Deutsche Bank: Zum Dax-Start geht es mit der Aktie bergab

Deutsche Bank: Zum Dax-Start geht es mit der Aktie bergab

, aktualisiert 21. Januar 2016, 09:11 Uhr
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In die Jahreszahlen für 2015 hat der Co-Chef so viel schlechte Daten gepackt wie möglich.

Quelle:Handelsblatt Online

Einen Rekordverlust für das Gesamtjahr und ein schwaches viertes Quartal hat die Deutsche Bank am Mittwochabend gemeldet. Das sei „ernüchternd“, so Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Für die Aktie geht es am Morgen abwärts.

FrankfurtDer neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, wird zu einem der schlimmsten Wertvernichter für die Aktionäre. Zum Handelsbeginn am Donnerstag verloren die Anteilsscheine von Deutschlands größtem Geldhaus fast sechs Prozent und notierten nur noch bei 16,65 Euro.

Am Vorabend hatte die Deutsche Bank den größten Jahresverlust ihrer Geschichte vermeldet. Nach Steuern soll das Minus 6,7 Milliarden Euro betragen, auch das vierte Quartal fiel mit einem Verlust von 2,1 Milliarden Euro miserabel aus. Das Ergebnis fiel deutlich schlechter aus als Analysten befürchtet hatten. Sie rechneten auf Jahressicht im Schnitt mit einem Defizit von 5,2 Milliarden Euro und im vierten Quartal nur einen Fehlbetrag von 647 Millionen.

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Unter belasten Rechtsstreitigkeiten, Abschreibungen im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft sowie Kosten für Stellenstreichungen das Institut. Vorstandschef John Cryan baut die Bank radikal um, will die Tochter Postbank abstoßen und Tausende Stellen abbauen. Den eingeschlagenen Kurs hält er für alternativlos.

Dass die Bank für 2015 den ersten Jahresverlust seit der Finanzkrise 2008 ausweise, sei zwar „ernüchternd“, räumte der Brite in einer Botschaft an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns ein. „Die genannten Belastungen sind jedoch die Konsequenz aus den notwendigen Entscheidungen, die wir im Rahmen der Strategie 2020 getroffen haben. Diese Entscheidungen werden die Bank einfacher und effizienter machen.“ Es gehe darum, Risiken zu verringern und „Rechtsstreitigkeiten so rasch wie möglich abzuschließen“.

Cryan bekräftigte, in den kommenden beiden Jahren kämen auf die Bank „harte Arbeit und Belastungen“ zu. „Mit diesen Schritten schaffen wir jedoch das Potenzial, uns zu einer starken, effizienten und gut geführten Institution zu entwickeln, die sowohl unseren Kunden, Geschäftspartnern als auch der Gesellschaft dient sowie gute Erträge für unsere Aktionäre erzielt.“

Cryan hatte bereits im Herbst gewarnt, wenn kein Wunder geschehe, werde die Deutsche Bank im Gesamtjahr einen Verlust ausweisen. Die Dividende strich er deshalb vorsorglich und auch die Beschäftigten müssen sich auf Einschnitte einstellen - etwa bei den sonst so üppigen Bonuszahlungen. Details zum abgelaufenen Geschäftsjahr will der neue Mann an der Spitze zwar erst am 28. Januar präsentieren.


Zunächst keine Besserung in Sicht

Doch schon jetzt ist klar, dass die Deutsche Bank weit davon entfernt ist, wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen und Anleger weiter viel Geduld brauchen: Noch immer sind nicht alle juristischen Altlasten aus der Finanzkrise, etwa US-Hypothekenklagen, abgeräumt. Die Rückstellungen für solche und andere Skandale belaufen sich nun im Gesamtjahr auf 5,2 Milliarden Euro – allein im Schlussquartal kam noch einmal eine gute Milliarde dazu. Und ein Ende dieser Belastungen ist Insidern zufolge auch in diesem Jahr nicht absehbar.

Die Bank ist dabei, netto 9000 Stellen im Konzern abzubauen. Knapp die Hälfte davon entfällt auf Deutschland und das hiesige Privatkundengeschäft. Hier werden - wegen geplanter Abfindungen - Kosten von rund einer Milliarde Euro erwartet, die ebenfalls schon ins Schlussquartal gebucht wurden. Von Oktober bis Dezember steht deshalb gleichfalls ein Verlust zu Buche: vor Steuern beläuft er sich auf rund 2,7 Milliarden Euro, nach Steuern auf 2,1 Milliarden.

Bremsspuren gibt es aber auch im Tagesgeschäft, insbesondere im Investmentbanking, wie die Deutsche Bank einräumte. Details nannte sie zwar nicht, sondern sprach lediglich von "herausfordernden Marktbedingungen", die zu einem Ertragsrückgang zum Jahresende beigetragen hätten. Aber die Bilanz vom Erzrivalen Goldman Sachs hatte in dieser Woche das gesamte Ausmaß der Misere gezeigt: Der einst so lukrative Handel mit festverzinslichen Wertpapieren steckt dauerhaft in der Krise. Cryan will dieses Geschäft zwar zurückfahren, um das knappe Kapital zu schonen. Doch noch ist die Deutsche Bank hier ein großer Spieler und dürfte entsprechend hart getroffen werden.

Die Anleger haben den Glauben an eine schnelle Genesung des Patienten offenbar verloren: Die Deutsche-Bank-Aktie gab am Mittwoch sechs Prozent nach auf 17,78 Euro und notierte damit so niedrig wie zuletzt im März 2009.

Quellle:  Handelsblatt Online
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