich durch eine erhöhte Automatisierung von Prozessen eine geringere Fehleranfälligkeit, die manuelle Tätigkeiten mit sich führen. Zudem sei das Verhältnis von Schaltermitarbeitern und Buchhaltern zu Umsatz generierenden Angestellten, die das System der Bank am Laufen hielten, „aus dem Gleichgewicht geraten“. Bei einer Konferenz im September bezeichnete der Vorstandchef die Buchhalter der Bank als Mitarbeiter die „viel Zeit damit verbringen, im Grunde ein Abakus zu sein“ und dass sie reif dafür seien, automatisiert zu werden.

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John Cryan hat seit seiner Übernahme des deutschen Kreditgebers bereits acht Milliarden Euro Kapital eingenommen und konnte juristische Altlasten der Bank, wie schwerwiegende Rechtsstreitigkeiten beilegen. Trotz dessen ist er wegen seiner schlechten operativen Ausführung unter Beschuss geraten. Der Aktienkurs der Bank hat sich unter seiner Amtszeit fast halbiert. Seine unverblümte Botschaft soll auch zu einer Demotivation der Mitarbeiter geführt haben. Kritiker bemängeln die daraus resultierenden Abgänge und verweisen auf den wachsenden Einnahmenrückgang.

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Die Deutsche Bank steigert im dritten Quartal ihren Gewinn deutlich. Grund dafür sind geringere Kosten. Der Umsatz hingegen geht zurück.

Deutsche Bank Zentrale Quelle: dpa

Der Brite sagte der „Financial Times“, dass es eine „einfache“ Möglichkeit gebe, durch die Zusammenarbeit mit Rivalen im Bereich der Kriminalprävention und -aufdeckung Geld zu sparen. „Jede Bank hat zur Zeit eine riesige, stetig wachsende Abteilung, die das Gleiche macht. Dabei geht es nicht um Wettbewerbsvorteile, da man seinen eigenen Fehlern ausgesetzt ist.“

Der erhoffte Aufschwung bei der Deutschen Bank lässt auf sich warten. Für das dritte Quartal musste das größte heimische Geldhaus abermals ein rückläufiges Geschäft melden und verfehlte sein angestrebtes Renditeziel von zehn Prozent. Ab dem zweiten Quartal 2018 sollen rund 13.000 Beschäftigte der Deutschen Bank und 17.000 Beschäftigte der Postbank unter einem rechtlichen Dach arbeiten. 900 Millionen Euro Einsparungen soll die Integration der Retail-Banking-Tochter einbringen. Die Kürzungen werden drei bis vier Jahre dauern.

Cryan sagte, es gäbe mehre Möglichkeiten die Schließung von Filialen abzuwickeln. Dabei würde eine Beschränkung des Angebots für Postbankkunde auf Onlinedienste naheliegen. „In Wahrheit würde ich bei einem Besuch mehrerer Filialen ziemlich lange warten, bis ich (irgendeinen) Kunden treffen würde. Sie kommen schlichtweg nicht mehr so oft rein wie früher.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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