Deutsche Bank zu Helikoptergeld: Ein Scheck für jedermann

Deutsche Bank zu Helikoptergeld: Ein Scheck für jedermann

, aktualisiert 17. April 2016, 12:15 Uhr
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„Helikopter-Geld↨: Ein Gedankenexperiment das Realität werden könnte.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Helikoptergeld für EU-Bürger von der Europäischen Zentralbank? Ökonomen der Deutschen Bank halten diesen Vorschlag für gar nicht so abwegig. Das Konzept sei deutlich wirksamer als traditionelle Mittel der Geldpolitik.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) könnte aus Sicht von Ökonomen der Deutschen Bank leichter als gedacht so genanntes Helikoptergeld einführen. Damit ist in der klassischen Form gemeint, dass die Notenbank jedem Bürger im Euroraum einen gleichhohen Geldbetrag von zum Beispiel 3000 Euro schenkt. Allerdings sind verschiedene Varianten denkbar.

In einer aktuellen Studie kommen Analysten der Deutschen Bank zu dem Ergebnis: Helikoptergeld sei mit weniger rechtlichen Hürden verbunden als allgemein angenommen. Als Hauptargument gegen eine derartige Politik durch die EZB wird angeführt, so etwas sei im Kern Finanzpolitik, und dafür habe die Notenbank kein Mandat.

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Die EZB habe zwar strikte rechtliche Auflagen, schreiben der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos und zwei seiner Kollegen in der Studie. „Dennoch geben ihr die Verträge erheblich mehr Spielraum als es im ersten Augenblick scheint.“ Helikoptergeld könnte nach ihrer Einschätzung deutlich wirksamer sein als die traditionellen Mittel der Geld- und Fiskalpolitik. Vielleicht sei die Zeit für dieses Instrument noch nicht gekommen, aber in der nächsten Rezession schon.

EZB-Chef Draghi hatte Helikoptergeld nach der Ratssitzung im März als interessantes Konzept bezeichnet. Allerdings verwies er darauf, dass der EZB-Rat bisher nicht über das Konzept diskutiert habe und dies mit rechtlichen Schwierigkeiten verbunden sei. Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Notenbank, Peter Praet. Er sagte, die aktuellen Mittel seien ausreichend und es sei nicht angemessen, über weitere Schritte zu diskutieren. Doch er bekräftigte auch, dass der Werkzeugkasten der Notenbank noch nicht leer sei. „Wir sagen: Das ist nicht wahr“, sagte Praet der italienischen Zeitung „La Republica“.


Mögliche Hintertüren

Alle Zentralbanken verfügten über das Werkzeug, Geld auszugeben und an Menschen zu verteilen. „Das ist Helikopter-Geld“, so Praet. Doch es handele sich um ein extremes Mittel und es sei eine Frage, wann und ob überhaupt es angemessen sei.

Hintergrund für die Debatte ist, dass die EZB mit ihren aktuellen geldpolitischen Mitteln zunehmend an Grenzen stößt. Der Leitzins liegt bei 0,0 Prozent, der Einlagenzins für Banken sogar bei minus 0,4 Prozent und selbst die langfristigen Zinsen für Anleihen sind so niedrig, dass es nur noch wenig Spielraum nach unten gibt. Mario Draghi gehen die Alternativen aus.

Der Charme von Helikoptergeld wäre, dass sich so der Bankensektor umgehen ließe. Bislang hat die EZB das Problem, dass sie zwar viel Geld in die Wirtschaft pumpt. Seit April kauft sie für monatlich 80 Milliarden Euro hauptsächlich Staatsanleihen. Doch das Geld bleibt weitgehend bei den Banken stecken. Statt mehr Kredite zu vergeben, parken die Institute ihre überschüssige Liquidität bei der EZB und nehmen dafür sogar Strafzinsen in Kauf.

Theoretisch gibt es verschiedene Varianten von Helikoptergeld. Neben direkten Geldtransfers an die Bürger kann das Konzept auch die Finanzierung von Staatsausgaben durch die Notenbank beinhalten. Allerdings ist die EZB hier an das Verbot monetärer Staatsfinanzierung gebunden. Das heißt: Sie darf kein Geld drucken, um damit den Staatshaushalt zu finanzieren.

Die Deutsche Bank-Ökonomen sehen jedoch Hintertüren. So könne die EZB Anleihen öffentlicher Kreditgeber wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) zu einem Zins von nahe Null kaufen, um öffentliche Investitionen zu finanzieren. Zudem seien direkte Geldtransfers an Bürger und Unternehmen unter Umgehung des Staates möglich. Ironischerweise sei diese besonders unkonventionelle Variante des Helikoptergeldes rechtlich leichter durchzusetzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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