Die Chef-Beraterin: Das Smartphone, der moderne Colt des Managers

Die Chef-Beraterin: Das Smartphone, der moderne Colt des Managers

, aktualisiert 15. März 2017, 18:44 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Ob Bewerbungsgespräch, Besprechung oder Kinobesuch: Wer Manieren hat, schaltet das Handy in bestimmten Situationen zwar nicht aus, aber zumindest stumm. Warum das Smartphone der moderne Colt der Manager geworden ist.

Es gibt tatsächlich Situationen, da wird das Smartphone… Nein, nicht gleich ausgeschaltet, aber zumindest lautlos gestellt. Bewerbungsgespräch, Pitch, Präsentation vor dem Aufsichtsrat, sagen wir mal. Beispielsweise. Wer einigermaßen Manieren hat: im Kino und im Theater auch. Weil man muss, und mitunter nach dreimaliger Aufforderung: Im Flugzeug. Im Meeting? Schon, ja. Aber irgendwie auch nicht.

Dabei habe ich einen Trend beobachtet. Das Smartphone wird nicht einfach dezent stummgeschaltet. Erst einmal legen alle ihre Geräte auf den Tisch. Das hat etwas von einem Western-Film: Cowboys im Saloon. Man sitzt um den Tisch, das Pokerblatt wird ausgeteilt. Neben jedem Bier eine geladene Waffe.

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Der moderne Colt ist nun also das Smartphone. Was der Cowboy auch bekannt als Manager zeigen will, ist seine Unentbehrlichkeit. Bis kurz vor dem Meeting – ja, gern auch noch kurz nach dem Beginn – wird gehofft, dass das Ding auf dem Tisch doch bitte, bitte blinken, vibrieren, piepsen möge. Was es zuverlässig tut.

Die Reaktion ist – ebenso zuverlässig – ein leicht genervter Blick in Richtung Smartphone. Eventuell wird es kurz angehoben, man schaut drauf und demonstriert: Alle, aber auch wirklich alle wollen was von mir, aber nichts ist so wichtig wie dieses Meeting hier und jetzt. Erst, wenn dieses Schauspiel einmal durch ist, nimmt der Gesprächspartner das Smartphone tatsächlich in die Hand: „Ich schalte das jetzt mal aus.“ Mit Glück hat man dann ein paar Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit für Verhandlung, Präsentation, Konferenz oder was sonst so ansteht. Hier und jetzt.

Immerhin: Das Protokoll sichert uns diese paar Minuten. Überall dort, wo die menschliche Attraktivität mit der des Smartphones ohne feste Regeln konkurrieren muss, hat das Smartphone Vorrang. Meine Meinung: Das geht gar nicht!


Die Grundlagen der Höflichkeit

Das kann doch nicht sein: Da treffen Sie den Kollegen im Flur, der vielleicht gerade Vater geworden ist – sie wollen ihm gratulieren, Sie setzen gerade an, da blinkt es in der Aktentasche, hektisches Wühlen, hach! Die Kindsmutter hat ein Foto geschickt, das muss natürlich erst einmal bewundert werden. Es spielt – meiner Meinung nach – überhaupt keine Rolle, ob wir es hier mit Privatkram zu tun haben, mit der WhatsApp-Gruppe des unternehmensinternen Badmintonteams oder mit dem Intranet-Messenger des Projektteams kurz vor dem Produktlaunch. Es geht darum, dass die Grundlagen der Höflichkeit aufgehoben scheinen, wenn das Smartphone unsere Aufmerksamkeit verlangt.

Ich möchte Ihnen ein Spiel vorschlagen. Wenn Sie das nächste Mal mit Kollegen zum Lunch gehen, legen Sie alle Ihre Smartphones in die Mitte des Tisches auf einen Stapel – eingeschaltet wohlgemerkt. Wer als erstes schwach wird und sein Telefon aus dem Haufen zieht um drauf zuschauen, zahlt die Rechnung. 

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und MEMBER OF THE 55. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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