Deutscher Sparkassentag in Düsseldorf: „Wir rutschen in eine Gesellschaft, die auf Pump lebt“

Deutscher Sparkassentag in Düsseldorf: „Wir rutschen in eine Gesellschaft, die auf Pump lebt“

, aktualisiert 27. April 2016, 12:50 Uhr
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Nach Ansicht des Sparkassenpräsidenten Georg Fahrenschon schwindet das Vertrauen in den Euro.

von Elisabeth Atzler und Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon setzt bei dem Verbandstag zunächst auf Harmonie. Doch dann erneuert er die Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB. Die gemeinsame europäische Idee sei in Gefahr, warnt er.

DüsseldorfAufgeräumt betritt der Vorstandschef der BayernLB, Johannes Riegler, die riesige Halle sechs auf dem Düsseldorfer Messegelände. Die rheinische Metropole ist der Austragungsort des Deutschen Sparkassentags, der alle drei Jahre stattfindet. „Das ist schon wie ein großes Familientreffen. Man freut sich, alte Bekannte wiederzutreffen“, meint der Manager.

Aber wie das so ist, bei einem Familientreffen tauscht man auch Sorgen aus. Und die sind in diesen Zeiten nicht klein. Stichworte sind Dauerniedrigzinsen, Digitalisierung, wachsende Konkurrenz durch Fintechs, Regulierung. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon weiß um die Befindlichkeiten. Sorgen sollen aber auf dem Sparkassentag nicht dominieren. Das „Wir-Gefühl“ soll beflügelt werden.

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„Sparkassen sind Schutzschild der Sparer, des Mittelstandes und der Menschen mit geringen Vermögen und Einkommen“, bringt er das Selbstverständnis der Sparkassen unter dem Beifall der rund 2500 Gäste auf den Punkt. „Wir sind ein Stück gelebte Soziale Marktwirtschaft – eben einfach anders“, so Fahrenschon.

„Einfach anders“, so lautet auch der Slogan des 25. Sparkassentages. Und unbeabsichtigt wirft dieser Slogan auch ein Schlaglicht auf ein Dilemma der Gruppe, die sich gern auch als „dezentral bis auf die Knochen“ bezeichnet. Denn damit steht sich die riesige Organisation mit ihren 409 Sparkassen, sechs Landesbanken, elf öffentliche Versicherern und acht Bausparkassen auch häufig selbst im Weg. In Zeiten, in denen es schwerer wird, Geld zu verdienen, steigt der Druck, Kosten zu sparen und Strukturprobleme im Verbund angehen.

„Natürlich haben wir zu viele Bausparkassen und öffentliche Versicherer im Vergleich zu unseren Konkurrenten“, sagt ein Sparkassenvorstand. Die genossenschaftliche Bankengruppe kommt mit je einem Institut aus. Auf die Zinspolitik könnten die Sparkassen keinen Einfluss nehmen, auf andere Dinge, wie zum Beispiel die Verbundinstitute, schon.

Die Bausparkassen, so die Einschätzung vieler Experten, sind von der Niedrigzinsphase am härtesten betroffen und müssen enger zusammenrücken. Aber auch die verkrusteten Strukturen der öffentlichen Lebensversicherer stehen in der Kritik. Das ist dem Sparkassenpräsidenten nicht unbekannt. „Wir wissen, dass es schwierig ist, mehr Gemeinsamkeiten auszuloten“, sagt Fahrenschon. Ein Hindernis sei dabei die Zusammensetzung der Eigentümerkreise bei den Lebensversicherern.

Während die Strukturen der Verbundinstitute bislang nicht angetastet werden, hinterlassen die Dauerniedrigzinsen immer deutlichere Spuren in den Bilanzen der Häuser. Und ein Ende der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist nicht in Sicht. Die Zinserträge brechen so schnell weg, dass sie durch Provisionserträge nicht ausgeglichen werden können. Zudem profitierten viele Häuser noch von einer Auflösung von Wertberichtigungen – auch eher ein Sonderzustand. Fahrenschon sieht in der Zinspolitik der EZB nicht nur betriebswirtschaftliche Risiken. Er sieht die gemeinsame europäische Idee in Gefahr. Das Vertrauen in den Euro schwinde. „Wir rutschen in eine Gesellschaft, die auf Pump lebt – eine Gesellschaft, die unbedacht hohe Risiken eingeht, die uns morgen schon vor große Probleme bereiten können“, warnt Fahrenschon.

Quelle:  Handelsblatt Online
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