Die Chef-Beraterin: Von Anzugträgern und Moppelchen

Die Chef-Beraterin: Von Anzugträgern und Moppelchen

, aktualisiert 31. August 2016, 11:59 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

von Sabina WachtelQuelle:Handelsblatt Online

Der Gewinnertyp geht immer mutig seinen Weg, während den Verlierer jede Veränderung in Angst versetzt. An diese vermeintlichen Regeln im Spiel des Lebens glaubt unsere Kolumnistin nicht. Worauf es wirklich ankommt.

Heute poppte folgendes auf meinem Bildschirm auf: Eine Zeichnung. Linke Seite die Skizze eines schlanken Business-Typen in Anzug und Krawatte (offenes Jackett… die lernen es auch nie!), rechts ein eher moppeliger Typ mit kurzen Hosen, Schlabbershirt und an den Füßen eine Art Sandalen. Über dem einen stand die Überschrift „Der Gewinner“, über dem anderen, was sonst, „Der Verlierer“.

Dass der Gewinner der mit dem Anzug ist, der Verlierer der mit dem Schlabbershirt, das können Sie sich ja denken. So.

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Weiter: Neben dem Anzug-Typen stand dann, in einfachen Worten, was ihn (hier: „Gewinner“) an Charaktereigenschaften ausmacht, die Wesenszüge des Gewinnertypen quasi. Daneben das Gleiche für den Verlierertypen. Gähn!

Ja, ich musste zwar gähnen (Ich weiß auch nicht, wie oft man die immer gleichen Klischees noch einmal witzig, clever oder kreativ aufbereiten kann), habe aber natürlich weitergelesen (so wie es Ihnen mit meiner Kolumne geht).

Der Gewinner-Typ zum Beispiel redet der Grafik zufolge über Ideen und Möglichkeiten, der Verlierer spricht über andere Menschen und Probleme (Anmerkung: Da ist was Wahres dran!). Weiter: Der Gewinner übernimmt die volle Verantwortung, während der Verlierer den anderen die Schuld für seine Fehler gibt. (Auch nicht von der Hand zu weisen, finde ich!).

Der Verlierer lästert und nörgelt an anderen herum, während der Gewinner die Siege der anderen feiert und an sich selbst arbeitet. Was hat er denn noch so zu bieten, der Gewinner? Er nimmt Chancen wahr, riskiert Dinge. Er ist selbstbewusst (natürlich!) und sammelt Erfahrungen, im Gegensatz zum Verlierer, der vor allem materielle Dinge sammelt (Amen!). Der Gewinner folgt seiner Leidenschaft und hat Ziele. Der Verlierer versagt, weil der eher faul ist, große Träume hat, aber nie, wirklich nie etwas verwirklicht.

Der Gewinner, der mir gerade immer unsympathischer wird, achtet sehr auf seine Gesundheit, was der Verlierer natürlich nicht macht. Im Gegenteil. Nicht nur, dass er seinen Job hasst (so stand das da), nein, er ist generell launisch, aufbrausend und stur. Stimmt. So etwas erlebt man ja bei Gewinner-Typen selten ...äh...

Offenbar macht sich die Vorstellung breit, dass der Gewinnertyp immer mutig seinen Weg geht, während den Verlierer jede Veränderung in Angst und Schrecken versetzt. Letztgenannter hängt vor dem Fernseher, während der Gewinner noch ein paar lockere Runden im Park läuft und abends noch ein Buch liest.

Der Verlierer träumt sich in die Karibik und bleibt dabei auf dem Balkon. Der Gewinner schätzt seine Chancen realistisch ein – und holt das Beste für sich heraus, wobei er selbstverständlich noch andere unterstützt, denn der Gewinner hilft anderen, unterstützt sie und freut sich auch über deren Erfolge.

Alles klar? Nee. Überhaupt nicht. Das heißt nämlich im Umkehrschluss: Wenn Sie mal echt einen Sch… Tag erwischt haben, dann sind Sie einfach selber schuld. Wahrscheinlich mal wieder zu viel gemeckert, statt das Glas halbvoll zu sehen. Bestimmt zu wenig an sich geglaubt, statt die eigenen Stärken in Szene zu setzen.


Der Omi und dem Aufsichtsrat danken

Ja glaubt denn wirklich einer, dass wir mit der richtigen Einstellung alle Sieger im dicken Spiel des Lebens sind? Das geht gar nicht! Wer das glaubt, ist – meiner Meinung nach – schief gewickelt.

Die sogenannten Gewinner haben sicherlich immer auch eine schöne Portion Glück gehabt – und jede Menge Menschen, die ihnen den Weg geebnet haben. Da können wir ruhig alle mal anfangen mit dem Danke-Sagen, von der Grundschullehrerin, die das kreative Talent entdeckt hat, über die Omi, die das erste Auto bezahlt hat, bis zum demjenigen, der im Aufsichtsrat den Weg für den Vorstandsposten geebnet hat.

Der krönende Abschluss, sozusagen das Finale dieser Wahnsinns-Skizze: Der Verlierer wäre gern in Wahrheit lieber jemand anderes und hofft heimlich, dass andere scheitern. Äh, ich weiß, was Sie fragen wollen: Sprechen die jetzt von Männern und Frauen oder von Verlierern und Gewinnern?

Schöne Woche!

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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