Die Chef-Beraterin: Ohne sie sind Sie ein Nichts!

Die Chef-Beraterin: Ohne sie sind Sie ein Nichts!

, aktualisiert 27. April 2016, 12:52 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Ich rette heute Ihren Ruf! Ich poliere Ihr Image, ich sorge dafür, dass man Sie morgen als den besten Chef oder die beste Chefin überhaupt titulieren wird. Glauben Sie nicht? Sie werden es erleben.

So oder so ähnlich läuft es in deutschen Büros, ja sogar weltweit: „Frau Ilke, ich bin kurz weg, ja? Frau Ilke, bin wieder daaaa! Wo sind die Konzepte für die Konferenz? Kann sich mal jemand um meinen Laptop kümmern, da ist wieder alles umgestellt! Keine Ahnung, wer das eben am Telefon war. Was meinen Sie eigentlich zu dem Strategiepapier vom Meyer – macht das Sinn? Haben wir Kekse? Der Drucker geht nicht.“ Kommt Ihnen bekannt vor?

Frau Ilke kann noch mehr und muss noch mehr ertragen. „Frau Ilke, wie verkaufe ich denn jetzt dem Müller die Entscheidung vom Vorstand am besten? Unter was ist der Kunde denn abgespeichert? Ihr sitzt ja hier, ich bin derjenige, der das dann draußen vertreten muss. Mensch! Wir müssen die Telco verschieben. Bitte lassen Sie sich was einfallen. Sie müssen auch noch mal über das Exposé – da sind noch Fehler drin! Denkt denn hier keiner mal mit? Ich muss doch mittags in Berlin sein – können Sie mal gucken, wie ich das hinbekomme und mir dann den Ablaufplan schnell mailen?“

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Heute ist der 27. April. 27. April! Dämmert es? Nein? Ich helfe. Morgen ist Donnerstag, der 28. April. Kommen Sie jetzt drauf? Ich ahne, dass Sie es nicht kapieren. Noch mal. Morgen ist der der 28. April. Das ist der dritte Donnerstag im April. Und wie Sie hoffentlich wissen (ich denke eher nicht wissen), ist das der Tag der… Sekretärin! Ihrer Sekretärin. Königin des Vorzimmers. Front Office Manager. Assistentin. Büromanagerin. Wie auch immer Sie sie nennen.

Wie hält man das eigentlich aus, ohne durchzudrehen? Genau. Eigentlich gar nicht. Wobei… Sie haben natürlich auch Macht, als heimliche Herrscherinnen. Wissen ist Macht. Und sie wissen alles. Verträge, Strategiepapiere, Kündigungen, Pläne jeglicher Art und Weise – es landet alles erst mal bei ihnen. Und wen die Assistentin gefressen hat, den hat sie gefressen.


Die Rache der Chefsekretärin

Wenn sie etwas für unwichtig befindet, dann ist es auch unwichtig. Das gilt für Mails, Telefonate, Termine sowieso. Da kann es dann schon mal länger dauern, wenn man mit dem Chef zum Lunch will, sich aber bei der Sekretärin unbeliebt gemacht hat.

Und sie hat Ihre Würdigung verdient. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Udo Lindenberg. Der nannte seine frühere Assistentin einen "Flexibelbetrieb" – eine Verneigung vor dem Können seiner Mitarbeiterin. Und wie sagte James Bond zu Miss Moneypenny, der berühmtesten Sekretärin der Welt: "There never has been and there never will be anybody but you." Ok, die hatten auch einen Flirt laufen, aber dennoch war es ein wertschätzendes Kompliment. Sagen Sie das auch, genau so!

Die Assistentin nicht gut behandeln, das geht gar nicht! Was passieren kann, wenn man es doch tut, erfahren wir von einer früheren Chefsekretärin, die unter dem Pseudonym Katharina Münk mehrere Bücher geschrieben hat über den täglichen Wahnsinn in ihrer Zeit als Vorzimmerdame. Um nur einen Titel zu nennen: „Und morgen bringe ich ihn um“.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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