Deutsche Börse und LSE: Euronext will Fusion zu Börsengigant verhindern

Deutsche Börse und LSE: Euronext will Fusion zu Börsengigant verhindern

, aktualisiert 19. April 2016, 18:19 Uhr
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Durch einen Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange würde einer der größten Anbieter in der Welt entstehen.

Quelle:Handelsblatt Online

Durch eine Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange würde einer der größten Anbieter der Welt entstehen. Börsenbetreiber Euronext will dem Zusammenschluss daher Stolpersteine in den Weg legen.

LondonDer Börsenbetreiber Euronext NV überlegt, wie er Stolpersteine für eine Fusion zwischen seinen in London und Frankfurt beheimateten Konkurrenten schaffen kann, verlautet aus unterrichteten Kreisen. Er befürchte, dass eine Transaktion seine eigene Rolle im europäischen Handel schmälern würde, heißt es weiter.

Euronext arbeitet mit Beratern, einschließlich Consultants und Juristen, zusammen und bereitet Argumente gegenüber Aufsehern in Brüssel vor, dass die Genehmigung einer Fusion zwischen der London Stock Exchange (LSE) und der Deutsche Börse AG den Wettbewerb in der Region beeinträchtigen würde, sagen die Personen, die um Anonymität baten, da die Diskussionen vertraulich seien.

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Der englisch-deutsche Zusammenschluss würde andere europäische Börsengesellschaften überragen und einer der größten Anbieter in der Welt sein. Euronext erwägt auch Lobby-Arbeit zugunsten einer Gegenofferte für die LSE durch den US-Konkurrenten Intercontinental Exchange (ICE), berichtet eine der informierten Personen. Die in Atlanta beheimatete ICE hat gesagt, dass sie eine Offerte für die LSE erwäge.

Die US-Börse erwägt, Teile der LSE auszugliedern, einschließlich der italienischen Borsa Italiana und der französischen Clearing-Sparte, und Euronext könnte diese Aktiva kaufen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Euronext hat BNP Paribas und Rothschild & Co. für die Beratung zu potenziellen Aktiva-Käufen mandatiert, berichten mit den Diskussionen vertraute Personen. Eine Euronext-Sprecherin wollte keinen Kommentar abgeben, das Gleiche gilt für Vertreter von BNP und Rothschild.

Inmitten dieser Überlegungen hat Euronext am Montag einen neuen Finanzvorstand ernannt: Giorgio Modica, ein BNP Paribas-Banker, der bei Fusionen und Übernahmen mit Börsen zusammengearbeitet hat. Die Ernennung ist für Einige ein Zeichen, dass Euronext an Deals interessiert ist.

Die Vorstandschefs der LSE und Deutsche Börse hatten am Montag einen Termin für ein Treffen mit Jonathan Hill, dem Finanzdienstleistungskommissar der Europäischen Union. LSE-Chef Xavier Rolet hat über die Absichten von Euronext spekuliert und sagte in diesem Monat gegenüber der Zeitung City A.M., dass die Gesellschaft darauf abziele, dass die ICE den Zuschlag für die LSE erhalte, sodass sie jegliche abzuspaltende Teile zum Schnäppchenpreis kaufen kann. Rolet würdigte seine Pflicht, andere Offerten in Betracht zu ziehen, sagte aber in einem Interview, dass die Bemerkungen als Antwort auf Berichte beabsichtigt seien, dass die ICE die Gesellschaft zerschlagen wolle.

LSE und Deutsche Börse sind bereits die größten Börsenbetreiber in Europa, ihr Marktwert liegt bei etwa 14 Milliarden beziehungsweise 16 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Euronext und der Börse Madrid beträgt mit jeweils etwa 2,9 Milliarden Dollar nur je ein Bruchteil davon.

Das Unternehmen war zuvor Teil eines größeren Imperiums, das auch Liffe, eine Derivate-Börse in London umfasste, und die New York Stock Exchange, die beide nun zur ICE gehören. Euronext wurde von diesen Unternehmen getrennt, als sie im Rahmen eines IPO im Juni 2014 ausgegliedert wurde.

Euronext dürfte sich schwertun, mit einer fusionierten LSE/Deutsche Börse zu konkurrieren, die eine massive Präsenz in allem Möglichen von Börsennotierungen zu börsengehandelten Fonds und Clearing haben würde. Aus diesem Grund hofft Euronext, dass die europäischen Aufsichtsbehörden zu ihrer Rettung eilen und die Transaktion blockieren werden, berichten die informierten Personen. Für diese Möglichkeit gibt es einen Präzedenzfall.

Quelle:  Handelsblatt Online
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