Deutsche Bank: Zu früh gefreut

Deutsche Bank: Zu früh gefreut

, aktualisiert 16. September 2016, 10:40 Uhr
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Der Kurs der Deutschen Bank ist am Freitag eingebrochen.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

So dramatisch die 14-Milliarden-Dollar-Forderung klingt, das Ende der Deutschen Bank wird mit dem blauen Brief aus Washington nicht eingeläutet. Eines zeigt er aber: Die Hoffnung auf eine günstige Einigung war verfrüht.

Der Brief des amerikanischen Justizministeriums ist für die Deutsche Bank eine kalte Dusche: 14 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 12,5 Milliarden Euro, hat die oberste Strafverfolgungsbehörde als Vergleichssumme vorgeschlagen, um den Streit um dubiose US-Hypotheken aus der Welt zu räumen.

So eine Summe käme einer mittleren Katastrophe gleich: Müsste die Bank diesen Betrag glatt vom Eigenkapital abziehen, könnte die Eigenkapitalquote in den einstelligen Bereich, auf vielleicht acht Prozent abrutschen. Für eine Bank dieser Größenordnung und Komplexität wäre das indiskutabel, eine Kapitalerhöhung praktisch zwingend.

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Nur welcher Investor würde die im Moment zeichnen wollen? Auch wenn die US-Hypotheken das wohl gravierendste Rechtsrisiko der Bank sind, sie sind nicht das einzige. Auch der Geldwäscheskandal in Russland ist finanziell schwer kalkulierbar. Der Zwang zu einer Kapitalerhöhung wäre für die Deutsche Bank deshalb ein ernstzunehmendes Problem. Kein Wunder also, dass die Aktionäre panisch reagieren und der Aktienkurs deutlich gesunken ist.

Deutsche Bank John Cryan wehrt sich gegen US-Justiz

Die US-Regierung verlangt eine hohe Strafe über 14 Milliarden Dollar von der Deutschen Bank. Das Geldhaus ist zuversichtlich, die Summe herunterhandeln zu können. Bei Börseneröffnung gingen die Aktien in den Sinkflug.

Die Deutsche Bank bestätigt: Im Streit um Hypothekengeschäfte fordert das US-Justizministerium von dem Frankfurter Geldhaus 14 Milliarden Dollar. Quelle: Reuters

Doch so dramatisch es klingt, das Ende der Deutschen Bank ist mit dem blauen Brief aus Washington aller Voraussicht nach noch nicht eingeläutet. Um Bußgelder wird in den USA gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar: Auch die Investmentbank Goldman Sachs, die ebenfalls wegen dubioser Hypothekengeschäfte eine Strafe kassierte, fing in ihren Verhandlungen mit dem Justizministerium bei etwa 15 Milliarden Dollar an, um dann bei rund fünf Milliarden Dollar zu landen. Das zeigt, wie groß die Handlungsspanne ist und dass es vermutlich kein hohles Versprechen ist, wenn die Deutsche Bank per Pflichtmitteilung klarstellt, sie habe nicht vor, eine Summe zu zahlen, „die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht“.

Auf einen Blick: Probleme bei der Deutschen Bank

  • Abgeschlagen: Marktkapitalisierung

    Im Ranking der wertvollsten Banken der Welt (nach Marktkapitalisierung in Milliarden Euro) landet die Deutsche Bank mit 40 Milliarden Euro auf Rang 40.
    Zum Vergleich: Die Industrial and Commercial Bank of China belegt mit 265 Milliarden Euro den ersten, Wells Fargo (USA) mit 259 Milliarden Euro den zweiten Platz.

    Auswahl, gerundet; Stand: 11.05.2015; Quelle: Bloomberg

  • Klar verfehlt: Ziele für 2015

    Die meisten für 2015 ausgegebenen Ziele haben Jürgen Fitschen und Anshu Jain nicht erreicht: Statt bei unter 65 Prozent liegt das Verhältnis von Kosten zu Erträgen bei 84 Prozent, statt einer Nachsteuerrendite von zwölf erzielte die Bank zuletzt drei Prozent, im Investmentbanking waren es fünf statt der avisierten 15 Prozent. Der Vorsteuergewinn im Privatkundengeschäft war 2014 weniger als halb so hoch wie geplant.

  • Rekordstrafe: Libor-Skandal

    2,2 Milliarden Euro zahlte die Deutsche Bank wegen Manipulation von Libor und Euribor.

  • Im Visier der Justiz: Jürgen Fitschen

    Co-Chef Fitschen steht derzeit in München wegen versuchten Prozessbetrugs vor Gericht.

  • Im Visier der Aufseher: Anshu Jain

    Die Manipulation von Libor und Euribor setzt Co-Bankchef Jain unter Druck.

Die Analysten von Berenberg haben ein wenig gerechnet: Sie kalkulieren eine Strafe von acht Milliarden Euro ein und gehen davon aus, dass die Bank bislang etwa drei Milliarden Euro für ihr größtes Rechtsrisiko, die US-Hypotheken, beiseitegelegt haben.

Das ist durchaus realistisch, schließlich sind die US-Hypotheken die gefährlichste Rechtsstreitigkeit und alles in allem belaufen sich die Reserven für die Beilegung solcher und anderer Streitigkeiten auf 5,5 Milliarden Euro. In diesem von Berenberg durchgespielten Szenario bliebe der Deutschen Bank am Jahresende noch immer eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent. Das ist nicht schön und auf Dauer auch nicht genug – aber es ist auch noch kein Weltuntergang.

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