Deutsche Post: Online-Shopper treiben Post zu Rekord-Quartal

Deutsche Post: Online-Shopper treiben Post zu Rekord-Quartal

, aktualisiert 09. März 2016, 07:56 Uhr
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Der Gelbe Riese schafft einen Rekord im Kerngeschäft.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Post dämmt mit einem Rekordergebnis am Jahresende den Gewinnrückgang 2015 ein. Dennoch werden die Erwartungen der Analysten verfehlt. Die sehen schon ein weitaus größeres Problem für den Logistikriesen.

Düsseldorf/TroisdorfDas boomende Expressgeschäft und eine Paketflut zu Weihnachten haben der Deutschen Post im vierten Quartal zu einem Rekordergebnis verholfen. Bei ihrer kriselnden Frachtsparte konnte die Post erstmals seit mehr als zwei Jahren den Gewinnrückgang stoppen.

Belastet wurde der Konzern im Gesamtjahr 2015 aber durch hohe Abschreibungen auf die Frachtsparte, der operative Gewinn (Ebit) brach auf 2,41 (Vorjahr: 2,97) Milliarden Euro ein, wie die Post am Mittwoch mitteilte. Die Bonner wollen nun für 2015 eine zum Vorjahr unveränderte Dividende von 0,85 Euro je Aktie ausschütten.

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Die Post habe von Oktober bis Dezember bei einem Umsatz von 15,34 (15,37) Milliarden Euro ein Ebit von 957 (905) Millionen Euro eingefahren, einen Rekordwert in ihrem Kerngeschäft, teilte der Konzern weiter mit. Nach Anteilen Dritter blieb ein Überschuss von 670 (640) Millionen Euro.

Die Post verfehlte damit beim Umsatz die Markterwartungen, beim Ebit übertraf sie die Prognosen. Analysten hatten mit einem Umsatz von 16,08 Milliarden Euro und einem Ebit von 943 Millionen Euro gerechnet. Die Dividende für 2015 hatten sie bei 0,86 Euro erwartet.

Einen Tag vor der Veröffentlichung ihrer Jahreszahlen hatte die Post am Dienstag für einen kräftigen Auftrieb ihrer Aktie gesorgt: Bis zum März kommenden Jahres wolle man eigene Papiere in einer Höhe von maximal einer Milliarde Euro zurückkaufen, kündigte der Dax-Konzern an.

Nachrichten wie diese können Aktionäre des Bonner Dax-Konzerns gut gebrauchen. Denn gleich zweimal im zurückliegenden Geschäftsjahr senkte die Deutsche Post ihre Ertragsprognose – zuletzt im Oktober 2015. Die heruntergesetzten Ziele hat der Konzern erreicht. Doch der Aktienkurs ist im Keller.


Höheres Porto könnte helfen

Hauptschuld an der Misere trägt die 15 Milliarden Euro Umsatz schwere Frachtsparte, die ein Viertel des Konzerngeschäfts ausmacht. Der Transport von Frachtgütern per Flugzeug, Schiff und Lkw verliert rapide an Ertragskraft, der dafür verantwortliche Vorstand, Roger Crook, musste gehen.

Der Brite hatte sich vergeblich bemüht, dem unter „DHL“ firmierenden Speditionsbereich ein neues IT-System zu verpassen. Das mit SAP und IBM gestartete Projekt erwies sich als zu ambitioniert – und wurde vor mehr als einem Jahr eingestellt.

Als Folge verbuchte die Post nicht nur einen Kundenschwund, sondern auch Sonderabschreibungen und Rückstellungen in Höhe von 345 Millionen Euro. Entsprechend gespannt warten Investoren auf die Ankündigung von Konzernchef Frank Appel bei der Bilanzpressekonferenz, wie es mit der von ihm nun selbst geleiteten Sparte weitergehen soll. Immerhin wurde der Gewinnrückgang im vierten Quartal gestoppt.

Kopfzerbrechen bereitet vielen Analysten zudem der massive Vormarsch des Post-Großkunden Amazon ins Zustellgeschäft. Der US-Konzern verteilt seit Oktober im Großraum München selbst seine Pakete, wenn auch mit Hilfe von Subunternehmen, und übernimmt so von der Post Marktanteile. Das Pilotprojekt werde künftig auch auf andere Großstadtregionen übertragen, kündigte ein Manager des US-Konzerns bereits an.

„Amazon könnte der Post mit seinen Plänen gefährlich werden“, warnen die Analysten von JP Morgan, halten die Bedrohung aber bei der Aktie für bereits eingepreist. Anders die Kollegen von Credit Suisse. Sie halten Amazon auch über das Jahr 2016 hinaus für eine Bedrohung der Post, die bislang von der Börse noch unterschätzt werde.

Kurzfristig aber zeigen sich Analysten mehrheitlich optimistisch. So ist man bei der Commerzbank keineswegs überrascht, dass die Deutsche Post ihren Ausblick für das laufende Jahr beibehält – Appel geht von einem Betriebsergebnis (Ebit) zwischen 3,4 und 3,7 Milliarden Euro aus. Die Deutsche Post, schreibt der Logistikfachmann Johannes Braun, profitiere unter anderem von den höheren Portoeinnahmen. Der Gelbe Riese hatte die Briefgebühren zum Jahreswechsel im Schnitt um 7,5 Prozent angehoben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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