Devisen in Schwellenländern: Schwere Turbulenzen

Devisen in Schwellenländern: Schwere Turbulenzen

, aktualisiert 12. Januar 2016, 16:19 Uhr
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Die chinesische Landeswährung sorgt für starke Turbulenzen an den Devisenmärkten. Besonders betroffen sind Währungen aus Schwellenländern.

Quelle:Handelsblatt Online

Chinas Yuan-Politik lässt die Währungen in den Schwellenländern Achterbahn fahren, die Ausschläge sind extrem. Der „Flash Crash“ wird zur neuen Normalität. Aber daran ist nicht nur China Schuld.

Die Devisenmärkte gelten als schwer berechenbar. Währungsspekulationen sind die schwierigsten überhaupt und gelten nicht umsonst als Königsklasse. Wie heftig die Ausschläge mitunter sein können, erlebten Investoren in dieser Woche gleich mehrmals. Vor allem die Währungen der Schwellenländer schwankten teils heftig.

Denn nicht nur die Aktienmärkte schlagen im Sog der China-Krise Kapriolen. Auch an den Devisenmärkten waren die Ausschläge in den vergangenen Tagen und Wochen teils extrem. Auch die chinesische Währung selbst ist unter Druck geraten. Aktuell versucht die chinesische Regierung den Yuan mit massiven Käufen zu stützen.

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Bei ihren Bemühungen zur Stabilisierung der Wechselkurse hob die People's Bank of China den Referenzwert des Dollar, den der Yuan an den chinesischen Börsen maximal zwei Prozent über- oder unterschreiten darf, erneut herab und wertete die eigene Währung damit auf. Gleichzeitig kauften staatliche chinesische Banken unter der Regie der Notenbank im weniger stark regulierten sogenannten Offshore-Handel in Hongkong in großem Stil Yuan auf, sagten Börsianer.

Dies drückte den Hongkonger Kurs des Dollar auf bis zu 6,5666 Yuan. Damit lag er wieder fast gleichauf mit der Notierung des sogenannten Onshore-Yuan an den Börsen in Festland-China. In der vergangenen Woche hatten die Kurse über zwei Prozent auseinander gelegen. Der Yuan hat seit Jahresbeginn etwas mehr als ein Prozent abgewertet. Im vergangenen Jahr hatte er wegen der schwächelnden Konjunktur zum Dollar 4,7 Prozent verloren – so viel wie noch nie.

In der vergangenen Woche waren die Kurse unter anderem wegen der Yuan-Abwertung um zehn Prozent eingebrochen. Experten befürchteten, dass die Bank of China die Kontrolle über die Währung und damit die Wirtschaft verliert. Bei einem großen Ausverkauf des Yuan drohten ausländischen Firmen Verluste im China-Geschäft und Abschreibungen in den Bilanzen, warnten Analysten.

Solche Spekulationen lasten auch auf den Währungen anderer Schwellenländer. Der südafrikanische Rand beispielsweise brach zum Wochenbeginn innerhalb von gerade einmal 15 Minuten um neun Prozent ein. Eine heftige Kursbewegung, die an den Devisenmärkten der Welt mit ihrem täglichen Handelsvolumen von mehr als fünf Billionen Dollar nach Ansicht von Händlern und Devisenexperten zu einer „neuen Normalität“ werden dürfte.


„Flash Crashes“ könnten sich häufen

„Flash Crash“ nennen Experten einen solch rasanten Einbruch. Das Phänomen ist nicht neu, wird aber in Zeiten nachlassender Liquidität in Kombination mit strenger Regulierung des Devisenhandels und einer sinkenden Nachfrage insbesondere nach Währungen aus den Schwellenländern keine Seltenheit mehr sein. Das glauben zumindest die Experten von Insight Investment Management und Citigroup.

Den Rand führte die kurzfristige Abwärtsbewegung bis auf ein Rekordtief zum Dollar und zum Yen. Anschließend wurde der Großteil der Tagesverluste fast ebenso rasch wieder aufgeholt, und die südafrikanische Währung beendete den Montagshandel nahezu unauffällig. Am Dienstag gab der Rand zum Dollar um weitere 0,9 Prozent nach und notiert knapp unter 17 Rand pro Dollar.

Der Rand ist nicht die einzige Währung, die solche Kapriolen schlägt. „Es handelt sich um den Ausdruck eines Wandels in der Liquidität an den Devisenmärkten, in denen sich alles bewegt“, sagte der leitende Devisenexperte Paul Lambert von Insight Investment in London – einer Tochter der Bank of New York Mellon. „Wir müssen feststellen, dass die Banken bei Abwesenheit von Kunden auf der anderen Seite des Geschäfts immer unwilliger werden, die Risiken in die eigenen Bücher zu nehmen“, sagte Lambert. Deshalb steige die Volatilität stark an.

Das Phänomen ist in den vergangenen Jahren auch an den US-Aktienmärkten aufgetreten: Die Regulierer drängen die Banken, ihre Bilanzen zu kürzen und das Marketmaking einzuschränken. Damit nehmen Preissprünge zu. Ähnliche Entwicklungen sind auch an den Anleihemärkten zu beobachten.

Beim Rand erreichte diese Schwankungsbreite nahezu das höchste Niveau zum Dollar seit vier Jahren, und ein Gradmesser für globale Währungsschwankungen schlug so stark aus wie seit Oktober nicht mehr. Die Spanne zwischen den Preisen, zu denen Händler zum Kauf und Verkauf des Rand bereit waren, ist im Mittel in den vergangenen sechs Monaten um das 1,5-fache im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2015 gestiegen, wie aus Bloomberg-Daten hervorging.


Südafrikanischer Rand und malaysischer Ringgit verlieren deutlich

Die Leidtragenden der extremen Volatilität an den Devisenmärkten sind vor allem die Schwellenländer. Viele der dortigen Währungen standen zuletzt unter Druck. Vor allem Länder, die wirtschaftlich stark mit China verflochten sind, litten. Aber auch hausgemachte Probleme waren ein Grund.

Die südafrikanische Währung hat bereits im vergangenen Jahr rund ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Grund sind die schlechten Konjunkturdaten des Landes. Das Land steht aufgrund fallender Rohstoffpreise und politischer Unsicherheiten im Inland am Rande einer Rezession.

Auch Malaysias Währung, der Ringgit, hat im vergangenen Jahr 19 Prozent gegenüber dem Dollar verloren und erwischte den schlechtesten Jahresstart seit 2009. Die Regierung hat ihre Prognose für 2016 zum Jahresbeginn nach unten korrigiert. Begründet wurde dies mit der Unsicherheit über Chinas Konjunktur und dem niedrigen Ölpreis.

Internationale Investoren schauen aber vor allem auf den Yuan. Noch in diesem Jahr will der Internationale Währungsfonds (IWF) die chinesische Währung in den Korb der Weltreservewährungen aufnehmen, womit die Bedeutung des Yuan international stark gewinnen würde. Der Abstand zwischen dem On- und Offshore-Yuan ist Thema bei den Verhandlungen des IWF mit der chinesischen Regierung.

Volatile Devisenmärkte erschweren insgesamt Kapitalströme und damit den internationalen Handel, und sie lassen die Marktteilnehmer weniger Risiken eingehen. „Heutzutage wird eine Portfoliostruktur benötigt, die so diversifiziert wie möglich sein muss und in keiner Richtung zu hohe Risiken eingeht“, beschrieb Lambert die derzeit übliche Strategie.

Quelle:  Handelsblatt Online
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