Die Chef-Beraterin: Stilistische Verwirrungen im Winter

Die Chef-Beraterin: Stilistische Verwirrungen im Winter

, aktualisiert 07. Dezember 2016, 07:15 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Fahrrad, Bahn, U-Bahn: Meistens ist man so schneller unterwegs als mit dem Taxi. Aber gerade das vermittelt Sicherheit – und vor allem bietet es den Damen Schutz. Vor stilistischen Verwirrungen im Winter.

Wer bei milden Temperaturen noch strammen Schrittes die anderthalb Kilometer vom Bahnhof zum Tagungshotel läuft, wird bei knackigen Minusgraden doch versucht sein, ins Taxi zu steigen.

Es wird der eine oder andere sogar zugunsten des Taxis ganz aufs Bahnfahren verzichten oder das eigene Auto mit den zentimeterdick zugefrorenen Scheiben vor der Tür stehen lassen. Dabei ist das Taxi nicht unbedingt immer das schnellste Fortbewegungsmittel.

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Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass bei hoher Verkehrsdichte in einem Radius von bis zu 7,5 Kilometern das Fahrrad - selbst bei moderatem Fahrtempo und Beachtung der meisten Verkehrsregeln das schnellste Fortbewegungsmittel ist. Bahnen, sofern sie unterirdisch fahren, sind völlig Stau-resistent und schon deshalb zur Hauptverkehrszeit innerhalb der Stadt im Vorteil.

Ebenso wie ICEs, die auf den entsprechenden Strecken ungeteilte Vorfahrt genießen. Und wer 15 Minuten Zeit hat, auf ein Taxi zu warten, das dann wiederum 10 Minuten unterwegs ist, hätte sich seinem Ziel aller Wahrscheinlichkeit nach in der gleichen Zeit doch auch zu Fuß entscheidend nähern können. Dabei habe ich die obligatorischen Staus und rote Ampeln bei der Taxifahrt gar nicht berücksichtigt.

All dies bedacht – gibt es dennoch einige Gründe, Taxi zu fahren. Besonders im Winter. Einer dieser Gründe: Es beruhigt die Nerven. Nicht die eigenen unbedingt, aber doch die der anderen. Denn Taxis vermitteln – ob zu Recht oder nicht, sei einmal dahingestellt – ein subjektives Gefühl der Zuverlässigkeit. Sagen wir: Das Meeting startet in drei Minuten. Herr Müller steht mit seiner Präsentation als erstes auf der Agenda. Er ist aber noch nicht da. Er ruft an: „Sorry, bin noch in der Bahn, müsste aber gleich da sein.“ Oh Graus. Das weiß ja keiner, wie lange das jetzt noch dauert und dann muss er ja auch erst mal vom Bahnhof… Und überhaupt: Letztens bei dem Fehler im Stellwerk ging ja gar nichts mehr und dass die Bahn bei Wintereinbruch öfter mal… Sie kennen das.


Wenn die Herren betreten zu Boden schauen

Sagt Herr Müller aber am Telefon: „Sitze gerade noch im Taxi, bin gleich da“, hat die versammelte Belegschaft doch gleich ein viel dynamischeres Bild vor Augen. Es kommen sicher keine Zweifel auf, dass Herr Müller schon gleich da sein wird. Und ist er doch nicht gleich da, so vergeht die Zeit doch viel schneller, weil man sich über Taxis eben einfach nicht so aufregt wie über die Bahn. So ist das nämlich. Alles eine Frage des Images.

Das ist aber längst noch nicht der gravierendste Grund, sich für das Taxi und gegen die Bahn, das eigene Auto oder gar das Fahrrad zu entscheiden. Besonders für Frauen gilt nämlich: Nur das Taxi, ja! Ich bitte Sie fast darum. Denn nur das Taxi bietet fast hundertprozentigen Schutz gegen stilistische Total-Verwirrungen, wie sie eben nur vorkommen, wenn man mehr als drei Schritte von Auto zu Tür oder von Tür zu Auto laufen muss.

Ja, meine lieben Damen, so sieht es nämlich aus: Ohrenschützer als Gipfel der Skandal-Accessoires sind der wahre Grund, warum wir uns von Tür zu Tür chauffieren lassen sollten. Und ich entschuldige mich jetzt schon, dass ich heute schon wieder „uns“ im Visier habe. Aber ich sehe es einfach jeden kalten und frostigen Morgen: Frauen tragen Ohrenschützer. Und Ohrenschützer gibt es, also was ich so sehe, in grausamer Vielfalt. Mit Leopardenmuster, Tigermuster, flauschig und puffig oder samtig und glatt, rosa, glitzernd, gestreift – immer aber schrecklich. Das geht gar nicht!

Kürzlich erst, ich war bereits im Meeting), kam die Chefin der Unternehmenskommunikation herein gerauscht – 20 Minuten zu spät… die Bahn mal wieder. Und tatsächlich: Sie trug Ohrenschützer. Oh Gott. Ich bilde es mir wirklich nicht ein, aber die anwesenden Herren guckten betreten zu Boden. Einer gluckste sogar, meine ich. Ich guckte wie ein Taxi. Nur nicht so schnell.

Meine Damen, jahaaaaaaa!!!! Es mag sein, dass Ohrenschützer praktisch sind, weil sie die Ohren wärmen. Es würde Sie aber auch ein umgestülpter Mülleimer vor Regen schützen – und trotzdem verzichten Sie darauf. Ganz ehrlich: So tief, dass uns Ohrenschützer nicht mehr albern aussehen lassen, können die Temperaturen gar nicht sinken.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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