Die Chef-Beraterin: Fußball, Idioten und Knochenbrüchen

Die Chef-Beraterin: Fußball, Idioten und Knochenbrüchen

, aktualisiert 31. Mai 2017, 15:58 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

von Sabina WachtelQuelle:Handelsblatt Online

Die Zeit, in der Fußball als Arbeitersport abgetan wurde, ist vorbei. Kollegen fachsimplen im Büro gerne über Abseitsregeln, Doppelpass sowie Torchancen – und gehen gemeinsam ins Stadion. Wenn da nicht die Idioten wären.

Es gehen tatsächlich viele Menschen zum Fußball, und auch ganz unterschiedliche. Von wegen Arbeitersport, das ist lange her. So wurde es in meinem Wohnort Frankfurt hektisch, als die Eintracht am vergangenen Wochenende nach annähernd 30 Jahren die Chance hatte, den DFB-Pokal zu holen.

Das habe sogar ich mitbekommen: Wer jemanden kannte, der in Berlin eine Wohnung hat, hatte gleich eine hohe dreistellige Zahl neuer Facebook-Freunde. Die wenigen Tickets für das Spiel wurden nach einem komplizierten Verteilerschlüssel unter den Vereinsmitgliedern, Dauerkartenbesitzern, Fanclubs und Glückspilzen vergeben. Der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic gab zu Protokoll, man hätte auch 100.000 statt der verfügbaren 20.000 Tickets unter die Leute bringen können. Stimmt wahrscheinlich sogar.

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So. Nun gehen, wie gesagt, viele unterschiedliche Menschen zum Fußball. Hunderttausende... Das entspricht etwas einem Fünftel der Frankfurter Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren. Sie sind Handelsblatt-Leser, damit sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit im Mittelfeld dieser Altersgruppe, Unternehmer möglicherweise, Manager oder Executive. Wenn Sie also 100 Mitarbeiter haben, gehen statistisch gesehen zehn davon zum Fußball; und unter diesen befindet sich ein Idiot. Das erste leite ich aus der Verteilung der Frankfurter Bevölkerung ab; das zweite ist meine persönliche Beobachtung.

Woran erkennen Sie nun den Idioten? Das ist leicht. In diesem Fall sogar sehr leicht: Er fischt sich zum Beispiel aus einer Haribo-Variety-Packung alle Vampire, beißt die Flügel ab (!) und lässt die angespeichelten Lakritzkörper in der Kaffeeküche auf der Arbeitsfläche liegen. Und das habe ich nicht erfunden, das gibt es wirklich.

Stellen Sie sich nun folgendes Szenario vor: Sagen wir, Ihre zehn fußballaffinen Mitarbeiter sind alle Anhänger desselben Vereins. Statistisch unwahrscheinlich, aber der Anschaulichkeit zuliebe gehen wir mal davon aus. Wir drehen die Zeit um eine Woche zurück – zehn leidenschaftliche Eintracht-Fans, alle haben Tickets fürs erste Finale nach fast 30 Jahren (ich weiß, dass das nicht realistisch ist. Ist doch nur ein Beispiel.), alle freuen sich wie Bolle. Das kann man nach Feierabend (Stichwort: „After-Work-Party“) auch mal begießen – gründlich.


DFB-Finale adé

Einer… Sagen wir eine: Renate. Renate aus der Buchhaltung hat zuviel gebechert, wankt noch einigermaßen erfolgreich nach Hause, schafft es fast bis in die Wohnung, knickt aber auf der letzten Stufe um und bricht sich den Knöchel. Kompliziert. Sechs Wochen nicht auftreten, Finale adé.

Die Nachricht macht im Kollegenkreis die Runde – und so sicher wie das Amen in der Kirche wird der Idiot spätestens eine Stunde nach dieser Info eine WhatsApp an Renate schicken: „Du, ich hätte da auch jemanden für Deine Karte, wenn Du die jetzt dann nicht mehr brauchst.“ Das geht gar nicht! Und glauben Sie mir: Das war derselbe Idiot, für den Sie kürzlich die Lakritz von der Arbeitsfläche gekratzt haben. Derjenige, der die saure Milch wieder zurück in den Kühlschrank stellt, für sich aber eine neue aufmacht, die er draußen stehen lässt.

P.S.: Die Karte von Renate hat übrigens die Aushilfe bekommen, wie sich später herausstellte. Denn als sie von dem Unfall erfuhr, hat sie erst einmal ungefragt die Einkäufe für Renate erledigt – und sie ihr nach Hause gebracht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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