Die Chef-Beraterin: Frauengenöle am frühen Morgen

Die Chef-Beraterin: Frauengenöle am frühen Morgen

, aktualisiert 23. November 2016, 17:24 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Es gibt ja nichts Schlimmeres als nörgelnde Frauen, findet unsere Kolumnistin. Warum es nichts bringt, wenn wir uns die große Ungerechtigkeit der Welt als samtweiches Kissen im Rücken drapieren und uns darauf ausruhen.

Kürzlich saß ich morgens wieder im Flugzeug von Frankfurt nach Berlin, Gangplatz, eine Stunde Flugzeit. Neben mir zwei Damen. Ich frage mich, ob die Lufthansa das extra macht: Frauen zu Frauen, Männer zu Männern. Jedenfalls quasseln die beiden ziemlich viel für die frühe Uhrzeit. Sie sprechen vom Stress am Morgen, vom frühen Aufstehen, von der Wahnsinns-Hektik am Flughafen, vom Stau auf dem Weg dahin und regen sich vor allem – ziemlich laut finde ich – über einen Herrn Spör oder Stör oder so ähnlich auf. Wahrscheinlich ist Herr Spör oder Stör ihr Chef.

Herr Spör oder Stör hatte offenbar erst Freitag entschieden, Betonung auf ERST AM FREITAG, dass sie Montagfrüh beide zu diesem Kunden nach Berlin müssen. Und abends wieder zurück. Hotelzimmer hätte die Firma ja ruhig mal bezahlen können, finden sie. Hinz und Kunz gurken doch in der Weltgeschichte rum und übernachten völlig unnötig, lässt die eine der beiden Damen vernehmen. „Und wir müssen heute den letzten Flieger kriegen“, bestätigt die andere, was das für eine Hetzerei sei!

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Gut, der Termin dauere wahrscheinlich nicht sooo lange, aber trotzdem. „Dem Herrn Müller wäre das nicht passiert“, schaltet sich die Kollegin wieder ein, „irgendwas machen wir falsch. Wahrscheinlich machen Männer das einfach cleverer, die hätten…“ Oh je!

Dieses Genöle schon am frühen Morgen, das ist nichts für mich. Ich schaue betont desinteressiert in der Gegend herum und wühle nach nichts sehr, sehr wichtig in meiner Tasche. Ignorieren schafft keine Linderung. Die beiden hören aber nicht auf. Meine Meinung steht fest: Ich finde ja Herr Spör oder Stör hat Recht, wenn er diese beiden Trullas mal für einen Tag ordentlich beschäftigt. Dauernöler nennt er sie wahrscheinlich heimlich. Es gibt ja nichts Schlimmeres als nörgelnde Frauen. Das geht gar nicht!

Ja, meine Lieben, Hinz und Kunz gurken in der Weltgeschichte herum. Ja, die fliegen morgens nach München und von dort aus nach Hamburg um weiter nach Berlin zu kommen. Stimmt. Da muss man auch mal irgendwo übernachten. Vielleicht nicht gerade in einer Jugendherberge. Aber das ist auch gar nicht das Thema.

Worum es hier geht: Es wird ja so schrecklich gern geschaut, was der Herr Spör (oder Stör oder wer auch immer) so sagt, will und macht. Und wenn’s dann mal nicht so läuft, oder zumindest irgendwie nicht richtig bequem ist, dann wird gemeckert, was das Zeug hält. Und...


Die große Ungerechtigkeit der Welt

Tja. Leider ist unter den Top-5-Mecker-Themen ganz vorne diese Leier dabei: Wir Frauen müssen immer mehr tun als Männer, um das gleiche rauszubekommen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Das mag schon so sein. Doch, wenn man sich so umschaut – das ist so, das wird sogar kaum jemand ernsthaft bezweifeln wollen.

Nur bringt es niemanden auch nur einen kleinen Schritt weiter, wenn wir uns die große Ungerechtigkeit der Welt als samtweiches Kissen im Rücken drapieren und uns darauf ausruhen. Nein, verehrte Damen: Lassen Sie es einfach mal krachen. Denn mal ganz ehrlich: So wollen Sie sich doch nicht neben „alles-wird-teurer“, „ich-komme-gar-nicht-zum-Sport“, „wir-haben-ja-gar-keinen-richtigen-Sommer/Winter-mehr“ und „die-junge-Generation-kennt-gar-kein-Verantwortungsbewusstsein“ einreihen. Oder?

Und immer daran denken: Solange man sich im Rennen befindet, darf einem niemand anmerken, dass das Laufen schwerfällt!

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und MEMBER OF THE 55. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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