Deutsche Börse und LSE: „Mir liegt Frankfurt sehr am Herzen“

Deutsche Börse und LSE: „Mir liegt Frankfurt sehr am Herzen“

, aktualisiert 02. März 2016, 15:39 Uhr
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Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter lässt sich von einem möglichen Gegenangebot des US-Rivalen Intercontinental Exchange (ICE) für die Londoner Börse nicht beirren.

Quelle:Handelsblatt Online

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter zeigt sich unbeeindruckt vom Gegenangebot aus den Vereinigten Staaten. Eine Fusion mit der London Stock Exchange würde eine „Liquiditätsbrücke“ zwischen London und Frankfurt schaffen.

Frankfurt/HongkongDie Deutsche Börse setzt bei der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) auf die Unterstützung der Banken. „Die Verbindung der Londoner und Frankfurter Börse würde eine Liquiditätsbrücke schaffen, die das Angebot von Wertpapieren wie auch deren Liquidität deutlich erhöhen wird“, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Mittwoch bei einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

Eine Fusion mit London wäre zum Nutzen der Emittenten und aller Marktteilnehmer, sagte Kengeter weiter. „Die Realität sieht so aus, dass sich der Finanzplatz Frankfurt in einem harten globalen Wettbewerb befindet. Und in diesem Wettbewerb ist der Finanzplatz angewiesen auf Bündnisse“.

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Vorteile für die Banken werde es vor allem bei der Abwicklung von Derivategeschäften geben, sagte er. Deutsche Börse und LSE wollen es ermöglichen, dass Banken Derivatepositionen auf beiden Seiten des Ärmelkanals miteinander verrechnen können. Damit würde der Bedarf an Sicherheiten, die Geldhäuser für diese Geschäfte hinterlegen müssen, sinken, sagte Kengeter. „Dadurch werden die Marktteilnehmer, unter anderem Banken, erhebliche Kosteneinsparungen erfahren.“

Die zentralen Standorte Frankfurt und London würden in einem Gemeinschaftskonzern „in ihrer rechtlichen, regulatorischen und inhaltlichen Integrität fortgeführt“, versicherte Kengeter. „Mir liegt der Finanzplatz Frankfurt/Rhein-Main sehr am Herzen. Und es ist genau deshalb, dass ich mich in der Pflicht sehe, etwas für diesen Finanzplatz zu tun.“


Politik zweifelt an Fusion

Der Hongkonger Börsenbetreiber HKEx verfolgt aufmerksam die Pläne für ein Fusion der Deutschen Börse und der London Stock Exchange. „Ich sage nicht, dass wir irgendetwas tun werden und ich sage nicht, dass wir nichts tun werden“, sagte HKEx-Chef Charles Li am Mittwoch in Hongkong. „Das ist eine ziemlich großes Geschäft, wir werden das genau verfolgen.“ Aktiv schaue sich der Börsenbetreiber zwar derzeit nicht nach Zukäufen um. Sollte sich aber eine Gelegenheit ergeben, werde man diese prüfen. Die Hongkonger sind Eigentümer der London Metal Exchange.

Wegen des britischen EU-Referendums werden in der Politik Zweifel an der geplanten Fusion. „Im Falle eines 'Brexit' liegt natürlich eine Gefahr darin, dass Aktivitäten aus der Europäischen Union ausgelagert werden und sie damit nicht mehr den europäischen Regulierungsstandards unterworfen sind“, sagte der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus, am Mittwoch. Die Briten wollen am 23. Juni über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union (EU) abstimmen.

Brinkhaus sagte, die geplante Fusion sei zwar eine autonome Entscheidung von zwei unabhängigen Unternehmen, die die Politik zu respektieren habe. Er machte aber deutlich: „Wir werden sehr genau hinschauen müssen, was das für den Finanzplatz Frankfurt bedeutet.“

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick warnte die große Koalition, sich von den beiden Unternehmen zu einer eiligen Prüfung ihres Vorhabens drängen zu lassen. „Die Politik muss jetzt die Zeit nutzen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass eine fusionierte Börse auch richtig beaufsichtigt werden kann“, sagte er. In Koalitionskreisen hieß es, die Regulierungsfrage hänge von etlichen bisher nicht bekannten Details ab. Hinzu komme, dass derzeit niemand das Ergebnis des britischen EU-Referendums und dessen Folgen absehen könne.


Auch Chicago könnte ein Angebot vorlegen

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange verhandeln derzeit die Einzelheiten der gut 25 Milliarden Euro schweren Fusion. Der US-Börsenbetreiber ICE prüft eine Gegenofferte, auch die Chicago Mercantile Exchange (CME) könnte noch auf den Plan treten

Fest steht bereits, dass die Mega-Börse ihren Sitz in London haben soll. Unterhalb der Holding bleiben beide Unternehmen erhalten, das gleiche gilt für die Hauptquartiere und die Börsennotierungen in Frankfurt und London. Finanz-Manager und Politiker haben aber dennoch Sorgen, dass auf lange Sicht zu viele Entscheidungskompetenzen nach London abwandern könnten.

Nach den bisher bekannten Plänen soll die neue europäische Super-Börse ihren rechtlichen Sitz in London haben und von Kengeter als Gesellschaft nach britischem Recht geführt werden. Bis spätestens 22. März müssen die beiden Partner ein bindendes Angebot zur Fusion veröffentlichen oder den Deal vorerst abblasen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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