Die Chef-Beraterin: Sind Sie auch Volltischler?

Die Chef-Beraterin: Sind Sie auch Volltischler?

, aktualisiert 06. Juli 2016, 10:45 Uhr
Bild vergrößern

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Wer immer den Schreibtisch voll hat, muss sich stetig gegen die Kritik der Leertischler verteidigen. Dabei hemmt ein bisschen Chaos am Arbeitsplatz nicht unbedingt die Produktivität, findet Kolumnistin Sabina Wachtel.

Ich versuche immer, ein Leertischler zu werden. Gerade zum Ende der Woche hin tendiere ich jedoch zum Volltischler. Volltischler haben, das sagte der Name ihren Schreibtisch voll. Voller Papier. Voller Vorgänge, voller Stifte. Nicht zu verwechseln übrigens mit den Messi-Tischlern. Die haben noch alte Kaffeetassen, irgendwelches Essen, alte Fotos, Cremes etc. auf dem Tisch rumfliegen.

Volltischler müssen sich im Übrigen immer gegen die Leertischler verteidigen und beteuern, dass sie in ihrem Chaos arbeiten können und wissen, was in welchem Papierhaufen steckt und wo sie es finden. Das glauben aber die Leertischler nicht. Und geben dann gern Tipps, die sie selbst nicht durchhalten:

Anzeige

1. Schreibtisch komplett leerräumen (allein dafür nimmt sich schon niemand Zeit).

2. Ausmisten aller unnötigen Dokumente, Papiere, Gegenstände.

3. Unterteilung sämtlicher Unterlagen/Vorgänge in Boxen:
a. Eine Box für Unterlagen, die man permanent benötigt.
b. Eine Box für Aufgaben, die demnächst anstehen.
c. Eine Box für Unterlagen, die man evtl. wegwerfen kann.
d. Eine Box für Unterlagen, die man garantiert wegwerfen kann.
e. Box für private Unterlagen, die gefälligst nach Hause gehören (diesen Punkt finde ich am besten und sinnvollsten).

4. Anschaffung eines Notizbuches statt Post-its.

5. Immer nur das auf den Tisch legen, was aktuell bearbeitet wird.

6. Jeden Abend, vor dem Nachhause gehen: Schreibtisch aufräumen.

Ha. Ha. Das geht gar nicht!


Ein Volltischler wird niemals ein Leertischler

Vorteile eines Leertischlers soll ja die viel höhere Produktivität sein: Keine Suche nach irgendwas, was wiederum Zeit spart und den Blick auf das Wesentliche behält. Die Zeitersparnis steht natürlich ganz oben auf der Liste (als ob man als Volltischler stundenlang suchen würde…die übertreiben dann alle auch wieder).

Außerdem soll es erwiesen sein, dass Leertischler einen besseren Eindruck auf Kollegen, Kunden etc. machen würde – und auf den Chef. Andere sagen das Gegenteil: Ein super leerer Schreibtisch kann auch den Eindruck erwecken, dass der- oder diejenige zu wenig zu tun hat.

Eins ist klar. Ein Volltischler wird niemals ein Leertischler. Das ist so wenig erfolgreich wie Karl Lagerfeld zu überzeugen, dass man mit dem Tragen von Jogginghosen eben nicht die Kontrolle über sein Leben verliert. Abgesehen davon ist Herr Lagerfeld garantiert ein Volltischler.

Bei mir als (Halb-)Volltischler ist es eher die Angst, etwas total Wichtiges zu vergessen, wenn es nicht auf meinem Schreibtisch liegt. Ob ich es finde, wenn ich es brauche oder gar suche, steht dann wieder auf einem anderen Blatt…

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%