Devisen: Horrormonat für den Dollar

Devisen: Horrormonat für den Dollar

, aktualisiert 30. März 2016, 13:12 Uhr
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Der US-Dollar wertete im Vergleich zu anderen Währungen ab.

von Jens HagenQuelle:Handelsblatt Online

Noch vor einen halben Jahr sollte ein Dollar so viel Wert sein wie ein Euro. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Warum der Greenback abschmiert – und was die US-Notenbank Fed damit zu tun hat.

Den März werden Devisen-Anleger wohl nicht so schnell vergessen. Der Monat, der für Ostern, Frühlingsanfang und die ersten Obstblüten steht, bescherte Dollar-Spekulanten üppige Verluste. Der Greenback verlor deutlich gegenüber allen wichtigen Weltwährungen. Der März ist sogar der schwächste Monat für den Dollar seit fünf Jahren.

Das zeigt etwa der Blick auf den Bloomberg Dollar Spot Index, der die US-Währung mit zehn weiteren Währungen vergleicht. Seit Anfang März verlor der Dollar im Vergleich zu diesem Währungskorb gut 3,5 Prozent. Im April 2011 waren die Verluste des Dollar zuletzt noch höher.

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Für einen Euro gibt es aktuell 1,13 US-Dollar. Ende November vergangenen Jahres lag der Kurs noch bei 1,06 US-Dollar. Die Abwertung der Weltleitwährung kam für viele Marktbeobachter überraschend.

Nach der ersten Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve im vergangenen Jahr rechneten die meisten Marktbeobachter mit einem Anstieg des Dollar. Institute wie die Deutsche Bank oder Goldman Sachs prognostizierten sogar mit einer Parität zwischen Euro und Dollar.

Doch dann ruderte die Fed zurück. Seit der Zinswende im Dezember gab es keine weiteren Schritte. Seit gestern Abend rechnet kein Marktteilnehmer mit einem schnellen Anstieg der US-Leitzinsen mehr. Vor dem Economic Club of New York erklärte Fed-Präsidentin Janet Yellen klar und deutlich: „Given the risks to the outlook, I consider it appropriate for the Committee to proceed cautiously in adjusting policy.“

Die freie Übersetzung dieses für alle Geldanleger weltweit wichtigen Satzes lautet: Mit Blick auf die Risiken wegen einer weltweit schwächeren Konjunktur sei es angemessen für die US-Währungshüter, bei der Anhebung der Leitzinsen vorsichtig vorzugehen. Das ökonomische Umfeld weltweit, die Finanzmärkte und auch die Rohstoffmärkte müssten sich erst stabilisieren, dann handelt die Fed. Yellen sorgte mit ihrem Auftritt für Klarheit am Markt. Ihr Ziel scheint die Meinungshoheit in der Zinsdiskussion der vergangenen Tage.


Was Geldanleger wissen sollten

Denn die lief in den vergangenen Wochen aus dem Ruder. John Williams, der Präsident der San Francisco Fed erklärte, dass die Konjunktur wegen der globalen Entwicklungen anfällig sei. Andere Notenbanker wie James Bullard und Patrick Harker signalisierten stattdessen, dass die Zinsen bereits im April steigen könnten.

Nach der Yellen-Rede rechnet der Markt nicht mit steigenden Zinsen, die die US-Währung für Anleger interessanter machen würden. „Der Yellen-Effekt ist sehr stark“, sagt etwa Philip Wee, Währungsexperte bei der DBS Group in Singapore: „Sie betont ihre Geduld sehr deutlich.“ Nach einer Bloomberg-Umfrage sehen Devisen-Händler die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung im April bei Null. Für den Juni rechnen nur noch 28 Prozent der Befragten mit einer Zinserhöhung.

Und Yellen äußerte sich auch zum Dollar. Der dürfe nicht aufwerten, da dadurch die Preissteigerung gebremst und Exporte sowie die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe in den USA belastet würden.

„Insbesondere diese Worte bedeuteten für den Greenback sogleich nur eine Richtung, es ging nach unten“, erklärten die Devisenexperten vom Bankhaus Metzler in einer aktuellen Analyse. Die Frankfurter Privatbanker sehen einen Anstieg des Euro über die Marke von 1,13 Dollar eher skeptisch: „Hier bedarf es eines neuen kräftigen Impulses, um neue Fantasie in den Kursverlauf zu bekommen“.

Die Äußerungen von Yellen spiegeln einen längeren Trend. „Der Abwertungswettlauf der Währungen wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen“, erklärt Philipp Vorndran, Kapitalmarkstratege der unabhängigen Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. „Für Anleger bedeutet das, dass sie ihr Vermögen nicht nur auf verschiedene Anlageklassen verteilen sollten, sondern auch auf verschiedene Währungsräume“. Das gelte insbesondere für euro-basierte Anleger.

Quelle:  Handelsblatt Online
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