Die Chef-Beraterin: Ohne Zepter keine Königin

Die Chef-Beraterin: Ohne Zepter keine Königin

, aktualisiert 19. Oktober 2016, 09:12 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Wir alle kennen die Studien: Sie sagen, dass Frauen im Business meist ‚nur‘ bis in das untere und mittlere Management gelangen. Ein leidiges Thema, und manch eine hat schon resigniert. Es fehlt am „Executive Modus“.

Oft genug hört man dann, mit müder Stimme vorgetragen: Es muss ja nicht jede Top-Managerin werden. Das ist das eine. Das andere aber ist, dass es viele gerne möchten. Und dann jammern, wenn es nichts wird.

Für das Top-Management, verehrte Damen, braucht man aber einen Top Habitus. Einen Habitus! Und den haben wir oft nicht. Jedenfalls haben den viele von denen nicht, die eine andere Gehaltsklasse für sich reklamieren. Dazu gehört zum einen die richtige Kleidung (ja, das tut mir auch weh, wenn ich höre, dass es daran liegen soll), aber auch anderes: Revier abstecken, ein paar Spielchen eben, Forderungen stellen, nicht zu viel über Privates sprechen, etc.. Und die Sprache der Männer. Nicht nur verstehen. Auch sprechen.

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Die Kommunikationschefin eines renommierten Verlagshauses fühlt sich, neu im Job, von den Vorständen ignoriert. Männerhaushalt eben. Traditionshaus. Hier wird alles erst mal so gemacht, wie es immer gemacht wurde. Sie ist die PR-Frau, wofür immer sie gut ist, wenn sie was will, muss sie an der Tür kratzen. So ist das. Sie sitzt auf der dritten Etage, wenn sie nach oben will, nimmt sie den Aufzug. Treffendes Bild. Und ein wahre Geschichte dazu.

Aber dann geschieht folgendes. Aufgrund diverser Umstrukturierungen wird auf der Vorstandsetage ein Raum frei. Die Vorstände kümmern sich nicht darum, wieso auch. Die Kommunikationschefin aber bekommt es mit und argumentiert, es sei doch viel besser, wenn sie auch räumlich näher an den Chefs wäre, ob sie nicht in das frei gewordene Büro ziehen sollte.

Gesagt, getan, von nun an muss, wer mit ihr sprechen will, durch ein geräumiges Vorzimmer, in dem die Mitarbeiterinnen der Kommunikationschefin fleißig tippen und telefonieren, und an ihrem Konferenztisch hat man den Skyline-Blick. Plötzlich klopfen die alle bei ihr an und fragen, was zu tun ist, wenn es um Kommunikation geht. Ich muss nicht erwähnen, in welcher Position die Frau inzwischen ist.

Liebe Frauen! Es ist wichtig mit den Basics anzufangen. Und an denen hakt es gewaltig. Markieren! Wir markieren zu wenig. Nehmen wir als Beispiel wieder das eigene Büro. Männer checken, wo das Büro des Chefs liegt, und ob es ein Fenster hat etc. Die meisten Frauen interessiert das wenig. Es interessiert sie auch dann wenig, wenn sie es dann mal endlich geschafft haben, ein eigenes Büro zu haben. Sie zeigen keine Kante, wie ich das nenne.


Markieren Sie, meine Damen!

Bevor man in den richtigen Habitus kommt, muss man in den richtigen Modus kommen. Der Film, in dem Sie spielen, müsste „Executive Modus“ heißen. Wer in mein Zimmer will, sollte anklopfen. Wer nämlich hier nicht die richtigen Signale sendet, wird mit einem heiteren Rein- und Rausgehen bestraft. Das ufert dann aus: Wer was will, setzt sich einfach hin und erwartet Aufmerksamkeit. Das geht gar nicht!

Fakt ist, leider lächerlich, aber wahr: Wenn Frauen nicht markieren (Männern muss man das nicht sagen!) – das heißt in diesem Fall: eine klare Botschaft senden, wann wer wie in ihr Büro eintreten darf – verlieren sie ihre Machtposition. Neben der klaren Botschaft markiert man außerdem seine Position mit Statussymbolen. Von Frauen hört man da besonders gern: „Statussymbole habe ich nicht nötig. Ich weiß ja, was ich kann.“

Halleluja! Wir, die für Taschen und Schuhe bereit sind über Leichen zu gehen! Dass ich nicht lache. Denn die anderen, die mit Ihnen am Konferenztisch sitzen, die sehen Ihnen eben nicht auf den ersten Blick an, was sie können. Die schielen nun mal auf die Panerai Radiomir 1940 am Handgelenk des Schnösels, der Ihnen gleich im Pitch den Rang ablaufen wird. Und auch wenn Ihnen der Dienstwagen nicht so wichtig ist. Doch! Er ist wichtig. Sie haben sich so eine Karre verdient, es gehört zum Spiel! Sie fahren ihn nämlich. Das würde einem Mann nie und nimmer passieren!

Und noch was: Wenn wieder jemand in Ihr Büro platzt. Nutzen Sie die Sprache, meinetwegen lächeln Sie dazu! Zum Beispiel bei dem blöden Herrn Schulte, der schon zum wiederholten Male einfach ins Büro stürmt und sich unaufgefordert hinsetzt. „Herr Schulte.“ Lächeln. „Herr Schulte, die Unterlagen, die Sie mir geschickt haben, sind nicht ausreichend.“ Lächeln. „Auch die Präsentation muss schleunigst überarbeitet werden.“ Lächeln. „In zwei Stunden muss die bei mir auf dem Tisch liegen.“ Lächeln. „Sonst habe nicht ich ein Problem.“ Lächeln. „Nein, Herr Schulte, sonst haben Sie ein Problem.“ Lächeln. „Und zwar ein großes.“ Lächeln. „Danke, Herr Schulte.“ Lächeln.

Reißen Sie sich zusammen, sonst läuft irgendwas falsch. Ohne Zepter keine Königin.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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