Die Chef-Beraterin: Der falsche Umgang mit dem Tempo

Die Chef-Beraterin: Der falsche Umgang mit dem Tempo

, aktualisiert 18. Januar 2017, 11:39 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Ob Tempo-Taschentuch oder Drogerie-Eigenmarke: Papiertaschentücher sehen einigermaßen appetitlich aus, solange sie unbenutzt sind. Aber viele landen nach dem Gebrauch in der Hosentasche statt im Müll. Igitt.

Wenn Sie als Unternehmer den Tempo-Status erreicht haben, haben Sie es geschafft. Der Tempo-Status: Das heißt, Ihre Marke ist nicht einfach eine Marke – Ihre Marke ist gleichbedeutend mit dem Produkt. Ihre Marke hat sich zum Gattungsnamen hochgekämpft. ManagerOutfit ist meine Marke. Im besten Fall sagt die ambitionierte Assistentin zu ihrem Chef: „Chef, du musst was an deiner Kleidung ändern, ich kenne da jemanden.“ Wenn ich eines Tages den Tempo-Status erreiche, wird sie sagen: „Chef, du brauchst ManagerOutfit.“ So selbstverständlich, wie eben jemand sagt: „Ich muss Tempos kaufen“ – auch wenn er dann zur Drogerieketten-Eigenmarke greift.

Ich möchte heute das Tempo würdigen. Und gleichzeitig aus gegebenem Anlass auf eine inzwischen fast vergessene Eigenschaft des Tempos hinweisen: Sie werden wahrscheinlich vor Überraschung vom Stuhl fallen. Es handelt sich um ein Hygieneprodukt – wirklich. Auch wenn es heutzutage in sieben verschiedenen Duftnoten und mit Olaf aus dem Kinofilm „Frozen“ geschmückt daherkommt. Es ist ein Papiertaschentuch!

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Das Tempo-Taschentuch sieht einigermaßen appetitlich aus, solange es unbenutzt in der Verpackung weilt – wie übrigens jedes andere Taschentuch. Aber es wird schnell ranzig, wenn Sie es lose in der Jacken-, Hosen- oder Handtasche tragen. Und wenn Sie es einmal benutzt haben, ist es unter ästhetischen Gesichtspunkten ungefähr im gleichen Zustand wie benutztes Toilettenpapier, Tampons oder Pflaster. Das geht gar nicht!  Das heißt: Sie wollen meine benutzten Taschentücher nicht sehen. Und ich will Ihre nicht sehen.

Mit Tempo wurde das Taschentuch zweigeteilt: in ein Schnupf- und in ein Schmucktuch. „Eines tragen wir in der Hosentasche – es ist für den diskreten direkten Gebrauch bestimmt. Das zweite findet seinen Platz in der inneren Brusttasche des Jacketts und hat, sagen wir, repräsentative Zwecke zu erfüllen – wie etwa das Abtupfen des Mundes nach einem Schluck guten Kognaks“.

Das meinte Konstanze von Franken, alias Helene Stökl, schon 1951 in ihrem Buch „Der gute Ton“ verlauten – 398.000 Exemplare wurden von dem Benimm-Bestseller verkauft. Und doch, ja, so ist es auch heute noch: Es schmückt allein das Schmucktuch. Das Schnupftuch ist bitte, bitte diskret zu handhaben. Und kommen Sie mir nicht mit kultureller Vielfalt. Ich weiß, dass nicht in jeder Region auf der Erde ein Taschentuch zum Naseputzen verwendet wird. Wir machen das einfach trotzdem. Bitte.


Es mangelt an der Entsorgung

Nun wissen tatsächlich viele zumindest in der Theorie, wie man ein Papiertaschentuch im Falle des Naselaufens oder gar Niesens richtig anwendet. Allerdings entdecke ich erhebliche Mängel bei der Entsorgung. Tatsächlich beobachte ich – und zwar nicht bei Kindergartenkindern –, dass die Taschentücher gar nicht entsorgt werden.

Sie finden sich vielmehr überall. Sie werden mit dem Hausschlüssel aus der Jackentasche gezogen. Sie werden mit dem Portemonnaie an der Kasse aus der Handtasche geholt. Sie beulen Hosentaschen aus. Sie hinterlassen weiße Fussel, wenn sie mitgewaschen wurden. Ja Himmel, ist das denn so schwer? Noch einmal die gute Helene Stökl: „Das Taschentuch muss stets frisch und sauber sein.“

Und ist es das nicht, dann gehört es in den Müll. Und zwar sofort!

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und MEMBER OF THE 55. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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