Die Chef-Beraterin: Einer für alle, alle für den einen

Die Chef-Beraterin: Einer für alle, alle für den einen

, aktualisiert 25. Mai 2016, 08:58 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Er ist nie da, wenn man ihn gerade braucht. Und wenn er da ist, dann braucht man ihn meistens nicht. Der Regenschirm. Macht aber eigentlich nichts. Stehlen ist zwar nicht schön. Aber Regenschirme stehlen ist was anderes.

Wir haben es mit rund 120 Regentagen im Jahr zu tun. Und dafür werden, das ist das eigentlich Erstaunliche, in Deutschland jedes Jahr 25 Millionen Regenschirme verkauft. Damit kommt auf drei Einwohner Deutschlands jedes Jahr ein neuer Regenschirm. Und in dieser Rechnung sind die von Hotels, Banken und anderen verschenkten Schirme noch gar nicht berücksichtigt. Das sind Massen! Wo bleiben die? Und wer kauft die?
Die Regenschirmindustrie will uns weismachen, dass die Schirme größtenteils als traurige Skelette mit Stofffetzen im Müll landen, wegen der schlechten Qualität der Schirme. Es werde zu wenig Geld für Regenschirme ausgegeben, soll uns das wohl sagen. Aber das bezweifle ich.
Es ergibt meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn, Geld für Regenschirme auszugeben. Ob Sie einen Regenschirm haben oder drei – egal. Beispiel: Sie machen sich mit dem Auto auf den Weg ins Büro. Bei strahlendem Sonnenschein. Sie setzen die Kinder unterwegs im Kindergarten ab, es ist schon leicht bewölkt; Sie kommen am Büro an, der Himmel wird immer dunkler, die gemieteten Parkplätze in der Tiefgarage sind alle belegt, ein kräftiger Wind kommt auf, vor der Tür ist kein Parkplatz frei.

Sie parken zwei Blocks weiter, Sie steigen aus – und es gießt in Strömen. Wo sind Ihre Regenschirme? Zu Hause. Klar. Regenschirme sind immer da, wo Sie nicht sind. Wenn Sie Glück haben, hat Ihre Tochter den pinkfarbenen Regenmantel mit den Katzentatzen drauf auf der Rückbank liegen gelassen, den können Sie sich dann über den Kopf halten.
Szenario II: Sie gehen aus. Zu zweit. Candlelight Dinner mit Ihrer Frau. Heute also. Ihre Frau sieht umwerfend aus. Allerdings mag man sich nicht ausmalen, was mit Kleid, Make-up und Frisur geschehen würde, käme sie in den Regen. Also nehmen Sie einen Schirm mit. Obwohl es gar nicht regnet.

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Billig? Macht nichts.

Aber Sie kennen die Statistik. Es könnte regnen, sicher ist sicher. Sie haben also einen Schirm dabei, also regnet es nicht. Sie kommen trocken ins Restaurant, sie kommen auch trocken wieder zurück. Den Schirm haben Sie selbstverständlich im Schirmständer neben der Tür gelassen. Was wären Sie denn auch für ein Mensch, wenn Sie nach einem solchen Abend an einen schnöden Regenschirm denken würden! Das geht gar nicht!
Und deshalb wird Ihren Schirm der nächste mitnehmen, der eben keinen Schirm dabei hat und der sonst nass werden würde auf dem Weg zu seinem Auto, zur Bahn oder direkt nach Hause. Stehlen ist nicht schön. Aber Regenschirme stehlen ist was anderes. Wer einen Regenschirm kauft, kauft einen Regenschirm für die Gemeinschaft.
Einer für alle; alle für den einen, der ihn eben gerade braucht. Wer behauptet, dass ein billiger Regenschirm das Outfit zerstört, der täuscht sich. Teure Regenschirme sind sinnlos. Sie machen nur schlechte Laune, entweder weil sie nicht da sind, wenn man sie braucht, oder weil man sie rumschleppen muss, wenn man sie nicht braucht. Und erst recht, wenn man sie vergisst.
Machen Sie sich auch keine Gedanken um die Farbe Ihres Regenschirms. Man sähe unter einem grünen oder türkisfarbenen Regenschirm ungesund aus, heißt es – geschenkt. Ungesund sehen Sie aus, wenn Sie nass werden und sich einen Schnupfen holen. Schwarze Regenschirme lassen Sie düster wirken? Warten Sie nur, bis endlich eine dunklere Farbe gefunden wird, dann hat Schwarz auch nicht mehr dieses schlechte Image.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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