Die Chef-Beraterin: Idioten überall

Die Chef-Beraterin: Idioten überall

, aktualisiert 22. Februar 2017, 17:11 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

An Fasching ist an Rhein und Main nichts mehr wie es war. Etikette- und Knigge-Trainer haben gut zu tun, denn niemand weiß so recht, wie man unbeschadet an Fasching durch die Arbeitsalltag kommt. Ein paar Tipps.

Die Abteilung von Herrn Hase, nein Herr Hase selber, ist aber auch witzig. Irgendjemand in der Kantine sagte mal, er hätte sadistische Züge. Kaum vorzustellen bei seinem herzlichen Humor. Herr Hase hat sich voriges Jahr am Rosenmontag doch tatsächlich in ein Zombie-Kostüm geschmissen. In ein richtig fieses mit übler Maske. Billig war das nicht. Da hat er sich nicht lumpen lassen. Das war es ihm wert.

Die Abteilung brauchte schließlich mal wieder Spaß (besonders er wahrscheinlich). Verraten hat er seinen Spaß-Plan selbstverständlich niemandem – außer seiner Frau. Die meinte zwar noch, er soll auch eine Lage Krapfen mitbringen. Hat er abgewunken… Das sei jetzt übertrieben, kostet ja auch 'ne Kleinigkeit. Hinter der Tür ist sein Platz heute… das muss reichen…

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Er ist extra früh aufgestanden, um ganz sicher der Erste in der Abteilung zu sein. Nach und nach trudelt also die Abteilung ein, immerhin sechs Frauen und vier Männer. Jede und jeder wird ordentlich erschreckt. Frau Meyer fällt sogar der Kaffeebecher aus der Hand, und Herr Wirz lässt solch einen Schrei los, dass Herr Hase vor Schreck zurückschreit. Ja, das macht Freude. Was macht man nicht alles um den Teamgeist zu stärken und ein fröhliches Miteinander zu schaffen. Das geht ja mal so gar nicht!

Es ist Fasching. An Rhein und Main ist nichts mehr wie es mal war. Zumindest für ein paar Tage. Ich habe gelesen, dass der Arbeitsalltag während der Faschingszeit stark von der Region abhängt (ach was!) und dass es immer noch eine individuelle Entscheidung des Unternehmens sei, ob gefeiert wird oder nicht. Was der Chef sagt wird gemacht, ein Recht auf Maskerade, auch im Rheinland, gibt es nicht. Dennoch haben Etikette- und Knigge-Trainer derzeit Hochsaison, weil offenbar niemand mehr weiß, wie man an Fasching – gerade in den Hochburgen – arbeitet. Eine Sache ist klar: Captain Spock geht immer. Nur nicht wenn ein Kundentermin ansteht. Das wäre dann mein wichtigster Tipp.

Erfahrene Knigge-Liebhaber formulieren das natürlich viel besser: Egal, was passiert, das Unternehmen geht vor (ich muss darüber so lachen, sorry!). Ein Beispiel: Meldet man sich am Telefon mit „Helau“ oder „Alaaf“ statt mit „Guten Tag“ kann das zwar witzig sein, kann aber auch danebengehen. Vielleicht kann jemand, der aus Kassel oder Bad Münstereifel oder von sonstwo anruft, dann doch nichts damit anfangen. Oder will es auch nicht. Die dürfen wir ja nicht vergessen. Die sind froh, wenn der Aschermittwoch vorbei ist.

Ein „Helau“ unter Karnevalisten, sofern man sicher ist, dass diese 75885878-Nummer tatsächlich einem Karnevalisten gehört, kann sicherlich auch die Geschäftsbeziehung fördern. Aber man muss sich sicher sein. Gehen Sie nicht auf Risiko, das ist mein Rat.


Knippe-Tipps für Altweiber

Ach ja… und nicht zu vergessen: Altweiber-Fasching… auch hierzu gibt es sensationelle Knigge-Tipps, wie Sie sich im Büro zu verhalten haben, liebe Frauen:

- Sofern Sie keinen Chef haben, der jedes Jahr demonstrativ und keck lächelnd mit einer Comic-Krawatte ins Büro kommt, und quasi darauf wartet… Vermeiden Sie bitte das Schlips abschneiden im Büro.

- Wer sich ohne zu fragen mit der Schere (ich stelle es mir gerade bildlich vor) an fremden Krawatten zu schaffen macht, kann schlimmstenfalls verklagt werden. Stichwort: Schadenersatz.

- Man sollte also fragen, ehe man die Schere ansetzt, damit die Herren die Möglichkeit haben, einzuwilligen oder abzulehnen. Das ist wichtig, liebe Frauen.

Ich lass jetzt mal die Themen Alkohol, Verkleidung, Bützchen und so weiter aus und bringe es auf den wichtigsten Punkt, den auch die Knigge-Trainer gerne immer und immer wieder betonen: Sie raten in dieser Zeit zu gegenseitiger Toleranz und Feingefühl. Es sei vor allem im Büro wichtig, die Bedürfnisse der anderen zu respektieren und sich an gewisse Regeln zu halten. Sonst gebe es schnell Ärger mit den Kollegen oder mit dem Chef. Toleranz, Regeln, Bedürfnisse der anderen…ja, auch in der Faschingszeit.
Aber das Schönste, was ich gelesen habe ist, dass man statt einer Polonaise durch die ganze Firma, das Schunkeln einfach in ein abgelegenes Büro verlegen sollte, wo es andere nicht stört. Ist das nicht herrlich?

Mein Tipp hierzu: Hier halten wir uns selbstverständlich wieder an die üblichen Regeln: Nicht übertreiben, die Form wahren, den Chef nicht abknutschen, den Kollegen vielleicht auch nicht, niemanden beleidigen, keinen erschrecken. Das war es eigentlich schon. Genießen Sie es!

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und MEMBER OF THE 55. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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