Die Chef-Beraterin: Vorsicht, Dauerallure!

Die Chef-Beraterin: Vorsicht, Dauerallure!

, aktualisiert 06. Mai 2016, 10:25 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Gerade im Monat Mai empfehle ich Ihnen besser nicht, mit Ihren Mitarbeitern essen zu gehen. Mit Ihren Klienten auch nicht.  Schon gar nicht abends, schon gar nicht mitten in der City! Denn Sie könnten „ihnen“ begegnen.

Vor langer, langer Zeit waren Junggesellenabschiede Events betrunkener Männer, die grölend durch die Kneipen zogen. Durch Kneipen, die zu umgehen mir leicht fällt. Es gab nur wenige Berührungspunkte zwischen den Junggesellenabschieden und mir. Während sich aus diesen grölenden Männerhorden heraus ein Trend zur Event-Kultur entwickelte – die Spannbreite würde ich etwa zwischen pedalbetriebenem Biermobil und Fallschirmspringen verorten – dominieren seit einigen Jahren, der an sich löblichen Gleichberechtigung sei Dank, die weiblichen Pendants die abendlichen Innenstädte. Und die sind so ein bisschen gnadenloser.

Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass Wirte günstig gelegener Lokale auf 20 bis 25 Junggesellinnenabschiede an einem Samstagabend kommen. Aber auch unter der Woche feiern die Junggesellinnen ihren Abschied, als gäbe es kein Morgen. Der Trend hat (typisch Frau!) sehr serviceorientiert angefangen: Die Damen liefen rum, man musste Schnaps für einen Euro kaufen oder sich die Fingernägel lackieren lassen, der Braut einen Kuss auf die Wange geben oder eine Rose schenken. Da habt ihrs den Kerlen aber mal so richtig gezeigt!

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Ich habe den Verdacht, dass die kleinen Dienstleistungen angesichts der schieren Masse nicht dauerhaft gut angekommen sind. Jedenfalls beobachte ich seit einiger Zeit einen Trendwandel: Man macht eigentlich gar nichts mehr Spezielles, sondern bestellt sich einfach ein Set T-Shirts in Pink mit einem lustigen Spruch drauf, der irgendwas mit Heiraten zu tun hat („Game over“ ist noch eines der harmlosesten Shirts). Die zukünftige Braut haut sich einen Schleier auf den Kopf und zieht samt T-Shirt („ICH heirate, die anderen sind nur zum Feiern dabei!“) ausgestattet um die Häuser. Vielleicht ein bisschen laut, aber weitestgehend ohne die Außenwelt zu belästigen.


Seinen Standpunkt zeigen!

Für einen Moment beachsichtige ich die Dienstleisterin dieser Gruppe zu werden. Und ich habe eine Idee. Ich erfinde ein Logo, ein Mission Statement. Aber das angestrengt witzige Statement geht gar nicht! Statt bemühter Wortspiele, statt Reim oder Anspielung auf den herben Verlust, den die Männerwelt erleiden wird, empfehle ich den Begriff „Dauerallure“. T-Shirts sind da eine sehr, sehr schöne Sache. Man hat ein Gesprächsthema, man zeigt seinen Standpunkt.

Und: Das T-Shirt muss lange tragbar sein. Auf dass der Zustand, der auf die Braut zukommt, zum Dauerzustand werde. Oder umgekehrt, dass er anhält, solange man das T-Shirt trägt. Zum einen, weil es immer passt, zum anderen, weil man es auch nach der Eheschließung tragen kann. Dann eigentlich erst recht.

Dauerallure wird zur Metapher eines Zustandes der Frau jedes Alters werden. Ein Statement wie ein Bollwerk gegen jeden Diskurs. Unabhängig, zeitlos. Was bleibt, sozusagen.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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