Deutsche Börse und LSE: Schäuble will sich aus Fusionsdebatte raushalten

Deutsche Börse und LSE: Schäuble will sich aus Fusionsdebatte raushalten

, aktualisiert 12. Mai 2016, 19:41 Uhr
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Vor Schäubles Statement erklärte die Bundesregierung, sie unterstütze die Fusion – wenn dadurch der Finanzplatz Frankfurt gestärkt würde.

Quelle:Handelsblatt Online

„Die Märkte sollen entscheiden“: Finanzminister Wolfgang Schäuble will sich nicht an einer Diskussion über die Fusion von Deutscher und Londoner Börse beteiligen – anders als ein Politiker-Kollege aus Großbritannien.

FrankfurtBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will sich aus der öffentlichen Diskussion über die Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) raushalten. „Die Märkte sollen entscheiden, nicht die Regierungen – das ist immer die bessere Lösung“, sagte Schäuble am Donnerstag auf einer Finanzkonferenz in Frankfurt. Die Bundesregierung sei zwar von Anfang an in die Fusionspläne eingeweiht gewesen. Er selbst werde Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Freitag treffen. Doch öffentlich positionieren, wie dies kürzlich sein britischer Kollege George Osborne getan hat, wollte sich Schäuble nicht. „Da sind wir ein bisschen anders als unsere britischen Freunde.“

Über den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss müssten diejenigen entscheiden, die verantwortlich seien, sagte Schäuble. Dazu zählten neben den beteiligten Unternehmen auch die EU-Kommission und die hessische Börsenaufsicht. Letztere wird nach Einschätzungen von Insidern bei ihrer Entscheidung allerdings auch die Haltung der Bundesregierung berücksichtigen. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte im März erklärt, die Bundesregierung unterstütze die Fusion, wenn dadurch der Finanzplatz Frankfurt gestärkt werde. Ein ranghohes Regierungsmitglied erklärte, er begrüße das Ansinnen von Deutscher und Londoner Börse, einen europäischen Champion zu schaffen. „Ich finde es schlüssig, dass wir einen größeren europäischen Anbieter brauchen.“

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Schäuble und andere ranghohe Regierungsmitglieder haben noch nicht durchblicken lassen, wie sie die Fusion bewerten. Osborne erklärte dagegen, er mache sich keine Sorgen wegen des Zusammenschlusses, schließlich habe Großbritannien schon bisher enorm vom einheitlichen europäischen Finanzmarkt profitiert. Zudem hat sich die Regierung von Premierminister David Cameron dafür eingesetzt, dass die fusionierte Börse ihren Sitz in London hat, wie Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber kürzlich in einem Interview bestätigte. Der Sitz der Holding in London sei „die klare politische Vorgabe der Regierung Cameron“ gewesen.

In Frankfurt sehen das viele kritisch – besonders, falls die Briten bei ihrem Referendum am 23. Juni für einen Austritt des Landes aus der EU votieren. Deutsche Börse und LSE haben einen Ausschuss eingerichtet, der sich mit den Folgen eines möglichen Brexit für die Fusion beschäftigt. Sollten die Briten austreten, wird laut Faber auch die Entscheidung für London als alleinigem Sitz der Holdinggesellschaft noch einmal überprüft. Insider haben jedoch Zweifel, dass es am Ende tatsächlich zu einer Verlegung kommen könnte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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