Die Chef-Beraterin: Es wird viel zu wenig irritiert!

Die Chef-Beraterin: Es wird viel zu wenig irritiert!

, aktualisiert 05. Oktober 2016, 14:11 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Hereinspaziert! Die Schublade ist geöffnet, wir müssen unsere Mitmenschen nur noch hineinstecken. Warum das bequem, aber langweilig ist, erklärt unsere Kolumnistin und rät: Erst das Unerwartete schafft Aufmerksamkeit.

Sie haben einen Termin mit einem Geschäftspartner. Sie fahren vor, Sie kommen an. Sie werden mit ganz konkreten Vorstellungen erwartet: Ein Mensch aus dieser Branche, in dieser Position, wird so und so sein. Man weiß schon Bescheid. Alle Menschen in dieser Branche, in dieser Position sind so. Also werden Sie auch so sein.

Stereotype, immer gleiche Muster. Wir erwarten jemanden aus der IT-Abteilung und es kommt jemand herein, der genauso aussieht und sich genauso benimmt. Wir sprechen mit der Dame vom Empfang und wissen, wie sie reagieren wird. Im Restaurant wird uns der Kellner genauso ansprechen, wie wir es erwarten.

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Das alles ist einerseits bequem, aber öfter auch langweilig. Hereinspaziert! Die Schublade ist geöffnet, wir müssen unsere Mitmenschen nur noch hineinstecken. Daran ist aus der Sicht derer, die die Schublade bedienen, nichts auszusetzen. So ist es halt. Aber, bitte bedenken Sie: Die Schublade wird geschlossen, und man wendet sich anderen zu. Das geht gar nicht!

Als ich mit meiner Seite manageroutfit.de online ging, hörte ich von allen Seiten nur: Um Gottes Willen, das kannst Du nicht machen! Dein Foto! Du kannst Dich da nicht auf einem lila (!) Sessel in Jeans und UGG-Boots fotografieren lassen. Das ist kein angemessener Dresscode und der Sessel…. Kein Mensch, geschweige irgendein Unternehmen, wird Dich beauftragen. Du wirst scheitern. Du musst ein Kostüm tragen, oder wenigstens einen Hosenanzug! Ja? Muss ich?

Ich glaube, ich weiß sehr gut, wie man etwas in Szene setzen muss, wo man etwas dazugeben oder wo man etwas weglassen muss. Wo man vielleicht mal eine Schippe draufgeben muss, ohne Professionalität einzubüßen.

Und ich wollte eben nicht, dass die Schublade zugeht – ich habe die alte Weisheit genutzt: Das Erwartete ist langweilig. Erst das Unerwartete schafft Aufmerksamkeit. Eigentlich schafft alles Aufmerksamkeit, was besonders ist, genau dann, wenn es die Mischung aus Echt und Film unterstützt.

Versuchen Sie es mal. Geben Sie etwas hinzu, dass das Stereotype bricht. Es kann ein Detail in der Kleidung sein, muss aber nicht. Wichtig ist, dass es anders ist.


Manager in Uniform

Gerade Spitzenmanager unterliegen etwa dem Hang zur Uniformierung. Diesen Hang gilt es zu durchbrechen, aber dennoch im Film, nämlich in der Rolle des Spitzenmanagers, zu bleiben. Das ist möglich.

Wenn Sie eine Rede halten, dann halten Sie doch mal Ihr Logo in der Hand hoch, statt es an die Wand zu beamen. Schreiben Sie im Zweifel eher selbst was an die Wand, als die Langweiler-Sätze aus dem Handout vorzulesen. Sie brauchen auch keine gute Handschrift. Dahingekritzelte Sätze sind Stilmittel (des Pseudo-Authentischen).

Es wird irritieren. Man hat das ja so nicht erwartet. Schon gar nicht von Ihnen. Das macht aber nichts. Sie werden zumindest nicht in der Schublade landen. Im Gegenteil.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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