Deutschland liegt bei Industrie 4.0 vorn: Kopf-an-Kopf-Rennen um die digitale Vorherrschaft

Deutschland liegt bei Industrie 4.0 vorn: Kopf-an-Kopf-Rennen um die digitale Vorherrschaft

, aktualisiert 19. April 2016, 14:29 Uhr
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Alles, was analog war, wird jetzt digital und vernetzt - und der Computer übernimmt immer häufiger die Kontrolle.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Jede fünfte Firma hat schon erste Maßnahmen ergriffen. Als Automatisierungs-Weltmeister kennen und bauen sie die Maschinen, die in den Fabriken der Welt stehen. Die US-Konkurrenz hängt noch zurück.

DüsseldorfDeutsche und amerikanische Firmen liefern sich seit Jahren schon ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft bei der Digitalisierung der industriellen Produktion. Beide Länder nähern sich dem Thema dabei von unterschiedlichen Seiten: Deutschland als Automatisierungs-Weltmeister kennt und baut die Maschinen, die in den Fabriken der Welt stehen.

Die Amerikaner wuchten mit dem Pfund ihrer IT- und Softwarekompetenz und beweisen schon bei sozialen Netzwerken und im E-Commerce, wie gut sie mit der Analyse riesiger Datenmengen umzugehen wissen. Doch allen Unkenrufen über manche Zögerlichkeit deutscher Firmenchefs gerade in Sachen Digitalisierung zum Trotz: Derzeit haben deutsche Unternehmen in diesem Rennen (noch) die Nase vorn.

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Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft BCG, die am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt wurde. Demnach haben 19 Prozent der deutschen Firmen bereits erste Maßnahmen in Richtung Digitalisierung ergriffen, die amerikanische Konkurrenz kommt auf 16 Prozent. Einen Vorsprung haben sich die Deutschen vor allem bei den Themen Werkslogistik, vorausschauender Service und vernetzte robotergestützte Produktion erarbeitet. So hat fast die Hälfte der deutschen Unternehmen inzwischen erste Konzepte entwickelt, aber nur 29 Prozent der amerikanischen.

Das ergab eine Umfrage unter 315 amerikanischen und 312 deutschen Firmen ab einem Umsatz von 50 Millionen Dollar aufwärts. „Der Ehrgeiz der Ingenieure, aber auch die hohen Arbeitskosten und die Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern geben gerade deutschen Mittelständlern einen großen Anreiz, in 4.0-Lösungen zu investieren“, sagt Markus Lorenz, Maschinenbauexperte bei BCG und einer der Autoren der Studie zur Begründung.


Hürden und Herausforderungen

Hinzu kommt, dass die international operierenden Konzerne in Deutschland das Thema Digitalisierung mit aller Macht vorantreiben und ihre Lieferanten und Zulieferer dem zwangsläufig folgen müssen, um nicht aus dem Rennen geworfen zu werden. „Die Großen leben das vor und erwarten, dass ihre Lieferanten mitspielen“, sagt Lorenz.

Trotz aller positiven Bewertung der deutschen Industrie: Lorenz warnt davor, sich auf dem Stand von heute auszuruhen. „Die Umsetzung ist in Deutschland zwar besser als in der landläufigen Meinung“, sagte er. „Aber der Prozess muss beschleunigt werden, sonst werden die Firmen ganz schnell von der Entwicklung abgeschnitten.“

So stehen die Unternehmen immer noch vor großen Herausforderungen. Die meisten beklagen den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, äußern bedenken zur Datensicherheit und fürchten, dass die Technologie noch nicht ausgereift ist. Auch die noch fehlenden Standards für die Vernetzung gelten als Hürde.

Viele haben aber inzwischen die Vorteile einer horizontalen wie vertikalen Digitalisierung der industriellen Abläufe erkannt. Zu Recht, findet Lorenz: Nach seiner Einschätzung liegen der Produktivitätsgewinn durch die zunehmende Vernetzung zwischen fünf und acht Prozent pro Jahr bei einem Investitionsbedarf zwischen sieben und neu Prozent des Jahresumsatzes. „Der Payback der Investitionen erfolgt in gut einem Jahr“, rechnet der BCG-Experte vor. „Für die Firmen bedeutet das schon einen echten Mehrwert.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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