DHL-Paketkopter: Der fliegende Paketbote bleibt noch am Boden

DHL-Paketkopter: Der fliegende Paketbote bleibt noch am Boden

, aktualisiert 19. Januar 2016, 15:19 Uhr
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Die dritte Generation des „Paketkopter“ auf einem Probeflug bei gutem Wetter.

von Axel HöpnerQuelle:Handelsblatt Online

Amazon, Google und Walmart träumen vom Drohnen-Einsatz bei der Warenlieferung. Auch die DHL experimentiert seit Jahren mit dem „Paketkopter“. Warum jetzt der Probeflug im Chiemgau gecancelt wurde.

PrienMit Turbulenzen ist jederzeit zu rechnen, wenn man sich auf den Weg in die Zukunft der Logistik macht. Journalisten aus der ganzen Welt hatte die DHL in die verschneite Alpenlandschaft des Chiemgau für den Start des Drohnen-Pilotprojekts geladen. Die dritte Generation des „Paketkopter“ soll Sendungen von Reit im Winkl auf die knapp 500 Meter höher gelegene und gut acht Kilometer entfernte Winklmoos-Alm fliegen.

Doch die DHL cancelte den Demonstrationsflug in letzter Minute. Wegen den Minusgraden der vergangenen Tage, seien die Flugbedingungen schwerer zu kalkulieren, teilte die DHL mit. So blieb die Drohne am Boden. In einem Hotel am Chiemsee präsentierte der Konzern daher nur das Fluggerät. Eine junge Technologie sei das, meinte DHL-Manager Ole Nordhoff. Daher sei es wichtig, sie so früh wie möglich zu testen. „Wir sehen sehr viel Potenzial.“

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Auch Dieter Moormann, Professor am Institut für Flugdynamik an der RWTH Aachen, betonte, der neu entwickelte „Paketkopter“ komme mit den derzeitigen Wetterbedingungen gut zu recht. Doch der rasche Fall der Temperaturen sorgt unter anderem für schwer kalkulierbare Winde in der Gebirgsregion. Sicher ist sicher.

Und die DHL ist nicht das einzige Unternehmen, das künftig fliegende Paketboten einsetzen will. Zahlreiche Großkonzern basteln momentan an Lösungen, um Sendungen mit Drohnen zu ihren Kunden zu bringen. Amazon, Walmart und Google sind die berühmtesten Namen. „In Zukunft wird es sehr viele Anwendungen geben“, erklärte Jürgen Gerdes, Vorstand für das Paketgeschäft bei der Deutschen Post. Lieferungen noch am selben Tag sind für Versender wie Amazon ebenso interessant wie zum Beispiel der Transport von dringend benötigten Medikamenten. Auch unwegsame Ziele wie Bergalmen können Drohnen ansteuern.

Für die DHL ist es das dritte Projekt. Zunächst flog sie 2013 Pakete ein paar hundert Meter über den Rhein, ein Jahr später dann Medikamente über zwölf Kilometer zur Apotheke auf der Nordseeinsel Juist. Die neue Drohne, die eher wie ein kleines Flugzeug aussieht, aber senkrecht starten und landen kann, soll nun noch schneller und stabiler fliegen. Neu aber ist vor allem das vollautomatische System: das Fluggerät bringt die Pakete komplett eigenständig zur speziell entwickelten Packstation auf der Winklmoos-Alm. Dort können Kunden die Sendungen wie gewohnt abholen.

Wie die DHL träumen auch andere vom Drohnen-Einsatz bei der Warenlieferung – oder basteln schon dran. Der weltgrößte Internethändler Amazon stellte kürzlich auch einen neuen Prototypen vor. Dieser sieht auch wie ein kleines Flugzeug aus, ist also nicht mehr ein „Quadrocopter“ wie die meisten Drohnen für den Privatgebrauch. Amazon will künftig mit seiner Drohnenflotte Bestellungen innerhalb von einer halben Stunde ausliefern. Wann der Lieferdienst „Prime Air“ starten kann, ist offen, es gibt viele regulatorische Hürden.

Auch Google will Pakete bald via Drohne ausliefern – und entwickelt in seinem „Project Wing“ kleine Fluggeräte, die Waren an einem Seil herunterlassen können. „Unser Ziel ist es, den kommerziellen Betrieb ab 2017 aufzunehmen“, sagte der zuständige Google-Manager David Vos.


Die Kosten-Frage

Auch der Supermarkt-Riese Walmart schwadroniert über Drohnenlieferungen. Der Konzern hat bei der amerikanischen Flugaufsicht FAA die Genehmigung für Testflüge von Drohnen im Freien beantragt. Walmart denkt an die Lieferung frei Haus. Aber auch Parkplätze vor Geschäften können als Landebahn dienen. Das chinesische Online-Unternehmen Alibaba ist schon einen Schritt weiter – und ließ kürzlich 450 Kunden in Peking, Schanghai und Guangzhou kleine Pakete voll Tee via Drohne zustellen.

Der Markt dürfte rasant wachsen. Laut einer Studie der „US Consumer Electronics Association“ aus dem vergangenen Jahr dürfte der Drohnenmarkt schon 2018 mehr als eine Milliarde Dollar schwer sein. Zwei Drittel der Amerikaner rechnen damit, dass ihnen in weniger als fünf Jahren eine Drohne Sendungen liefern wird.

Kritiker warnen unter anderem vor der Gefahr von Abstürzen zum Beispiel bei schlechtem Wetter und vor Chaos in der Luft, wenn zu viele Lieferdrohnen unkoordiniert unterwegs sein sollten. Aktuell sind in den USA Drohnen in der Landwirtschaft und zur Inspektion von Industrie-Anlagen erlaubt. Die Regeln werden zurzeit überarbeitet.

In Deutschland sind Drohnenflüge bei privater Nutzung nicht genehmigungspflichtig, wenn das Gerät weniger als fünf Kilo schwer ist. Bei kommerziellen Flügen ist eine Sondergenehmigung der jeweils zuständigen Landesbehörde erforderlich.

Auch wenn der technologische Fortschritt groß ist, bleiben viele Fragen offen. So äußert sich die DHL lieber nicht dazu, wie viel Geld sie für die Drohnen-Experimente ausgibt – und was solch eine Lieferung aus der Luft die Kunden einmal kosten soll. Bei Spezialanwendungen könne es auch Spezialpreise geben, sagte Postvorstand Gerdes. In einigen Jahren aber schon seien kommerzielle Lieferungen vorstellbar.

Wenn denn die nächsten Flugversuche erfolgreicher verlaufen als im Chiemgau bei klirrender Kälte.

Quellle:  Handelsblatt Online
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